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Kein Nachfolger in Sicht

Hausarzt-Praxis steht auf unbestimmte Zeit leer Kein Nachfolger in Sicht

Für die Arztpraxis des verstorbenen Mediziners Peter Müller in Hespe hat sich noch kein Nachfolger gefunden. Es hat zwar vier Bewerber gegeben, alle sind aber mittlerweile wieder abgesprungen, berichtet Samtgemeindebürgermeister Ditmar Köritz auf Nachfrage.

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Mediziner haben laut Kassenärztlicher Vereinigung kaum Interesse daran, die Belastung als Landarzt auf sich zu nehmen.

Quelle: dpa

SAMTGEMEINDE NIENSTÄDT. . Das Praxisgebäude gehört den Samtgemeindewerken. Nachdem Müller im Juli dieses Jahres verstorben war, habe die Samtgemeinde die Hausarztstelle im Ärzteblatt und einem weiteren Fachmagazin ausgeschrieben. Die Praxis ist nach Köritz Einschätzung recht modern ausgestattet. Ein Nachfolger findet sich dennoch nicht. Es habe zwar vier Bewerber für die Niederlassung in Hespe gegeben, alle sind aber wieder abgesprungen. Köritz glaubt, dass viele junge Ärzte Angst davor haben, das Risiko einer Selbstständigkeit einzugehen.
Bleiben derzeit noch drei Hausärzte für die Bewohner der Samtgemeinde Nienstädt: Stefan Pump in Sülbeck, Hans-Joachim Duddeck in Nienstädt und Joachim Pentzek in Helpsen. Die Gemeinde konnte Pump erst im vergangenen Jahr dafür gewinnen, in die leere Praxis an der Ringstraße einzuziehen. Das Gebäude gehört ebenfalls den Samtgemeindewerken. Es scheint gut zu laufen, jedenfalls hat der Mediziner nach Angaben von Köritz den Wunsch an die Samtgemeindewerke herangetragen, seine Praxis zu erweitern. Da Pump auch als Betriebsarzt tätig ist, brauche er den Platz, erläutert Köritz. Ein offizieller Beschluss ist noch nicht gefallen. Man prüfe aber schon, wie eine Erweiterung im kommenden Jahr bestmöglich umzusetzen ist.
Die beiden übrigen Praxis-Häuser sind in Privatbesitz. Wie lange die Mediziner noch praktizieren werden, weiß der Samtgemeindechef nicht, aber beide Ärzte seien bereits über 60 Jahre alt, sodass man davon ausgehen könne, dass diese Praxen nicht mehr allzulange bestehen werden.
Bei der Suche nach neuen Landärzten sind die Möglichkeiten der Kommune begrenzt. Sie habe zwar bereits Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) aufgenommen, diese hat aber auch noch kein Rezept dafür gefunden, junge Mediziner aufs Land zu locken.
Viele scheuen sich nach Angaben eines KV-Sprechers davor, Notdienste zu übernehmen, haben Sorgen vor der großen Arbeitsbelastung eines Landarztes – Stichwort Work-Live-Balance – und möchten eine möglichst gute Infrastruktur vor Ort haben.
Um den Landarztberuf schmackhafter zu machen, lockt die KV mit Zuschüssen zur Neueröffnung und einem gesicherten Umsatz für die ersten drei Jahre.
Wenn ein Arzt dicht macht, erklärt der Sprecher, bleibe den Patienten nichts anderes übrig, als sich einen neuen Arzt zu suchen. Als Hilfe bei der Hausarztsuche empfiehlt die KV das Internetportal www.arztauskunft-niedersachsen.de. Wann die maximale Auslastung einer Praxis erreicht ist, liege im Ermessen des jeweiligen Arztes, erklärt der Sprecher. Dann könne er durchaus einen Patientenstopp ausrufen. Notfälle müssten selbstverständlich trotzdem behandelt werden.

Versorgungsgrad von 96,2 Prozent

Zu der Mittelregion Stadthagen zählen 21 Kommunen aus Schaumburg: Auetal, Auhagen, Beckedorf, Hagenburg, Helpsen, Hespe, Heuerßen, Lauenhagen, Lindhorst, Lüdersfeld, Meerbeck, Niedernwöhren, Nienstädt, Nordsehl, Obernkirchen, Pollhagen, Sachsenhagen, Seggebruch, Stadthagen, Wiedensahl und Wölpinghausen. Zusammen macht das nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) 72 609 Einwohner. Im gesamten Gebiet sind 43 Hausärzte niedergelassen. Das bedeutet einen Versorgungsgrad von 96,2 Prozent. Dieser kommt durch den Versorgungsschlüssel zustande, der besagt, dass ein Hausarzt auf 1625 Patienten kommt. Ein Versorgungsgrad von 100 Prozent sei optimal, ab 110 spricht die KV von einer Überversorgung, dann sei die Region für neue Niederlassung gesperrt. Von Unterversorgung ist die Rede, wenn es weniger als 75 Prozent sind. „Dann muss die KV mit aller Macht versuchen, einen neuen Arzt zu etablieren“, erklärt ein Sprecher Vereinigung. Die 96,2 Prozent in der Mittelregion Stadthagen sagen aus, dass dort noch sechs weitere Niederlassungen möglich wären, bevor die 110 Prozent erreicht wären.

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