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Nienstädt Kindheit in der Nachkriegszeit
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00:25 29.10.2015
Joachim Grosse schreibt seine Erinnerungen auf. pr.
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Liekwegen

Der Buchtitel klingt wenig nett und schon gar nicht pädagogisch korrekt. Aber so war die Zeit damals. In wenig begüterten Familien bedeutete ein weiteres Kind einen weiteren Esser. Und mitarbeiten mussten die Kinder in Haus und Garten.

So berichtet Joachim Grosse vom ungeliebten Grünfutter holen für die Kaninchen. Täglich musste dies geschehen und hielt vom Spielen ab. Dass die Kaninchen die wichtigste Fleischquelle für die Familie waren, realisierten Joachim und sein Bruder nicht. Grosse berichtet aus der Sicht der Kinder: „Wir haben nur die Arbeit gesehen für die blöden Viecher.“ Auch für das Schwein, für Hühner und Enten musste gesorgt werden. Und das Klo war nicht im, der Garten leider nicht am Haus. So musste die Jauche dorthin transportiert werden. Als einmal der Handwagen brach, lag das Fass auf dem Boden und der Inhalt musste eimerweise zum Garten geschleppt werden. Noch Tage danach rochen Joachim und seine Geschwister nach Jauche.

Grosse erzählt auch von Zigeunern, die in der Stadt campiert und misstrauisch beäugt wurden, von Freunden, von der Lederhose, die viel zu groß gekauft wurde, weil der Junge ja so schnell wuchs, und von der Weihnachtszeit.

Viele ältere Leser aus dem nahen und weiteren Umland werden beim Lesen des Buches nicken: Ja, so war es. Menschen und Orten, auch seiner Geburtsstadt, hat Grosse allerdings andere Namen gegeben, damit sich niemand „auf den Schlips getreten fühlt“. Die Geschwister zumindest werden sich allerdings in den Aufzeichnungen wiedererkennen.

Als Schuljunge musste Grosse einmal seinen Hausaufsatz vor der Klasse vorlesen. Die Klasse lauschte, und der Lehrer wollte dem Jungen gleich eine gute Zensur unter die Arbeit schreiben. Allein: Joachim zeigte dem Lehrer ein leeres Blatt. Die Hausaufgabe hatte er geschwänzt, aber aus dem Stegreif flott eine Story zusammengereimt. Mit vielen anderen ist diese wahre Anekdote im 300 Seiten starken Buch aufgeschrieben – weder rührselig noch kühl, einfach so wie es war, mit Liebe zum Leben.

Joachim Grosse hat Industriekaufmann gelernt, zog mit Ehefrau Helga 1978 nach Liekwegen. Bis 1990 gehörte ihm die Nährmittelfirma Wente. Als Ruheständler hat Joachim Grosse Zeit und Lust, sein Leben und das jeweilige Zeitgeschehen niederzuschreiben.

Das erste Buch reicht bis zu seinem 18. Lebensjahr. Das heißt, Joachim Grosse, der sein Erstlingswerk jüngst auf der Frankfurter Buchmesse vorstellte, fasst das nächste Buch bereits ins Auge. Der Winter und damit die Zeit zum Schreiben steht vor der Tür.

„Wieder ein Fresser mehr“ ist im August von Goethe Literaturverlag in Frankfurt am Main erschienen und kostet 19.80 Euro. sk

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