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Vulgär und wortgewaltig

Wigald Boning liest Vulgär und wortgewaltig

Wigald Boning hat in der Meerbecker Kirche über Martin Luther geredet. Über einen Mann der Extreme, einen der nicht mit Kraftausdrücken geizte, manchmal vulgär, zugleich wortgewaltig, ein Christ, Professor und Sprachgenie, „einer der sich nicht als Held eignet, aber auch nie einer sein wollte“.

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Ob das wohl eine Lutherkerze ist? Wigald Boning begutachtet die „raffinierte und liebevolle“ Dekoration auf der Bühne.

Quelle: kil

MEERBECK. Dieses Bild hat der Kabarettist und Autor Wigald Boning in der gefüllten Meerbecker Kirche vom großen Reformator vermittelt. „Martin Luther – dem Volk aufs Maul geschaut“ lautete der Titel der Lesung, die die Landeskirche anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums organisiert hatte.

Als „ein Geschenk der Landeskirche“ bezeichnete Pastorin Antje Stoffels-Gröhl den Auftritt von Boning: „Ein getaufter Katholik spricht in einer evangelischen Kirche.“ Wie passend vor dem Hintergrund, dass die Meerbecker Kirche über 500 Jahre lang katholisch gewesen sei.

Zu dünn angezogen

Begleitet von Stephan Winkelhake am Klavier und Ulrich Schulz an der Trompete gab Boning einen Überblick über Luthers Wirken und Leben – vom Studium der Theologie in Wittenberg, über den Ketzerprozess bis zu seinem Tod mit 62 Jahren. Doch bevor der Kabarettist dem Reformator „aufs Maul“ schaute, lobte er zunächst die „raffinierte und liebevolle“ Bühnendekoration.

Ein Playmobil-Luther, Luther-Bier – „Ich bin noch nicht so häufig in Kirchen aufgetreten“, sagte Boning. „Dass sieht man auch daran, dass ich zu dünn gekleidet bin“, sorgte er im kurzärmeligen Hemd für den ersten Lacher des Abends. Aber warum redet eigentlich ausgerechnet er über Luther? Dank eines katholischen Vaters und einer protestantischen Mutter habe er früh „religiöse Toleranz“ gelernt und eine ökumenische Erziehung erfahren. „Daher rührt mein Interesse für den Reformator“, erklärte Boning.

Der Papst als Arschgeige oder Antichrist

 Auf die „dunklen Kapitel“ aus Luthers Leben wollte Boning „ausnahmsweise verzichten“. So schilderte er im Folgenden einen Mann, der den Papst „mal als Arschgeige, mal als Antichrist“ und sich selbst als „stinkenden Madensack“ bezeichnete. Einen Mann, der die Worte Gottes in eine verständliche Sprache gebracht und sich dafür stark gemacht habe, dass Priester auch nicht mehr wert seien als „normale Gläubige“. Boning gab dem Mann eine Stimme, der mit seinen 95 Thesen „die Mauern zwischen Welt und Kirche aufgerissen hat“ – und erntete für seinen Auftritt viel Applaus.  kil

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