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Baupfusch: „So etwas noch nicht erlebt“

Stemmen / Bauamt nicht verantwortlich Baupfusch: „So etwas noch nicht erlebt“

Der Baupfusch-Fall von Stemmen schlägt Wellen. Zwei Fernsehteams haben bereits angekündigt, das Schicksal der Palutzkis, deren Haus wegen erheblicher Baumängel abrissreif ist, überregional zu publizieren. Derweil kristallisiert sich heraus, dass die Versicherung des Architekten den Schaden wohl nicht übernehmen muss.

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Stemmen (gus). Rechtsanwalt Bernd Peußner, der die Palutzkis in der Angelegenheit vertritt und bereits im ersten Verfahren einen Schadenersatz von rund 40000 Euro erstritt, erklärt, dass die Versicherungspolice des Architekten aus dem Landkreis Schaumburg den Fehler, um den es nun geht, möglicherweise nicht abdeckt. Aus Sicht Peußners ist dem Architekten vorzuwerfen, dass er die Berechnungen des Statikers, ebenfalls ein Schaumburger, per Stempel und Unterschrift absegnete. Doch laut Gutachten ist die fehlerhafte Statik der Grund, warum das Gebäude in Stemmen einsturzgefährdet nicht mehr zu retten ist.

Diese Sicht teilt im Übrigen der Sprecher des Baumamts des Landkreises Schaumburg, Fritz Klebe. Die Kommune ist an dem bereits laufenden Verfahren beteiligt, aber lediglich in Beobachterrolle. Klebe liest aus dem ihm vorliegenden unabhängigen Gutachten eine fehlende Steifigkeit heraus. Wie berichtet, könnte dieses bei Sturm in sich zusammenfallen. Auch die Architektenkammer ermittelt nach Informationen dieser Zeitung bereits in der Sache.

Wenn die Versicherung den Schaden nicht trägt, so muss nach Darstellung Peußners der Architekt aus eigener Tasche zahlen. Eine Klage sei in Vorbereitung. Denn dass der Mann die Verantwortung übernommen hat, ist aus Peußners Sicht unstrittig, es existiere eine Voll-Architektenvertrag. Dieser sei besonders lukrativ, bedinge aber auch erhöhte Aufmerksamkeit bei der Baubegleitung.

„Das ist zu keiner Zeit der Fall gewesen“, so Peußner, der sich über das schludrige Vorgehen des Architekten wundert. Einen so dreisten Fall von Pfuscherei habe er als erfahrener Anwalt in Baurechtsangelegenheiten noch nicht erlebt. Auch im Bauamt hat der Fall für Aufsehen erlebt. „So etwas hatte ich noch nie, und ich bin seit 2000 im Bauamt“, sagt Klebe.

Die Behörde weist jede mögliche Verantwortung ihrerseits zurück. Seit den neunziger Jahren gebe es erhebliche Vereinfachungen im Baurecht, um das Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Zwar seien die Unterlagen zu dem Bauvorhaben im Kreishaus gelandet. Doch dort verlasse man sich auf die fachliche Expertise des Architekten.

Wenn zudem – wie in diesem Fall – ein Bebauungsplan für das Areal vorliegt, auf dem sich das betreffende Grundstück befindet, dann prüfen die Bauamtsmitarbeiter lediglich auf Aspekte wie Öffentliche Sicherheit und Dämmung. Im Fall des Ehepaars Palutzki habe es keine Bedenken gegeben.
Peußner stellt klar: Der Architekt hat seinen Vertrag nicht erfüllt. Derzeit befinde sich das Bauvorhaben formal noch immer in „Phase neun“, in der es um die Aufnahme und Beseitigung der Mängel gehe. Da das Gebäude nach Lage der Dinge ein einziger großer Mangel ist, sei dieser quasi nur per vollen Schadenersatzes zu beheben.

Was den Anwalt irritiert ist, wie der Beschuldigte mit den Palutzkis umgegangen ist: Von Einsicht oder gar Reue keine Spur. Vielmehr soll der Architekt auch noch ausfällig geworden sein.

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