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Meerbeck Prozess um Gewaltexzess zieht sich
Schaumburg Niedernwöhren Meerbeck Prozess um Gewaltexzess zieht sich
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14:02 09.08.2018
Der Prozess ist seit 2014 viermal geplatzt. Quelle: dpa
Meerbeck

Drei Männer aus Bückeburg und Bad Eilsen sollen den Praktikanten einer Gaststätte, der mit Kollegen Gläser einsammeln wollte, so verprügelt haben, dass das Opfer eine Hirnblutung erlitt und auf einem Ohr taub geblieben ist.

Das Schöffengericht in Stadthagen hatte die Angeklagten im März 2016 wegen gefährlicher Körperverletzung zu Bewährungsstrafen zwischen 15 Monaten und zwei Jahren verurteilt. Vor dem Bückeburger Landgericht läuft zurzeit die Berufungsverhandlung. Allein dort ist es bereits der dritte Anlauf. Aus verschieden Gründen ist der Prozess seit Ende 2014 viermal geplatzt – beide Gerichte zusammengerechnet. Dreimal hatte die Verteidigung Richter abgelehnt, in zwei Fällen davon mit Erfolg. Einmal war eine wichtige Zeugin krank geworden.

Vater erleidet Kieferriss

Die Beweisaufnahme gestaltet sich auch diesmal schwierig. Das Opfer, zur Tatzeit 24 Jahre alt, kann sich an nichts erinnern. „Fünf oder sechs Tage sind weg“, erklärte der Helpser zum Prozessauftakt. Was damals passiert sein soll, wisse er nur von anderen. Zu diesen Zeugen gehören ein Gastwirt und dessen Sohn, die an jenem 9. Mai ebenfalls angegriffen worden waren, als sie ihrem Praktikanten helfen wollten. Der Vater erlitt einen Kieferriss, sein Filius einen Nasenbeinbruch. Beide werden demnächst vernommen.

Bis zu sechs Männer sollen den Praktikanten damals von einem Radlader gezogen, geschlagen und noch getreten haben, als er bereits hilflos am Boden lag. Die Ärzte stellten ein Schädel-Hirn-Trauma mit Hirnblutungen fest. Psychisch ist der Verletzte schwer angeschlagen.

Verärgert, weil es nichts zu trinken gab

Eine Zeugin, die damals ebenfalls in der Gaststätte beschäftigt war, kann oder will sich nicht genau erinnern. „Ich hab‘s aus meinem Gedächtnis verbannt und wollte davon auch nichts mehr wissen“, erklärte sie. Richterin Christiane Wilk hielt ihr eine polizeiliche Vernehmung im Vorfeld des Prozesses vor. Damals hatte die Zeugin sinngemäß zu Protokoll gegeben, in einer Gruppe von vier oder fünf Leuten einen der jetzt Angeklagten erkannt zu haben.

Über den Praktikanten sagte sie, dieser habe die Gruppe „ganz normal angesprochen“. Dem erstinstanzlichen Urteil zufolge hatte der Gastwirt gehupt, während der Praktikant die Zecher mündlich aufforderte, zur Seite zu treten. Die Männer sollen verärgert gewesen sein, weil es nichts mehr zu trinken gab. Zu den Vorwürfen schweigen die Angeklagten. Die Tat muss ihnen nachgewiesen werden.

Freispruch scheint denkbar

Im ersten Prozess war das Schöffengericht Stadthagen von einer Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung abgerückt, die härter bestraft wird als gefährliche Körperverletzung. Dazu müsste das Opfer auf beiden Ohren taub sein. Nun erscheint sogar ein Freispruch denkbar, nachdem eine Zivilkammer am Landgericht eine Klage des Helpsers auf 30.000 Euro Schmerzensgeld abgewiesen hat. Rechtskräftig ist diese Entscheidung noch nicht.  ly