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Helpsen Humor, damit einem nicht der Kragen platzt
Schaumburg Nienstädt Helpsen Humor, damit einem nicht der Kragen platzt
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00:22 29.03.2018
Peter Bekrichts Ziel war es stets, dass die Lehrer lernen, wie man souverän auch mit schwierigen Schülern umgeht. Quelle: cok
Helpsen/Rinteln

Doch vielleicht ist es gar nicht so erstaunlich, dass jemand, der an der Schule gelitten hat, es für andere besser machen will? Jedenfalls ist der ehemalige Schulleiter der IGS Helpsen immer noch in Sachen Bildung und Erziehung engagiert, und zwar im Rahmen der „Bürgerstiftung Schaumburg“, die regelmäßig entsprechende Projekte unterstützt.

Nach seiner Schulzeit in Hannover landete er eher zufällig beim Finanzamt. Wirklich Spaß machte ihm das nicht, und je mehr Freunde ringsum mit einem Studium begannen, desto klarer wurde ihm, dass er auch gerne studieren würde, Deutsch und Geschichte – ganz, wie es einem politisch interessierten jungen Menschen in der aufgewühlten Zeit der 1968er naheliegen konnte. Und er hatte Glück. Da man damals, ähnlich wie auch jetzt wieder, verzweifelt Lehrernachwuchs suchte, bot man Leuten wie ihm eine Prüfung an, deren Bestehen die Tür zu einem Lehramtsstudium öffnen würde. Er bestand bravourös und wählte das Lehramt an Haupt- und Realschulen.

Einer der Jüngsten

Nach dem Examen hatte er praktisch die freie Schulauswahl und entschied sich, wegen seiner Familie, für die Graf-Wilhelm-Schule in Bückeburg. Damals gehörte er zu den jüngsten Lehrern, und so war es schon etwas Besonderes, dass er nur kurz nach Beendigung des Referendariats gefragt wurde, ob er nicht in der Lehrerausbildung arbeiten wolle. Vermutlich war er aufgefallen, weil er in einem Schulversuch erstmals eine zehnte Hauptschulklasse zum Realschulabschluss führte. In den siebziger Jahren fing es gerade erst an, dass auch Hauptschüler höhere Abschlüsse erreichen konnten.

Sein Fach am Lehrerausbildungsseminar in Stadthagen wurde, neben Politik, der Bereich der Arbeitslehre, ein neues Fach, in dem es um verbesserte Berufsqualifikation der Schüler ging. Später, als Bekricht die Schulleitung des Schulzentrums Helpsen, heute IGS übernahm, erhielt seine Schule dann auch das Gütesiegel „Berufs- und ausbildungsfreundliche Schule“.

Davor aber lagen 15 Jahre als Seminarkonrektor im Ausbildungsseminar Stadthagen, eine Zeit, in der er nicht mehr Schüler, sondern die angehenden Haupt- und Realschullehrer unterrichtete. Da er selbst jede Menge Fortbildungen absolvierte, lag es für ihn nahe, eigene Fortbildungen für Seminarleiter zu entwickeln. Er wollte, dass die Lehrer lernen, wie man souverän auch mit schwierigen Schülern umgeht. Konsequenz, Gelassenheit, Nachsicht und Humor, das seien seine Hilfsmittel, sagt er: „Vor allem Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt.“

Schüler ernst nehmen

Einer seiner Tipps zur Deeskalation, wenn Schüler den Unterricht stören: Nicht von vorn quer durch die Klasse um Ruhe bitten, sondern sich zum Schüler hinbegeben und direkt neben ihm weiter unterrichten. Auch Gesprächstechniken wie das „aktive Zuhören“ oder wie man Schülern vermittelt, dass man sie ernst nimmt, gehörten zu den Inhalten der Lehrerausbildung. „Ich habe dabei auch selbst so viel gelernt“, sagt er. Und das war gut, denn als das Seminar in Stadthagen aufgelöst wurde, lagen vor ihm noch 15 Jahre als Schulleiter – insgesamt ein beruflicher Werdegang, der bestens geeignet war, um sich im Ruhestand für die 2004 gegründete „Bürgerstiftung Schaumburg“ einzusetzen.

„Erziehung und Bildung“ sind erklärte Ziele der Bürgerstiftung, die von Beginn an auch den Kinderschutzbund unterstützte, darunter die Ausbildungskurse für Familienpaten und Flüchtlingslotsen.

Die Bürgerstiftung hat auch dafür gesorgt, dass sich im Projekt „Leselust“ 120 Lesepaten in Schulen und Kindergärten engagieren, und sie schreibt regelmäßig Wettbewerbe für Schulen aus, unter dem Titel „gesunde Schule“, oder „Politik, ja bitte“, oder, aktuell, „Inklusion“. So trägt also einer, der selbst so ungern zur Schule ging, bis nach seiner Pensionierung dazu bei, dass Schule insgesamt ein besserer Ort wird. cok