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Mit Bierflasche Nasenbein gebrochen

Wiedensahl Mit Bierflasche Nasenbein gebrochen

Nicht ohne Stolz hält der Angeklagte ein Bild hoch, damit Richter Kai Oliver Stumpe es genau sehen kann. Zur Erinnerung an einen feuchtfröhlichen Tag haben er und seine Zechkumpane fotografiert, was sie am 1. Februar 2014 getrunken haben, in diesem Fall eine Pyramide aus Fläschchen mit Lakritzlikör, pro Person etwa 20 Stück.

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Wiedensahl/Stadthagen. „Das macht man heute so“, erklärt der 25-Jährige, ein Student aus Petershagen. Gemeint ist das Fotografieren. Außer Likör rann literweise Bier durch die durstigen Kehlen, bis in die frühen Morgenstunden vermutlich auch einige Mixgetränke.

Was anschließend geschah, „wäre ohne Alkohol nicht passiert“, so Rechtsanwalt Christoph Hessel, der vor Gericht die Interessen des Opfers vertritt, eines Soldaten (26) aus Meerbeck. An der Garderobe eines Gasthauses in Wiedensahl, wo er und seine Freunde nach einem durchzechten Tag noch eingekehrt waren, schlug der Petershäger Hessels Mandanten mit einer Bierflasche so heftig ins Gesicht, dass das Glas zersplitterte. Das blutüberströmte Opfer erlitt einen Nasenbeinbruch, der im Krankenhaus gerichtet werden musste, außerdem Platzwunden im Gesicht und eine Gehirnerschütterung.

Wegen gefährlicher Körperverletzung hat das Amtsgericht in Stadthagen den Schläger am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. „So etwas können wir nicht tolerieren“, betonte Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig. „Die Tat war unfassbar brutal“, pflichtete Richter Stumpe bei. „Über die üblichen Kneipenschlägereien geht dies weit hinaus.“ Ein Schlag mit einer dickwandigen Glasflasche könne zu Gehirnblutungen führen. „Das hätte tödlich enden können“, meinte Opferanwalt Hessel. Von der Heftigkeit des Schlages sei sogar der Türsteher beeindruckt gewesen.

An die Tat kann sich der Angeklagte angeblich nicht mehr erinnern – Filmriss. Als sicher gilt, dass der Anlass nichtig war. Zeugen berichten, dass der 25-Jährige nach dem Ende der Fete die Garderobentür so weit aufgedrückt hat, dass Menschen eingeklemmt wurden. Das spätere Opfer schob die Tür zurück und bekam einen Schlag ins Gesicht. Auf die Frage eines Türstehers, warum er das getan habe, sagte der Schläger nur sinngemäß: „Das hättet ihr doch genauso gemacht.“

Der Türsteher hat „so etwas noch nie erlebt – als ob es eine Selbstverständlichkeit wäre, jemanden mit einer Glasflasche ins Gesicht zu schlagen“. Das Opfer habe am Boden gelegen, der Angeklagte mit einer Flasche in der Hand davor gestanden. „Mein Mandant hat sich irgendwie angegriffen gefühlt“, vermutet Verteidiger Michael Einars.

Zugunsten des nicht vorbestraften Angeklagten geht das Gericht davon aus, dass dieser wegen seines Alkoholpegels nur vermindert schuldfähig war. „Entweder Sie treten beim Feiern auf die Bremse, oder Sie begeben sich nicht mehr in Situationen, die gefährlich werden können“, riet Stumpe dem Petershäger. Oder beides. Zu den Bewährungsauflagen zählt eine Geldbuße von 1000 Euro, zahlbar an die Landeskasse. In einem Zivilverfahren verlangt das Opfer 2000 Euro. Vor der Verhandlung hatte sich der Täter entschuldigt. ly

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