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Staatsanwalt plädiert auf Freispruch

Gewaltexzess in Bad Hiddenserborn Staatsanwalt plädiert auf Freispruch

Im Prozess gegen drei Bückeburger, die am Vatertag 2013 in Bad Hiddenserborn den Praktikanten einer Gaststätte übel zugerichtet haben sollen, hat Staatsanwalt André Lüth auf Freispruch plädiert. Rechtsanwalt Alexander Berndt, der das Opfer vertritt, forderte eine Verurteilung.

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Quelle: Symbolfoto

Meerbeck/Stadthagen. Die drei Plädoyers der Verteidigung werden für den 14. März erwartet. Am selben Tag könnte Richter Kai Oliver Stumpe die Urteile verkünden. Mit der Entscheidung geht ein hart umkämpfter Prozess zu Ende, der das Amtsgericht in Stadthagen seit Anfang Dezember beschäftigt und zuvor zweimal geplatzt ist. Der erste Anlauf war im Dezember 2014.
Trotz der langen Verfahrensdauer ist es aus Sicht von Staatsanwalt André Lüth nicht gelungen, die Tat aufzuklären, an deren Folgen das Opfer, ein mittlerweile 26-Jähriger aus Helpsen, bis heute leidet. Der Praktikant hatte damals eine Gehirnblutung erlitten. Hinter ihm liegen mehrere Klinikaufenthalte und Therapien, arbeiten kann er zurzeit nicht.
„Es spricht Einiges dafür, dass die drei Angeklagten in irgendeiner Form an der Auseinandersetzung beteiligt waren“, erklärte Lüth. „Aber man kann nicht sagen, in welcher.“ Der Tatablauf bleibe unscharf - in einer Art Alkoholnebel. Besonders bedauerlich sei dies für das Opfer. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass dessen Verletzungen auf das Geschehen zurückzuführen sind.

Zeuge hat Angeklagte auf Fotos zunächst nicht erkannt

Im Kern, so André Lüth, könne eine Verurteilung nur auf die Zeugenaussage eines Gastwirtes gestützt werden. Nach Auffassung des Staatsanwaltes lässt sich dies jedoch nicht mit Entscheidungen des Bundesgerichtshofes (BGH) in Einklang bringen. Vor Gericht hatte der Gastronom zu Protokoll gegeben, die drei Angeklagten beim Prozessauftakt im Justizgebäude wiedererkannt zu haben. Auf Lichtbildern, die dem Zeugen im Vorfeld vorgelegt worden waren, konnte er die Männer nicht identifizieren.
In seinem Schlussvortrag erinnerte André Lüth an die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) in Fällen wie diesem. „Das Wiedererkennen eines Angeklagten in der Hauptverhandlung hat demnach nur einen äußerst geringen Beweiswert“, erklärte er. Der Gastwirt hatte angegeben, die Männer an ihrer Statur erkannt zu haben. Für Lüth ist diese Begründung „nur wenig nachvollziehbar“.
Es sei daher nicht ausschließen, dass der Zeuge das Bild der Angeklagten vor Gericht unbewusst auf die Täter vor Ort projiziert habe, eine so genannte Autosuggestion. Vor dem Hintergrund der BGH-Rechtsprechung müsse „im Zweifel für die Angeklagten“ entschieden werden. Im Gegensatz zu Lüth hält Opferanwalt Alexander Berndt die Aussage des Gastronomen für glaubhaft. Der Gastwirt selbst hatte damals eine Kieferfraktur erlitten, sein Sohn einen Nasenbeinbruch.
Zur Last gelegt wird den drei Angeklagten schwere Körperverletzung. Bis zu sechs Männer sollen den Praktikanten geschlagen und getreten haben, als dieser gegen Ende der Veranstaltung zum Vatertag mit anderen Bediensteten der Gaststätte Gläser einsammeln wollte. Zuvor soll er von einem Radlader gezogen worden sein. Möglicherweise ist der Helpser dabei mit dem Kopf auf den asphaltierten Weg geprallt. ly

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