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Meerbeck Erdnussflips aus Schierneichen
Schaumburg Niedernwöhren Meerbeck Erdnussflips aus Schierneichen
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00:17 02.08.2018
Konrad Schulz hat die alten Faltschachteln mit seinem Logo aufbewahrt. Quelle: bab
MEERBECK

Bevor er sich in Meerbeck niederlies, hat der umtriebige Senior, der auch im Haushalt bestens zurechtkommt, Schaumburg und die Region Hannover aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln kennengelernt.

Gebürtig kommt Schulz aus Jävenitz bei Gardelegen in der Altmark. „Da bin ich aber schon 1947 abgehauen“, erzählt der Meerbecker. Dass heute in seinem Keller etliche Einmach- und Marmeladengläser von der Ernte aus seinem Garten stehen, liegt daran, dass er nach dem Tod seiner zweiten Frau festgestellt hat, dass ihm Supermarktware nicht schmeckt.

Aber das ist vielleicht auch darauf zurückzuführen, dass Konrad Schulz dies eigentlich von der Pike auf gelernt hat. „Ich bin gelernter Landwirt“, verrät er. Das gereichte ihm in der Nachkriegszeit zum Vorteil. „Die Bauern suchten händeringend nach Helfern, die Männer waren ja alle nicht da.“

Als Reisender beworben

Und es kamen die Wiederaufbau- und Wirtschaftswunderjahre, die auch Schulz in die Karten spielten. Zunächst verschlug es Schulz nach Egestorf an den Deister. Durch Kontakte und Bekanntschaften wechselte er seine Stellen einige Male und entdeckte bei der Brotfabrik Henze in Wettbergen sein Interesse für das Kaufmännische.

Dort arbeite er als Auslieferer für Backwaren. „In Hannover gab es Tausende kleiner Tante-Emma-Länden, die beliefert werden mussten.“ In den sechziger Jahren geriet er ebenfalls durch Mund-zu-Mund-Propaganda an die Firma Heidorn-Pudding in Wennigsen. „Da habe ich mich als Reisender beworben und meine kaufmännische Lehre nachgeholt“, berichtet der Meerbecker von seiner nächsten Station.

Zufällig auf die Erdnuss gekommen

Durch Zufall habe er dann erfahren, wie man Erdnusskerne verarbeitet. „Ültje-Kerne war der erste, der das gemacht hat“, sagt Schulz. „Weil das ganz gut läuft, habe ich gedacht: Das kannst du auch“, erzählt er. Auf der Suche nach einer geeignet großen Immobilie ist der heutige Meerbecker schließlich in Schierneichen fündig geworden, wo er die Ställe eines Nebenerwerbshofs für die Produktion ausgebaut hat.

Schließlich verkaufte er ab 1969 Schulzes Studentenfutter, geröstete und glasierte Erdnüsse, Flips, Chips und Popcorn. Wegen seines eigenen Logos und der Gestaltung seiner Packungen, die er bei einem Dekorateur in Auftrag gegeben hatte, kamen sogar Nachfragen von Mitbewerbern, wie Schulz nicht ohne Stolz erzählt. Das Faltschachtelwerk Serong in Höxter hatte die Schachteln sogar in ihre Musterkollektion für die Vertreter aufgenommen. Das Sterben der Tante-Emma-Läden ab den siebziger Jahren habe den Absatz immer schwieriger gemacht, sagt Schulz. 1978 musste er die Produktion einstellen. Von Babette Jakobs