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Vom Viehmarkt zur bunten Meile

Nach 26 Jahren ist Schluss Vom Viehmarkt zur bunten Meile

Zum letzten Mal wird Wilfried Schweer am 10. November sein Schild mit der Aufschrift „Marktbüro“ aufstellen. Der 73-Jährige gibt nach 26 Jahren den Marktmeisterhut für den Martinimarkt ab. Ein Nachfolger hat sich schon gefunden, den Namen will der Wiedensahler aber noch nicht verraten.

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Seit 26 Jahren ist Wilfried Schweer als Marktmeister für einen reibungslosen Ablauf des Martinimarktes verantwortlich.

Quelle: kil

Wiedensahl. Die Arbeit für den Martinimarkt fängt für Schweer schon im Sommer an. „Mitte Juni ist Meldeschluss“, sagt der 73-Jährige. Dann ist es seine Aufgabe, Zu- und Absagen zu verteilen und zu schauen, dass das Angebot an Ständen und Fahrgeschäften ausgewogen ist. Manchmal ruft er auch Stammkunden an und erinnert sie daran, dass bald wieder Markt ist.

Das Interesse, auf der 1,6 Kilometer langen Marktmeile einen Stand aufzubauen, ist immer noch groß. „Der Spitzenwert waren 330 Stände.“ Die Schausteller kommen aus ganz Deutschland, dieses Jahr hat sogar eine Blumen-Frau aus Holland angefragt.

Sein Vater war auch Marktmeister

So „kolossal“ wie heute war der Markt in Schweers ersten Jahren als Marktmeister aber keineswegs. Zu Beginn – das Marktrecht geht Schweer zufolge auf das Geburtsjahr von Wilhelm Busch zurück, also 1832 – gab es noch einen großen Viehmarkt. Den kennt Schweer sogar noch aus seiner Kindheit. Da war sein Vater Marktmeister, der den Job 32 Jahre lang gemacht hat. „Die Kühe wurden mit dem Zug aus Ostfriesland gebracht“, erinnert sich Schweer. Mit dem Rückgang der Viehbauern lief dann irgendwann auch das tierische Markt-Angebot aus.

Nicht nur die Meile ist länger geworden, auch das Angebot ist heute vielfältiger. Während man früher für das Marktfrühstück auf Fleischhauers Flur anstand, um sich Sülze und Co. auf den Teller zu laden, gibt es heute internationale Imbissstände. „Wir haben allein drei Asiaten“, sagt Schweer. Lange gab es am Anfang der Meile immer einen Kuchen- und Süßigkeitenstand.

Viele Gäste kamen mit dem Rad, welches sie am Ortseingang bei der Fahrradwache abstellten. Bevor sie wieder nach Hause fuhren, gehörte es dazu, sich vorher eine Kirmes-Tüte mit Süßem zu kaufen. Heute, wo viele Besucher von außerhalb und mit dem Auto kommen, ist dieses Ritual verschwunden, und damit auch der Kuchen-Stand.

Viele Verkäufer und ihre Geschichten kennt der Marktmeister schon lange. Hier einen Schnack und da einen Schnack – das genießt Schweer, wenn er die Meile auf und ab geht.

„Hier trifft man jeden“

Warum der Wiedensahler Markt mittlerweile bis über die Kreisgrenzen hinaus so beliebt ist? „Hier trifft man jeden“, meint Schweer. Das Geheimnis liegt wohl im Ein-Tages-Markt. Er habe mal eine Umfrage bei den Beschickern gestartet, ob Interesse bestehe, den Markt um den Freitag zu verlängern. Der Tenor dabei war eindeutig, meint Schweer: „Lasst das bloß, wie es ist.“ kil

Heirats- oder Martinimarkt?

Immer wieder taucht die Frage auf: Heißt es Heirats- oder Martinimarkt? „Der offizielle Name ist Martinimarkt“, weiß Wilfried Schweer. Den Titel Heiratsmarkt habe Siegfried Steuber vor Jahrzehnten ins Spiel gebracht. Der Onkel des heutigen Betreibers von Steubers Gaststätte hatte schon damals während des Martinimarktes geöffnet. Keller und Gaststätte waren offen und in der „Giftbude“ war die Bedienung etwas freizügiger gekleidet, schmunzelt Schweer.

In der Zeitung habe Steuber mal eine halbseitige Werbung für den Markttag geschaltet. Darin warb er für „Das Haus der tausend Gäste – Heiratsmarkt“ bei Steuber. Das hat sich in vielen Köpfen festgesetzt.  kil

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