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Gewaltopfer bekommt kein Geld

Trotz Körperverletzung Gewaltopfer bekommt kein Geld

Bei der Bewertung einer Gewalttat in Bad Hiddenserborn kommen zwei Gerichte zu unterschiedlichen Ergebnissen. Obwohl ein Strafgericht drei Angeklagte verurteilt hat, erhält das Opfer von den Männern kein Schmerzensgeld.

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Quelle: Symbolfoto (dpa)

Meerbeck/Bückeburg. Am Himmelfahrtstag 2013 war der Praktikant einer Gaststätte während der ausklingenden Vatertagsfeier so schwer verletzt worden, dass er eine Hirnblutung erlitt und auf einem Ohr taub geblieben ist. Das Schöffengericht in Stadthagen verurteilte daraufhin im März 2016 drei Bückeburger wegen gefährlicher Körperverletzung zu Bewährungsstrafen zwischen 15 Monaten und zwei Jahren. Richter Kai Oliver Stumpe sprach von einem „äußerst brutalen Angriff“.

Parallel zu diesem Strafprozess hatte das Opfer die drei Männer außerdem in einem Zivilverfahren vor dem Bückeburger Landgericht verklagt, unter anderem auf insgesamt 30000 Euro Schmerzensgeld. Im Dezember hat die 2. Zivilkammer die Klage jetzt vollständig abgewiesen. Das berichtet Rechtsanwalt Volkmar Wissgott, der seinen Mandanten in beiden Verfahren vertritt.

Gastronom will Angeklagte wiedererkannt haben

„Die Zivilkammer führt auf vielen Seiten des Urteils aus, warum man der Aussage eines Gastwirtes nicht folgen kann“, fasst Wissgott zusammen und erinnert daran, dass Staatsanwalt André Lüth im Strafprozess auf Freispruch plädiert hatte. Am Vatertag wollte besagter Gastwirt eingreifen, nachdem mehrere Männer den Praktikanten, der gerade aufräumte, von einem Radlader gezogen haben sollen. Auf dem Gerichtsflur will der Gastronom die drei Angeklagten später wiedererkannt haben.

In seinem Plädoyer wies Staatsanwalt Lüth dann auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes hin, wonach das Wiedererkennen eines Angeklagten während der Hauptverhandlung nur einen äußerst geringen Beweiswert habe. Es sei nicht auszuschließen, dass der Zeuge das Bild der Angeklagten vor Gericht unbewusst auf die Täter vor Ort projiziert habe. Für Lüth „spricht Einiges dafür, dass die Angeklagten in irgendeiner Form an der Auseinandersetzung beteiligt waren – aber man kann nicht sagen, in welcher“. Das Schöffengericht hatte seinen Schuldspruch auf die Aussage des Wirtes sowie einer früheren Angestellten der Gaststätte gestützt.

Das Zivilgericht findet die Aussage der Frau sowie anderer Zeugen dagegen „unergiebig“. Allein auf die Aussage des Wirtes könne eine Verurteilung nicht gestützt werden, heißt es. Auch im Zivilverfahren hatte der Gastronom die Beklagten als Täter identifiziert. Dies sei jedoch unzureichend, befanden die Richter.

Fragen bleiben nach Beweisaufnahme offen

Zu berücksichtigen sei nämlich, dass Zeugen gelegentlich Angst hätten, beim Wiedererkennen zu versagen, weil sie Polizei und Gericht helfen wollten. Durch diese „prekäre Lage“ könnten falsche Identifizierungen zustande kommen. Nach der Beweisaufnahme bleibt aus Sicht der Zivilkammer zum Beispiel auch offen, ob der Praktikant vom Radlader gezogen wurde oder selbst abgestiegen ist, ob er geschlagen und getreten wurde oder seine Verletzungen die Folgen eines Sturzes waren.

Rechtskräftig ist bisher keines der beiden Urteile. Gegen die Verurteilung zu Freiheitsstrafen haben alle drei Angeklagten Berufung eingelegt. Obwohl Straf- und Zivilverfahren voneinander unabhängig sind, hofft Rechtsanwalt Wissgott, dass sich das Urteil im Zivilprozess auch in der demnächst anstehenden Berufungsverhandlung zugunsten seines Mandanten auswirkt. Das Ziel sei Freispruch. ly

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