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Zwei Jahre Jugendknast für 22-Jährigen

Raub, Körperverletzung und Drogenbesitz Zwei Jahre Jugendknast für 22-Jährigen

Das Jugendschöffengericht hat gegen einen 22-jährigen Nordsehler zwei Jahre Jugendhaft ohne Bewährung verhängt. Damit kam Richter Kai Oliver Stumpe dem Antrag des Staatsanwalts nach. Der Angeklagte legte ein umfassendes Geständnis ab. Ihm wird Raub mit vorsätzlicher Körperverletzung und Drogenbesitz vorgeworfen.

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Nordsehl (kil). Einbezogen hat das Gericht auch die Bewährungsstrafe, die das Landgericht Bückeburg im Juli 2014 ausgesprochen hatte – wegen Vergewaltigung einer jungen Frau am Vatertag 2010 in Bad Hiddenserborn bekam der Nordsehler 1,5 Jahre.
Seit 2010 hat der 22-Jährige, der zuletzt bei seinen Eltern in Nordsehl wohnte, mehrere Straftaten begangen – unter anderem Diebstahl und Sachbeschädigung.
Weil der Arbeitslose ein Geständnis ablegte – „Damit war vorher nicht zu rechnen“, so Stumpe –, wurde die Befragung der Zeugen überflüssig. Wie der Nordsehler zugab, hatte er im März 2013 im Suff einen um die 50 Jahre alten Mann am Stadthäger Viehmarkt mit der Faust an den Kopf geschlagen und dessen Geldbörse geraubt. Dabei waren auch zwei Kumpel. Alle tranken Bier, das Opfer – ebenfalls betrunken – hatte sich offenbar dazugesellt. Mit dem Geld zog der Nordsehler zusammen mit einem seiner Kumpel weiter durch die Kneipen. Stumpe fragte nach dem Alkoholkonsum des 22-Jährigen. Damals habe er viel und jedes Wochenende getrunken. Seit eineinhalb Jahren sei damit Schluss. Die Verhandlung fand erst jetzt statt, weil der Angeklagte erst durch DNA-Spuren an einer der Flaschen ausfindig gemacht werden konnte.
Die zweite Straftat: Bei einer Verkehrskontrolle im November 2013 stellte die Polizei fest, dass der Nordsehler bei einer Party in Stadthagen Amphetamine konsumiert hatte. Er gab zu, ein bis zwei Gramm gekauft zu haben. Von wem, wollte er nicht sagen.
Seit Oktober ist der 22-Jährige in der JVA in Sicherungshaft, weil die Bewährungsstrafe vor der Widerrufung stand. Grund: Der Nordsehler hatte sich zwar zu Beginn ambitioniert gezeigt, seinen Bewährungsauflagen – monatliche Zahlungen an das Vergewaltigungsopfer und 50 Arbeitsstunden – nachzukommen, sich dann aber kaum noch gemeldet. Fazit: Er sei „mit Mitteln der Sozialarbeit nicht mehr zu erreichen.“ Sogar sein Verteidiger sprach von „einem erbärmlichen“ Bewährungsverhalten.
Dieser Bericht deckte sich mit dem der Jugendgerichtshilfe, die die Familie seit 2010 kennt und hier für das Jugendstrafrecht eintrat. Alle Hilfsangebote seien nicht angenommen worden, berichtete eine Mitarbeiterin. Die Eltern seien zwar bemüht, aber überfordert gewesen.
Diese Hilflosigkeit der Eltern zeigte der Vater auch im Gerichtssaal: „So kann es nicht weitergehen.“ Er würde seinen Sohn immer unterstützen, aber er könne nicht mehr zu Hause wohnen und „nur rumhängen“.
Die Planlosigkeit und Unzuverlässigkeit des Angeklagten haben auch dazu beigetragen, dass sich das Gericht gegen eine Bewährungsstrafe entschied. Stumpe: Die Entscheidung sei ihm und den Schöffen nicht leicht gefallen. Der Verteidiger hatte dafür plädiert, seinem Mandanten „noch eine Chance zu geben“, weil er geständig und seit 2013 nicht mehr straffällig war. Staatsanwalt und Richter sahen das anders: „Eine Bewährungsstrafe wäre ein Rückschritt“, so Stumpe. Der Angeklagte biete keinen Anlass zu der Annahme, dass er sich um Arbeit, Ausbildung oder Wohnung bemühen werde. Der Staatsanwalt argumentierte: Die fehlende Struktur solle ihm jetzt die Jugendanstalt bieten.
Richter Stumpe gab dem Nordsehler zum Schluss noch einen gut gemeinten Rat: Er habe die Option, Berufung einzulegen. Dann hätte er sechs Monate in Freiheit Zeit, dem Landgericht zu beweisen, was ihm gestern nicht gelang: dass „er es tatsächlich gebacken kriegt, sein Leben zu wenden“.

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