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Pollhagen Das Schicksal stellte die Weichen
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14:10 03.04.2012
Erika und Ernst Kensche lernten sich 1951 beim Lauenhäger Erntefest kennen. Quelle: pr

Pollhagen (gus). Dabei hatten Erika und Ernst Kensche ihr gemeinsames Leben im äußerst bescheidenen Verhältnissen und fernab der eigentlichen Heimat begonnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ernst Kensche mit seiner Familie aus Niederschlesien vertrieben. Per Zufall landete der heute 82-Jährige in Pollhagen. Am Stadthäger Bahnhof angekommen, wurde seine Familie auf den Karren eines Pollhäger Bauern verfrachtet. Da hatte das Schicksal die erste Weiche gestellt.

Erika Kensche verschlug es ebenfalls zufällig aus der Nähe von Helmstedt nach Pollhagen, da ihre Schwester nach dem Krieg dort wohnhaft geworden war. Damit hatte das Schicksal die zweite Weiche gestellt, die dritte ließ nicht lange auf sich warten: Beim Erntefest in Lauenhagen im Jahr 1951 lernte sich das heutige Diamant-Paar kennen, und der Funke sprang sofort über. „Er ging mir nicht mehr aus dem Kopf“, erinnert sich Erika Kensche.

Ein halbes Jahr später feierte das Paar Hochzeit, was damals einen großen Vorteil hatte. Nur als Verheirateter war es Ernst Kensche erlaubt, ein Haus zu bauen. „Er hat mich praktisch gezwungen“, sagt die Ehefrau mit einem Augenzwinkern. Der gelernte Maurer, der später als Meister das Pollhäger Betonwerk leitete, musste das Familienheim freilich weitgehend aus eigener Kraft konstruieren. Und das keineswegs in einem Rutsch. „Immer wenn ein Kind kam, bauten wir an“, sagt Ernst Kensche schmunzelnd. Das Paar musste demnach sechsmal anbauen. Denn so viele Kinder wurden es.

1953 wurde das erste Mädchen geboren. Es folgten bis 1969 fünf weitere Töchter. Zuzüglich der sechs Schwiegersöhne, der neun Enkel und deren Lebenspartnern sowie dreier Urenkel ist die Familie auf 31 angewachsen. Darauf sind Erika und Ernst Kensche stolz, aber sie sind auch dankbar, dass alle ihre Kinder gesund geblieben sind.

Tragische Erlebnisse hat es in den 60 Ehejahren einige gegeben. So musste Erika Kensche ihre Schwiegermutter pflegen, als diese an Alzheimer erkrankte. „Das war eine harte Zeit“, erinnert sie sich. Und sie nahm auch ihre eigene Mutter in Pflege.

Die positiven Erinnerungen überwiegen jedoch bei weitem. Dazu zählt auch ein weiterer Fingerzeig des Schicksals: Als das junge Paar im Herbst 1952 keinen Cent Geld hatte, ging Erika Kensche in den Wald zum Pilzesammeln. Sie fand Steinpilze, die sie im Laufe der Zeit für 150 Mark verkaufte. Und zwar an einer Stelle, an der nie wieder welche wuchsen.

Eine weitere schöne Erinnerung ist die an eine Familienreise in die schlesische Heimat Ernst Kensches. Mit 25 Personen ging es im Jahr 2000 mit dem Bus dorthin. „Das vergessen sie alle nicht“, sagt Ernst Kensche lächelnd.