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Meerbeck Hausbesuch mit Elektroschocker
Schaumburg Niedernwöhren Meerbeck Hausbesuch mit Elektroschocker
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18:05 10.01.2019
Symbolbild Quelle: dpa
Seggebruch/Bückeburg

Mit einem Elektroschocker hat ein Bückeburger (40) einem Bekannten aus Seggebruch, der sich ein Fahrrad ausgeliehen und nicht zurückgebracht hatte, einen Besuch abgestattet. Als Verstärkung nahm er vier junge Männer mit. In welcher Form der Elektroschocker, auch als Taser bekannt, zum Einsatz gekommen ist, muss ein Prozess klären, der jetzt vor dem Landgericht in Bückeburg begonnen hat.

Das Verfahren gegen die damals noch jugendlichen Helfer hat die 1. Große Jugendkammer bereits am ersten Prozesstag eingestellt, allerdings gegen Arbeitsauflagen von jeweils 40 Stunden. Zurück auf der Anklagebank blieb ihr Anführer. „Ich habe keinen angefasst und niemanden verletzt“, erklärte der 40-Jährige zum Auftakt. In seinem Fall geht es um besonders schweren Raub, ein Verbrechen. Die Jugendlichen sollen ihm geholfen haben.

Taser und Machete

Am Abend des 19. Februar 2016 waren fünf ungebetene Besucher in der Seggebrucher Wohnung des heute 24-Jährigen angerückt, bewaffnet mit dem Taser sowie einem Messer, das in der Anklageschrift als Machete bezeichnet wird. Sie durchsuchten alles und ließen unter anderem 19 Spiele für eine Playstation sowie einen Fahrzeugbrief mitgehen, offenbar als eine Art Entschädigung oder Druckmittel. Bloß nach dem gesuchten Fahrrad sah offenbar keiner.

Als der Hausherr verhindern wollte, dass das Quintett auch seine Playstation mitnahm, soll deren Anführer zur Waffe gegriffen haben. „Er hat mich dann mit seinem Elektroschocker getasert“, so der 24-Jährige, der nach einem Treffer am Arm „ein unangenehmes Kribbeln gespürt“ haben will. In seiner polizeilichen Vernehmung hatte der Seggebrucher zu Protokoll gegeben, er habe ein Sweatshirt oder sogar eine Jacke getragen, vor Gericht war jetzt von einem T-Shirt die Rede. Die vier anderen Männer wirkten auf ihn, als habe der Bückeburger sie „angestiftet“, was den Jugendlichen „selbst unangenehm gewesen“ sei.

50.000 Volt Spannung

Der erwachsene Anführer gibt zu, den Fernseher und die Playstation des 24-Jährigen kaputt getreten zu haben. Er bestreitet jedoch, den Hausherrn mit dem Elektroschocker berührt zu haben. „Dann wäre er umgefallen“, so die Erklärung des Bückeburgers. „Das Ding ist ein Taser der Polizei in Amerika und hat 50.000 Volt.“ Mit dem Gerät will der 40-Jährige lediglich „rumgefuchtelt und ein- oder zweimal abgedrückt“ haben. „Da hat er schon Schiss gekriegt ohne Ende.“

Das Fahrrad ist dem Bückeburger wichtig, er wollte es unbedingt zurück. „Ich habe es selbst gebaut, da steckte Herzblut drin“, betont der Handwerker. Umso mehr war er darüber verärgert, dass der andere Mann ihn im Streit um das Zweirad bei WhatsApp beleidigt haben soll. „Ich bin mit den Jungs hingefahren, weil ich wusste, dass er Verstärkung in der Wohnung hat“, erinnert sich der Angeklagte. Tatsächlich saßen dort zwei junge Männer, die jedoch nicht eingriffen. Das Fahrrad hat der 24-Jährige zwischenzeitlich zurückgegeben. Der Prozess wird fortgesetzt. ly