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Prozess mit „üblem Beigeschmack“

Gewaltexzess am Vatertag Prozess mit „üblem Beigeschmack“

Der Prozess gegen drei Männer, die den Praktikanten einer Gaststätte in Bad Hiddenserborn am Himmelfahrtstag 2013 übel zugerichtet haben sollen, wird zur Farce. Zum dritten Mal ist es nicht zur Verhandlung gekommen, obwohl ein Termin angesetzt war. Alle saßen im Saal – bis auf einen: Diesmal hat sich überraschend ein Angeklagter krankgemeldet.

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Meerbeck/Stadthagen (ly). Verteidiger Raban Funk will davon erst am Abend vor der Verhandlung erfahren haben. Beim ersten Anlauf im Dezember 2014 war der Prozess geplatzt, nachdem Funk Richter Kai Oliver Stumpe als befangen abgelehnt hatte – ein Antrag, mit dem der Anwalt scheiterte. Im vergangenen Juli meldete sich dann kurzfristig eine wichtige Zeugin krank. Innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist ließ sich kein neuer Termin finden.
Die Anwälte der Nebenklage, die das Opfer vertreten, sind mit ihrer Geduld am Ende. „Die Sache hat einen üblen Beigeschmack“, meinte etwa Rechtsanwalt Ralf Jordan mit Blick auf die drei Verteidiger. „Wir müssen hier mal zu Potte kommen“, erklärte Jordans Kollege Alexander Berndt und schlug vor, das Verfahren gegen den einen Angeklagten abzutrennen.
Davon sah Richter Stumpe jedoch ab, weil der erkrankte Bückeburger als Zeuge im Prozess gegen die beiden anderen Männer ebenfalls verhandlungsunfähig wäre und nicht einmal geladen werden könnte. Stattdessen nutzte Stumpe die Zeit, um mit dem amtsärztlichen Dienst zu telefonieren. Später ordnete er eine amtsärztliche Untersuchung des Bückeburgers an.
Einem Attest seines Hausarztes zufolge leidet der mutmaßliche Schläger unter anderem an „Angststörungen“ und ist mindestens vier Wochen lang verhandlungsunfähig. Dennoch soll der Prozess am kommenden Freitag fortgesetzt werden. Staatsanwalt André Lüth legt dem Trio schwere Körperverletzung zur Last, juristisch ein Verbrechen.
Als besonders quälend dürfte das Opfer die wiederholten Verzögerungen empfinden. Der junge Mann, zum Zeitpunkt der Tat 24 Jahre alt, leidet bis heute an den Folgen der Tat – körperlich und seelisch. Er hatte eine Hirnblutung erlitten und ist auf einem Ohr taub geblieben.
Am Abend des verhängnisvollen 9. Mai 2013, als die Feier zum Vatertag bereits ausklang, wollte der Praktikant mit Kollegen Gläser einsammeln. Einer Gruppe von Besuchern passte das nicht. Als der Praktikant die Männer höflich bat, Platz für einen Radlader zu machen, auf dem er stand, wurde der 24-Jährige von der Ladefläche gezogen.
Bis zu sechs Täter sollen ihn geschlagen und getreten haben, als er bereits am Boden lag. Ob die drei Angeklagten dabei waren, muss der Prozess zeigen. Alle kommen aus Bückeburg. Zwei sind Mitte 20, einer bereits über 30 Jahre alt. Der Praktikant war damals nicht das einzige Opfer: Frakturen im Gesicht hatten ein Gastwirt und dessen Sohn erlitten. Sie wollten nur helfen. 

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