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Im Dornröschenschlaf

Wiedensahl Im Dornröschenschlaf

Die Leerstände in der Samtgemeinde Niedernwöhren sind von der Verwaltung vor Kurzem in einem Leerstandskataster erfasst worden. Allein an Wiedensahls Hauptstraße hat die Samtgemeinde zehn leerstehende Gebäude ausgemacht.

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Im Laden von „Tante Inge“ scheint die Zeit stillzustehen. Henning Koslowski, Sohn der ehemaligen Inhaberin, kann sich von dem Laden mit seinen Erinnerungsstücken nur schwer trennen.

Quelle: bab

Wiedensahl. Hinter jedem stehen individuelle Geschichten und Schicksale. So auch bei der ehemaligen Bäckerei Heumann direkt an der Kurve. Seit dem Tod von Inhaberin Ingeborg Koslowski ist das Geschäft, das auch noch mit sogenannten Kolonialwaren (Lebensmittel aus Übersee) handelte, in einen Dornröschenschlaf gefallen.

 Das kleine Schaufenster des alten Backsteinhauses versteckt sich hinter einem Baum und sieht ganz bescheiden aus – im Gegensatz zu dem der großflächigen Gewerbebrache eines Elektromarktes schräg gegenüber. Eine Leuchtreklame aus dem vergangenen Jahrhundert wirbt für „Ronning Kaffee“. Die Bremer Rösterei wurde bereits 1966 von Melitta übernommen. Es scheint, als sei die Zeit an der Hauptstraße 16 stehen geblieben. Nur der üppige Pflanzenwuchs auf dem Grundstück signalisiert, dass die Uhr sich weiterdreht.

 „Meine Mutter hat hier bis zum Schluss noch verkauft“, erzählt Henning Koslowski, der kurz vor dem Tod der Inhaberin im Dezember 2012 noch für sie zum Großmarkt gefahren war und für die Weihnachtszeit eingekauft hatte. Bis ins hohe Alter von 84 Jahren sperrte Koslowskis Mutter die Ladentür tagein, tagaus auf. Die Wiedensahler Kinder kannten sie als „Tante Inge“ und für die Alteingesessenen war es „Sandmanns Inge“. Öffnungszeiten gab es bei der Krämersfrau nicht. Von morgens um sieben bis abends um zehn stand die Tür offen, und eine altertümliche Glocke kündigte den Kunden an.

 Obwohl fast zwei Jahre seit ihrem Tod vergangen sind, kann sich Koslowski kaum überwinden, die Immobilie endgültig abzugeben. „Ich bin hier geboren und aufgewachsen“, sagt der 58-Jährige, der keine Geschwister hat und sich vor Jahren im Neustädter Ortsteil Dudensen eine eigene, selbstständige Existenz aufbaute.

 Den kleinen, rund 15 Quadratmeter großen Verkaufsraum in Wiedensahl hat Koslowski zwar weitgehend leer geräumt. Dennoch rufen die museumsreifen Relikte wie Regale, Schubladen und Tresen Kindheitserinnerungen bei ihm wach. Und er weiß noch exakt, wo die unterschiedlichen Produkte ihren Platz hatten. „Ich kann mich noch genau erinnern, als Sauerkraut noch lose aus dem Fass verkauft wurde.“ In der Backstube, in der Vater und Großvater das Sagen hatten, hat er als Kind immer wieder ausgeholfen, bis sie zu Beginn der siebziger Jahre geschlossen und nur noch der Laden betrieben wurde.

 Was jetzt aus Haus und Ladenreinrichtung werden soll, ist offen. Koslowski knüpft bereits Kontakte zu Liebhabern und Interessenten der nostalgischen Stücke, weil er weiß, dass er als Selbstständiger vom entfernten Dudensen aus sein Elternhaus nicht halten kann. bab

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