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Nicht nur Vokabeln pauken

Deutschkurs für Flüchtlinge Nicht nur Vokabeln pauken

Aseel ist einer von durchschnittlich 13 Asylbewerbern, die seit fünf Wochen im Deutschkurs in der Alten Schule in Niedernwöhren nicht nur die deutsche Sprache lernen, sondern vor allem üben, wie sie im Alltag in der ihnen noch fremden Umgebung zurecht kommen.

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Shahoud schreibt eifrig mit. In den Osterferien darf der Schüler am Kurs in der Alten Schule teilnehmen.

Quelle: kcg

Niedernwöhren. „Ich bin fertig.“ Stolz legt Aseel den Stift zur Seite und hält sein Arbeitsblatt in die Luft. Nase, Mund, Augen, Kinn: Der junge Mann aus dem Irak hat alle Teile des aufgemalten Gesichts beschriftet und wartet nun auf die nächste Aufgabe von Inge Schnetzke.

Montags bis donnerstags sitzen die Männer und Frauen aus Syrien und dem Irak vor der großen Tafel, pauken deutsche Wörter und die komplizierte Aussprache, lernen, wie sie Formulare ausfüllen und wo sie einkaufen können.

„Uns war wichtig, nicht nur die Sprache zu vermitteln“, sagt Schnetzke, die den Kurs gemeinsam mit Horst Loose und etlichen Helfern auf die Beine gestellt hat – ehrenamtlich an vier Tagen in der Woche. Ziel sei vielmehr gewesen, den Flüchtlingen das Handwerkszeug für die Integration in der Samtgemeinde mitzugeben. Deshalb gehe es nicht nur um Vokabeln, sondern auch um den Alltag auf dem Land. Das schließt den Einkauf im Supermarkt ein, in dem Mehl und Zucker ganz anders verpackt sind, als es die Schutzsuchenden von zu Hause kennen. Und es geht um Bräuche wie die Osterfeuer in den Dörfern. „Wir haben sie darauf vorbereitet, dass von den Feuern keine Gefahr ausgeht“, erklärt Schnetzke. Schließlich liege es nahe, dass Menschen, die aus einem Bürgerkriegsland geflüchtet sind, Feuer eher mit Gewalt verbinden als mit einem Fest der Dorfgemeinschaft.

Eigentlich ist Schnetzke Erzieherin. Erste Erfahrungen im Unterrichten von Asylbewerbern sammelte sie in der Deutschlernklasse im Stadthäger Wilhelm-Busch-Gymnasium. Auf die Initiative der Meerbecker Pastorin Antje Stoffels-Gröhl sei sie dann schnell bereit gewesen, den Integrationskurs in Niedernwöhren zu organisieren. Das Ziel: Alle Flüchtlinge über 18, die nicht mehr schulpflichtig sind, sollen die Möglichkeit haben, Deutsch zu lernen.

Entgegen den Erwartungen sei der Start reibungslos verlaufen. „Alle Teilnehmer sind alphabetisiert, wenige sprechen Englisch und können bei Verständnisproblemen übersetzen“, schildert die ehrenamtliche Lehrerin. Und dann gibt es ja noch die Möglichkeit, einen Dolmetscher in den Kurs zu holen. Das Unterrichtsmaterial hat die Diakonie gratis zur Verfügung gestellt, außerdem orientiert sich Schnetzkes Team an den Arbeitsblättern anderer Unterstützerkreise. „Das Internet ist da eine große Hilfe.“

Vor allem die Arbeit Hand in Hand mit allen Helfern in der Samtgemeinde sei toll. Wer von den Flüchtlingen nicht zu Fuß oder mit dem Rad in die Alte Schule kommen kann, werde von Ehrenamtlichen im Auto gebracht. Und der Niedernwöhrener Schreibwarenladen „Gänseblümchen“ habe Blöcke und Stifte gespendet.

Mittlerweile leben etwa 50 Asylbewerber in Pollhagen, Niedernwöhren, Wiedensahl und Meerbeck. „Wir überlegen nun, einen zweiten Kurs anzubieten.“ kcg

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