Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
„Das macht süchtig“

Wiedensahl „Das macht süchtig“

Es gibt nichts, das man nicht auf einen Zollstock drucken kann – Günter Uhlig muss das wissen, denn der 74-jährige Sammler besitzt mittlerweile 37200 Zollstöcke, die er in seinem kleinen Museum präsentiert.

Voriger Artikel
Pinkelpause: Test bestanden
Nächster Artikel
Mit allen Wassern gewaschen

Wo man higuckt, nur Zollstöcke: Ein besonderes Exemplar, das Günter Uhlig jetzt selbst in Auftrag gegeben hat, ist der Zollstock zum 150. Geburtstag von Max und Moritz.

Quelle: kil

Wiedensahl. Zum 150. Geburtstag von Max und Moritz lag es da nahe, dass Uhlig auch für dieses Ereignis einen passenden Zollstock hat fertigen lassen. Auf der vorderen Breitseite prangen die beiden Lausbuben, auf der Rückseite sind ihre Streiche aus der Feder von Wilhelm Busch abgebildet.

 Die meisten seiner Zollstöcke gibt der Wiedensahler aber nicht selbst in Auftrag. In erster Regel ist er immer noch Sammler. Würde Uhlig all seine Zollstöcke ausklappen und aneinander legen, käme man bei einer Länge von zwei Metern pro Stock auf rund 74 Kilomter. Das ist ungefähr die Strecke von Wiedensahl bis Bielefeld. Aufhören will und kann er mit dem Sammeln noch längst nicht. „Das macht süchtig.“

 Einige Stöcke fallen längenmäßig aus der Reihe: Ein Miniatur-Zollstock in der Sammlug ist nur etwa fünf Zentimeter lang, während der längste ganze fünf Meter misst.

 Das Museum hat Uhlig in seinem Keller im Jahr 2000 eröffnet. Mit dem Sammeln hat er aber schon Ende der siebziger Jahre begonnen, als er anfing, sich in Wiedensahl ein Haus zu bauen. Uhlig, der selbst zur Zimmermannszunft gehört, bot den reisenden Gesellen Arbeit an. Einmal kamen zwei Zunftsbrüder, die in ihrem Bündel gemeinsam 29 Zollstöcke dabei hatten. „Von dieser Stunde an habe ich angefangen zu sammeln“, erinnert sich der 74-Jährige. „Ich habe alle Firmen angeschrieben, bei denen ich während meiner Wanderschaft selbst mal gearbeitet habe“ – mit der Bitte, ihm einen Zollstock zu schicken. Schnell wurde daraus eine Leidenschaft. Seine Anfragen weiteten sich aus und gingen sogar soweit, dass er bei den Botschaften unterschiedlicher Länder nach Zollstöcken der Staatsoberhäupte anfragte – mal mehr, mal weniger erfolgreich.

 Heute braucht Uhlig keine Tapete mehr in seinem Keller. Wo man auch hinsieht, Wände, Türen und sogar die Decken sind mit Zollstöcken zugepflastert. Allerdings mit System: Uhlig ordnet alles alphabetisch nach Nationen. Er besitzt Exemplare aus 37 Ländern, von Ägypten bis Australien. Besonders originelle Stücke finden in seinem nach Themen sortierten Zimmer Platz: Feuerwehr, Tiermotive, Liebe, Städte und Politiker. Mit seiner Sammlung hat Uhlig nicht nur den „Goldenen Zollstock“ gewonnen, er schaffte es auch fünf Mal ins Guinessbuch der Rekorde. Dafür musste er sich einige „Zeugen“ suchen, die einen halben Tag lang Zollstöcke zählen durften.

 Ob er immer noch die größte Sammlung der Welt besitzt? „Ich kenne jedenfalls keinen, der mehr hat“, sagt Uhlig. „Dass das mal solche Ausmaße annimmt, hätte ich früher nie gedacht.“ Heute kommt es ihm aber gar nicht mehr auf die Zahl an. „Klasse statt Masse“, lautet sein Sammlermotto.

 Darum ist er auch besonders stolz auf einige ausgewählte Stücke: Ein hölzener Zollstock aus Amerika gehört mit mehr als hundert Jahren wohl zu den ältesten Modellen seiner „Schätze“, während ein Zollstock aus der Zeit des Nationalsozialismus in kleingedrucktem Aufdruck Anleitungen zur Anwendung von Sprengstoff liefert. Eingetauscht hat er den Stock gegen eine Kiste Bier und eine Flasche Asbach, erzählt er schmunzelnd.

 Der Besuch des Museums ist kostenlos. Besichtigungen sind nur nach telefonischer Vereinbarung möglich, (05726) 727, Abstkamp 12, Wiedensahl. kil

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg