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Hautau-Chefs bremsen Becker aus

Helpsen / SPD Hautau-Chefs bremsen Becker aus

Gemeinsam haben der heimische SPD-Landtagskandidat Karsten Becker und der stellvertretende Landesvorsitzende der niedersächsischen Sozialdemokraten, Olaf Lies, die Firma Hautau in Helpsen besucht.

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Hautau-Prokurist Martin Beißner (Mitte) führt die Sozialdemokraten Karsten Becker und Olaf Lies durch den Betrieb.

Quelle: rg

Helpsen (jcp). Geschäftsführer Klaus-Dieter Vehling und Prokurist Martin Beißner nutzten die Gelegenheit, den Politikern die Sorgen eines mittelständischen Unternehmens aufzuzeigen – und bremsten Beckers Enthusiasmus aus, als der ansetzte, das Loblied auf die der Region verbundenen „kleinen“ Betriebe zu singen.

 Vor dem Hintergrund der geplanten 200 Entlassungen bei Faurecia stellte Becker das Verantwortungsbewusstsein lokaler Unternehmer als Gegenpol zur Geschäftsmoral international operierender Konzerne heraus. „Außerdem wissen wir von Weggegangenen, dass sie häufig mit der Arbeitsqualität am neuen Standort nicht zufrieden sind“, sagte Becker. Es sei der Einsatz der qualifizierten Mitarbeiter, der für den Landkreis Schaumburg als Betriebsstandort spräche.

 Zunächst einmal, entgegnete Geschäftsführer Vehling, habe Hautau selbst eine „verlängerte Werkbank“ in Tschechien, wenngleich dort auch nur „drei bis fünf Leute“ arbeiteten. Insgesamt beschäftigt Hautau rund 300 Mitarbeiter. „Und mit Bezug auf den Einsatz und die Qualifikation der Leute wäre ich vorsichtig“, ergänzte Prokurist Beißner. Gerade in Osteuropa sei eine Generation „gieriger und hungriger junger Leute“ herangewachsen, die mit Macht danach strebten, ihren Lebensstandard dem des Westens anzugleichen.

 Einziger Standortvorteil in Helpsen seien für Hautau inzwischen „treue und qualitativ gute Mitarbeiter“. Ansonsten gerate auch der Beschlaghersteller in zusehendem Maße unter erheblichen Preisdruck, betonte Beißner. Hautau behaupte sich am Markt, weil die „hochwertigen Fensterbeschläge“ des Unternehmens nicht mit dem Massenmarkt konkurrieren. „Wir bedienen eine Nische“, sagte Beißner. „Und in der Nische sind wir die Besten.“

Thema Verlässlichkeit: Betrieb nicht ausbluten lassen

Verlässlichkeit wünschte sich Hautau-Geschäftsführer Klaus-Dieter Vehling von der Politik – unter anderem mit Bezug auf die Erbschaftssteuer. Diese habe im Hause Hautau für viel Arbeit gesorgt – nun sei im Zuge von Reformbestrebungen nicht mehr gewährleistet, dass die Mühen nicht völlig umsonst gewesen seien. Zum Thema sagte Sozialdemokrat Olaf Lies, es müsse klar sein, dass „wir unsere Betriebe nicht wegen einer Erbschaft ausbluten lassen“. Auch die stark unterschiedliche Qualität von Verwaltungsapparaten prangerte Vehling an. So hätten westfälische Steuerberater und Anwälte davor gewarnt, die Abspaltung einer eigenen GmbH in Stadthagen anzumelden. Das werde „innerhalb des nächsten Jahres nichts“. Stattdessen sollte die Firma jenseits der niedersächsischen Landesgrenzen ihr Glück versuchen.

Thema Ausbildung: „Das komplette Mittelfeld fehlt“

Zur Bildungspolitik bekam SPD-Vize Olaf Lies bei Hautau zu hören, es fehle „das komplette Mittelfeld“. Bewerber um einen Ausbildungsplatz habe es 2012 genug gegeben, angenommen worden sei bei Hautau keiner. „Manchmal sind welche dabei, denen wir erst lesen und rechnen beibringen müssen“, formulierte Geschäftsführer Klaus-Dieter Vehling es überspitzt. Lies gab zurück, er könne sich das „fast nicht“ vorstellen. „Ich meine, die sind doch mindestens neun Jahre zur Schule gegangen“, bemerkte der Sozialdemokrat. Prokurist Martin Beißner sagte, es gebe nur noch solche, die bis zum Abitur „hoch qualifiziert“ würden – „und die, die abgehängt werden“. Abiturienten wollten meist studieren. Somit gebe es so gut wie keine geeigneten Bewerber zum Beispiel für eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker.

Thema Leiharbeit: „Wir brauchen die Flexibilität“

Erst in der vergangenen Woche, erklärte Geschäftsführer Klaus-Dieter Vehling, habe er einen Auftrag in China akquiriert, der nun noch bis Weihnachten fertig werden muss. „Wir brauchen die Flexibilität“, führte Prokurist Martin Beißner aus. „Der Markt zwingt uns dazu.“ Leiharbeiter könne man schnell rekrutieren und sich dann, bei nachlassender Auftragslage, auch schnell wieder von ihnen trennen. Beißner: „Alles, was die Flexibilität fördert, hilft uns.“ SPD-Mann Olaf Lies entgegnete, für solche Fälle sei die Leiharbeit auch gedacht gewesen: zum Abarbeiten von Auftragsspitzen. Aus dieser sozialdemokratischen Idee sei aber ein Fluch erwachsen – Stichwort Tarifflucht. „Und wenn ihre Konkurrenten die Leiharbeit missbrauchen, um Preise zu drücken, hilft Ihnen das ja auch nicht“, sagte Lies.

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