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Helpsen Perry Rhodan Nummer 3000: Aus der Riepacker Straße in die Milchstraße
Schaumburg Nienstädt Helpsen Perry Rhodan Nummer 3000: Aus der Riepacker Straße in die Milchstraße
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00:19 16.02.2019
2999 Hefte bisher: Jetzt freut sich Ernst-Eckart Buhre auf die Jubiläumsausgabe. Quelle: ebu
Helpsen

Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodan hat nach wie vor die Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln.

Dies ist der erste Satz in der 2999. Ausgabe der Science-Fiction-Romanreihe „Perry Rhodan“. Am morgigen Freitag erscheint Heftchen Nummer 3000. Einer hat sie alle: Ernst-Eckart Buhre aus Helpsen.

Hier der gelernte Elektroinstallateur Buhre, ein gestandener, geerdeter Schaumburger, gebürtig aus Scheie, dort der Science-Fiction-Held Perry Rhodan, „Erbe des Universums“, seit 1961 rastlos unterwegs zwischen den Sternenreichen. Zusammengebracht hat sie Buhres Schwiegermutter. „Sie war begeisterte Leserin“, sagt der Helpser, „irgendwann hat sie die Heftchen an mich weitergereicht.“

Der 72-Jährige besitzt alle 2999 Ausgaben, die der Pabel-Moewig-Verlag seit 1961 in Umlauf gebracht hat. Das aktuelle Heft – „Genesis: Die Zeit selbst versinkt im Chaos“ – liegt auf dem Wohnzimmertisch. Die Heftchen sortiert er ordentlich in blaue Ordner ein, die der Verlag verkauft.

Freitags geht Buhre Einkaufen, dann bringt er das neue Heft mit. 2,20 Euro kostet die Reise in Zukunft und Weltall, die man vom Sofa aus antreten kann.

Seit 58 Jahren aktiv

Perry Rhodan ist eigentlich ein Kind des Kalten Krieges. In den 50er Jahren tüftelten USA und UdSSR an Plänen herum, Menschen auf den Mond zu schicken. Die Idee der Sci-Fi-Reihe: Perry Rhodan schreibt die Geschichte der Menschheit in die Zukunft fort.

Die Romanhefte von Perry Rhodan sind eine Sammelleidenschaft, welcher der Helpser Ernst-Eckart Buhre seit mehr als vierzig Jahren anhängt. Alle bisher erschienenen 2999 Hefte befinden sich, fein säuberlich in Ordner sortiert, in seinerm Besitz.

Daraus ist in 58 Jahren ein selbst für Superfans unüberschaubarer Kosmos von Reisen und Abenteuern gewuchert, in denen Tausende Typen und Charakter leben, leiden und sterben. Es gibt „Haluter“ und „Arkoniden“, „Springerr“ und „Schmerz-Teleporter“, eine gewisse Rolle spielt auch der Welle-Teilchen-Dualismus. In Band 2874 – auf der Erde schrieben wir das Jahr 2016 – verliert sogar Perry Rhodan sein Leben, kann in 2875 ff. aber – wie sollte es anders sein? – wiederbelebt werden.

Ernst-Eckart Buhre ist einer, der alles wegliest, was ihm in die Hände gerät. „Krimi, Mystery, Science-Fiction: Mir geht es vor allem um spannende Abenteuer.“ Im Gästezimmer des Hauses in der Riepacker Straße, das er zusammen mit Frau Karin und der Familie seines Sohnes bewohnt, hat er sich im Gästezimmer eine Lese-Ecke hergerichtet. Die Buhres sind guten Kunden der Stadtbibliothek Stadthagen.

Gucky ist ein Favorit

Unter den Figuren, die durch die „Perry-Rhodan“-Hefte wimmeln, ist Buhre „Gucky“ die liebste. Gucky ist ein fröhlicher Mausbiber, der gern Schabernack treibt. Als Mutant besitzt er drei außergewöhnliche Fähigkeiten: Er kann Gegenstände verrücken, ohne sie berühren zu müssen, er kann Gedanken lesen, und er kann sich raketenschnell durch Räume bewegen, auch über eine Million Kilometer hinweg.

Letzteres Prinzip, „Teleportation“ genannt, fasziniert auch Ernst-Eckart Buhre. Hier treffen sich die Interessen des Sternenreisenden und des Helpsers. In seinem Berufsleben hat er für das Fernmeldeamt und später für die Telekom gearbeitet. Was in Haus und Garten repariert werden kann, versucht er erst einmal selbst zu reparieren. „Deswegen interessieren mich die Beschreibungen von Technik, die in den Heften auftauchen“, sagt er.

Die ganze Fan-Kultur ist ihm etwas Fremd

Rund um das Phänomen „Perry Rhodan“ ist eine Welt entstanden, die Fans, Deuter und Erklärer bevölkern. Viele von ihnen sind tief in Leben und Wirken ihres Helden verstrickt, der für sie letztlich den Menschen an sich verkörpert. Im Internet füllen sie die Seite „Perrypedia“ mit den absonderlichsten Details, in Foren und auf Kongressen diskutieren sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Serie. „Das ist nicht so meins“, sagt Ernst-Eckart Buhre, „ich habe mich nie an ‚Perry-Rhodan’-Foren beteiligt, und ich schreibe auch dem Verlag nicht, wenn mich was ärgert.“

Dass aber auch er nachhaltig infiziert ist, zeigt sich daran, dass er Ordner mit „Ren Dhark“-Heftchen besitzt. Das war ein „Perry-Rhodan“-Verschnitt, den ein konkurrierender Verlag mal auf den Markt losließ. 100 Ausgaben hielt Ren Dhark durch, dann wurde es dunkel um ihn. Überflüssig zu erwähnen: Ernst-Eckart Buhre besitzt sämtliche Hefte der Reihe.

Ein Heft = Zwei Tage

Er lese etwa zwei Tage an einer „Perry-Rhodan“-Ausgabe, sagt Buhre, „dann kommt sie in den Ordner.“ Fast ebenso groß wie sein Interesse an Perry Rhodan ist seine Sammelleidenschaft, die er auch an Münzen und Briefmarken ausgelebt hat.

Das Besondere an Perry Rhodan ist, dass die Hefte zwar in sich abgeschlossene Abenteuer enthalten, die aber eine Unzahl von Verweisen in die Heft-Historie haben. Mit „komplex“ ist das, was die Autoren rund um den Helden geschaffen haben, nur unzureichend umschrieben. Die Textmenge, die die Heftchen füllt, entspricht etwa 560 Bänden „Harry Potter“, hat ein Fan errechnet. „Ich verstehe schon, dass es schwer ist, heute in die Hefte hineinzufinden“, sagt Buhre. Die meisten Leser seien schon seit Jahren und Jahrzehnten dabei.

Gewalt löst nicht alle Probleme

Perry Rhodan eint die Menschheit und führt sie zu den Sternen, sagen seine Gefolgsleute. Dies ist der letzte Grund dafür, dass Ernst-Eckart Buhre die ferne Figur des Perry Rhodan zu schätzen gelernt hat. Was in den Romanheften passiert, hat mit der blutrünstigen Ballerei, wie sie heute en vogue ist, nichts zu tun. Apropos: Perry Rhodan hat sich 1967 auch als Filmheld versucht. Es ist bei einem einzigen Auftritt geblieben, was Buhre nicht schlimm findet: „Schrecklicher Film!“

„Gute Werke sind besser als Gewalt“, fasst Buhre die Idee zusammen, für die Perry Rhodan steht. Der Heftchenheld besitze eine „Idealvorstellung von Staat und Gesellschaft“, nach der er strebe. „Zu Beginn der Reihe in den 60er Jahren herrschte Perry Rhodan in einer Autokratie“, sagt Buhre, „heute ist die Sache vielschichtiger.“

Kein Ende in Sicht

Aufgeben will Buhre seine Leidenschaft auch mit 72 Jahren nicht. Und so wird er am heutigen Freitag in einen Stadthäger Supermarkt fahren und zielsicher „Perry Rhodan“aus dem Regal fischen. Wie die Geschichte im aktuellen Heft 3000 weitergeht, weiß er natürlich noch nicht, Heft 2999 aber endete so:

Nur eine Sicherheit begleitete ihn: Sie hatten ein Ziel, ein uraltes Ziel. Die Milchstraße. Das Solsystem. Die Wiege der Menschheit. Terra.

von Arne Boecker