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Brandstifter sucht Anerkennung

Nienstädt/Bückeburg / Prozess Brandstifter sucht Anerkennung

Weil er auf der Suche nach Anerkennung war, hat ein Feuerwehrmann aus Nienstädt nachweislich 13 Brände gelegt. Der junge Mann, damals noch aktiv in der Sülbecker Ortswehr, fuhr selbst mit zum Löschen.

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Nienstädt/Bückeburg (ly). Von seinen nichts ahnenden Eltern sei er für diese Hilfsbereitschaft „mit Aufmerksamkeit belohnt“ worden, wie es am Donnerstag (5. Mai) im Prozess gegen den 19-Jährigen hieß.

Mehr als ein Jahr nach dem Ende der Brandserie hat das Bückeburger Jugendschöffengericht den Nienstädter zwar verurteilt, die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe jedoch zurückgestellt. Wiederholungsgefahr sieht das Gericht nicht. Der Angeklagte („Es war ein großer Fehler“) steht für zwei Jahre unter Bewährung. Er muss eine freiwillig begonnene Psychotherapie fortsetzen und 800 Euro an den Tierschutzverein zahlen.

Die Geldauflage macht Sinn: Am Abend des 25. März 2010 hatte der Auszubildende am Nienstädter Grenzweg Feuer an einem größeren Stall gelegt, in dem auch Fahrzeuge standen. Zwei Pferde starben in ihren Boxen, drei überlebten – trauriger Höhepunkt der Serie. Der Brandstifter wurde auf frischer Tat ertappt und verbrachte mehrere Wochen in Untersuchungshaft.

„Hätte ich gewusst, dass da Pferde drin sind, hätte ich das nie im Leben gemacht“, versicherte er. Vor Gericht ließ sich das nicht widerlegen. Den Sachschaden in diesem Fall beziffert die Staatsanwaltschaft mit mehr als 80.000 Euro. Die Eltern des Brandstifters haben bereits eine Entschädigung gezahlt. „Ich werde das abstottern“, erklärte der Sohn.

Ebenfalls am 25. März sollte eine hölzerne Schutzhütte in Liekwegen brennen. Es blieb jedoch beim Versuch der Brandstiftung. In elf weiteren Fällen, eingestuft als Sachbeschädigung, steckte der 19-Jährige Papiertonnen oder Altkleidercontainer an. Er brachte auch Menschen in Gefahr. „Ihm als Feuerwehrmann musste klar sein, dass ein Brand an einer Gaststätte auf das Gebäude übergreifen kann“, spielte Richter Dirk von Behren auf eine Tat in Sülbeck an.

Für den Angeklagten sprach vor allem dessen Geständnis gleich nach der Festnahme. „Er hätte es dabei belassen können, nur die Brandstiftung zuzugeben, bei der er erwischt worden ist“, erklärte Richter von Behren. „Andere Taten hätten ihm wahrscheinlich nicht nachgewiesen werden können.“ Das Geständnis sei daher „besonders hochwertig“.

Trotz seiner Taten, verteilt über mehrere Monate, gilt der 19-Jährige im Ort nicht als geächtet. Feuerwehrleute haben Verständnis für dessen psychische Probleme und zeigen sich kameradschaftlich, familiäre Probleme scheinen gelöst.

„Nicht nachvollziehen“ kann Verteidiger Volkmar Wissgott, dass das „Verfahren monatelang bei der Staatsanwaltschaft gelegen“ habe: „Mein Mandant konnte seine Ausbildung nicht fortsetzen.“ Nun stehen die Chancen recht gut: Nach dem Urteil wäre der Nienstädter nicht vorbestraft.

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