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Untergang nur vertagt?

Badewonne Untergang nur vertagt?

Die Einwohnerfragestunde hat sich bei der Samtgemeinderatssitzung zur Klagestunde entwickelt. Wie berichtet hat die Vertagung der Entscheidung zur Badewonne die Bürger erbost. Statt Fragen zu stellen, konfrontierten sie die Politiker vor allem mit Konsequenzen, die die Schließung des Hallenbades für die Einwohner habe – von einer sinkenden Schwimmerquote über den Verlust der Wohnortattraktivität bis zur Politikverdrossenheit.

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Samtgemeinde Niedernwöhren. Diese „Hinhaltetaktik“ habe einen Schaden angerichtet, der nicht wieder gut zu machen sei, hieß es von den Bürgern. Von „unsozialer Einstellung“ war die Rede. Durch die Schließung des „einzigen Leuchtturmprojekts“ gehe die Attraktivität des Standortes verloren. Und: Wo sollen all die Leute jetzt hin, um ihre Therapien und Kurse zu machen? Die Samtgemeinde habe doch die Pflicht, auch solche Dinge zu berücksichtigen.
Samtgemeindebürgermeister Marc Busse reagierte sachlich: Alternativen sehe er in umliegenden Kommunen, wie Lindhorst, Stadthagen und Bad Eilsen, meinte er und erntete sarkastisches Lachen.
Auch Jutta Roth, Leiterin der Wilhelm-Busch-Grundschule, schaltete sich ein. Wenn es die Badewonne nicht mehr gebe, müssten die Kinder zu anderen Bädern gefahren werden. Schwimmen sei ja im Unterricht vorgeschrieben. „Ist sich der Schulträger über diese Kosten bewusst?“ „Ja“, lautete Busses Antwort. Dass die Fahrt ins Tropicana Mehrkosten von rund 5000 Euro bringen könnte, sei wohl allen klar.
Andere Bürger gingen auf die „politischen Kosten“ ein: „Das wird sich auf die nächste Wahl auswirken.“ Zündstoff lieferte Wiedensahls Ortsbrandmeister Hauke Heinitz: Niemand wolle, dass das Bad dicht macht, sagte er, gab aber zu bedenken, dass die Samtgemeinde auch Pflichtaufgaben zu erfüllen habe. „Was würde an Pflichtaufgaben auf der Strecke bleiben?“, fragte er und bekam Kontra aus den Reihen. „Nur, weil ihr eure neue Feuerwache braucht...“. Diesen Ball nahm Ratsherr Friedrich Eickmann (Grüne) auf: Warum stellt man nicht den Bau der Feuerwache Süd-Ost zwei Jahre zurück, um die Badewonne auf Kurs zu bringen? Applaus von vielen Einwohnern.
In dem Durcheinander versuchte Busse klar zu machen: „Ich habe immer gesagt, dass wir die Badewonne erhalten wollen.“ Aber: Es sei nur eine befristete Führung des Fördervereins zu erwarten. Und die Verwaltung könne das Kursangebot nicht übernehmen. Das Defizit müssten schließlich auch die Bürger durch Umlagen und Steuern mittragen.
Letztlich stellte sich der Rat die Frage, ob die Fragestunde künftig „so gestaltet werden sollte“. Busse: Laut Kommunalgesetz seien die Einwohner nicht berechtigt, politische Statements und Anregungen abzugeben. Vielleicht hätte man härter durchgreifen sollen. Dagmar Kretschmer (Grüne) beschwichtigte: Das zeige eben, wie sehr das Thema die Bürger bewegt. „Das müssen wir ertragen, ob es uns gefällt oder nicht.“ kil

Reiner Pragmatismus

Das war kein plötzlicher Sinneswandel, sondern Pragmatismus“, begründet Rolf Wöbbeking, Vorsitzender des Fördervereins Badewonne die Entscheidung, die vorsorgliche Kündigung vorerst wieder zurückzunehmen. Er habe bis zur letzten Sekunde gebangt, ob sich noch etwas an der Entscheidung der Politiker drehen lasse, sei dann aber zu dem Schluss gekommen, dass der Rat in seiner Sitzung vermutlich das endgültige Aus der Badewonne beschließen würde.
„Da musste ich die letzte Chance nutzen“ – und diesen Druck ausüben, erklärt Wöbbeking. Denn, wenn die technische Anlage erst einmal abgeschaltet ist, lässt sie sich nach drei Monaten nicht mehr so einfach wieder anschalten. Das galt es, zu verhindern.
Die Kausalität, die Samtgemeinde müsse das Bad dicht machen, weil der Förderverein kündige, sei schlicht die Unwahrheit. Die Kündigung sei von Anfang an doch nur ein „Vehikel“ gewesen, um den Politikern klar zu machen: Es muss was geschehen. Dass die Badewonne jetzt geschlossen wird und hinterher alle sagen, „hätte der Förderverein doch nicht gekündigt ...“ – diesen Schuh wollte sich Wöbbeking einfach nicht anziehen.
Stattdessen biete er den Politikern nun zwei Monate Verlängerung der Betriebsführung an. In dieser Frist soll die Samtgemeinde endlich die Grundsatzentscheidung treffen: „Wollen wir das Bad erhalten? Und wenn ja, wieviel würden wir investieren?“ Wöbbeking selbst macht sich um den Haushalt der Samtgemeinde keine Sorgen. Aber darum, ob man den Willen aufbringen wird, die Zukunft der Badewonne so zu gestalten, dass sie auch in 20 Jahren noch attraktiv ist. kil

Kommentar: Man dreht sich im Kreis

Kirsten Elschner

Quelle: rg

von Kirsten Elschner

Das Frustbarometer steigt und steigt. Bei den Bürgern, weil sie um ihr Hallenbad bangen, bei den Politikern, die das Thema endlich zu den Akten legen wollen, und beim Förderverein, der immer noch ein klares Signal aus dem Rat vermisst. Dass die Entscheidung jetzt zum wiederholten Mal verschoben wurde, war wohl nur die Spitze des über Monate wachsenden Eisberges, der die Bürger zum Platzen gebracht hat.

Ihr Ärger ist nach dem ewigen Hin und Her auch verständlich. Auch wenn das wilde Durcheinander von Buh-Rufen und Vorwürfen sicher nicht zielführend war, so zeigt es doch, dass das Thema Badewonne bewegt. Und das eben nicht nur auf politischer, sondern vor allem auch auf emotionaler Ebene.

Dass Mittwoch erneut kein Beschluss fiel, ist dieses Mal allerdings nicht allein den Politikern zuzuschreiben. Zurecht fragt man sich, warum der Förderverein erst am Tag der entscheidenden Sitzung die Notbremse gezogen hat.

Offenbar hat der Vorstand kalte Füße bekommen. Denn, dass der Rat dieses Mal für das Aus des Bades gestimmt hätte, ist mehr als wahrscheinlich. Für die Signalwirkung in Richtung der Bürger war der Verlauf der Sitzung dennoch ungünstig.

So oder so: Politik und Förderverein drehen sich seit Monaten im Kreis. Der Förderverein droht mit Kündigung, weil die Politik sich nicht klar positioniert – und die Politik kann nicht entscheiden, solange sie nicht weiß, ob der Förderverein weitermacht.

Dass Rolf Wöbbeking jetzt weitere zwei Monate abwarten will, hat zwar die Schließung kurzzeitig abgewendet. Aufgrund der Tatsache, dass sich an den Zahlen und Konzepten aber nichts geändert hat, scheint der Untergang der Badewonne doch nur aufgeschoben.

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