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Nienstädt Plastikregen über Sülbeck
Schaumburg Nienstädt Nienstädt Plastikregen über Sülbeck
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00:31 23.04.2018
Wilfried Mensching hat 250 Hülsen auf seinem Grundstück in Sülbeck eingesammelt. Quelle: bab
SÜLBECK

Danach tauchten immer mehr von den Rückständen auf. In den Folgewochen sammelte er die Plastikteile im Garten ein und auch in der Dachrinne habe er sie gefunden. Bis zum ersten Rasenmähen in diesem Jahr sind es 250 kleine Kapseln geworden, die er von Hof, Garten und aus der Dachrinne geklaubt hat.

Hülsen bis Helgoland?

„Wenn die von der Dachrinne durch das Fallrohr geraten sind, tauchen die ersten bestimmt schon vor Helgoland auf“, sagt Mensching, der sich Sorgen um den ständig wachsenden Plastikmüll in der Natur macht.

Als eingetragenes Mitglied der Grünen wundert sich der ehemalige Samtgemeinderatsherr darüber, dass dies in Deutschland zugelassen sein soll, und wandte sich deshalb an den Landkreis. Dieser verwies den Sülbecker an die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin.

Offenbar wunden Punkt getroffen

Mensching, der sofort eine entsprechende E-Mail an die Behörde schrieb, hat damit offenbar einen wunden Punkt getroffen. Denn der zuständige Experte im Fachbereich Explosivstoffe ist wohl vertraut mit diesen Schwierigkeiten. „Diese Problematik des inzwischen verstärkten Auftretens dieser Kunststoffrückstände haben wir zum Anlass genommen, um entsprechende Änderungen in der Prüfnorm DIN EN 15947 auf EU-Ebene zu erwirken“, heißt es in einer E-Mail, die das Bundesamt an Mensching geschrieben hat.

250 Hülsen von Silvesterfeuerwerk hat der Sülbecker aus Dachrinne und Garten eingesammelt. Foto: pr.

Denn grundsätzlich könne das BAM „die Beobachtung hinsichtlich des Freisetzens von Plastikteilen für einige konformitätsbewertete Feuerwerkskörper bei Abbrand bestätigen“, heißt es in der Mail. In der EU müssten die Feuerwerkskörper ein Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen, bevor sie verwendet werden dürfen. In der EU gebe es 13 dieser Prüfstellen, deren Zulassungen jeweils in der gesamten EU gültig seien.

Eine Batterie enthält zahlreiche Hülsen

Die von Mensching gefundenen Plastikkapseln seien „höchstwahrscheinlich Reststücke aus Kunststoff von pyrotechnischen ,Pfeifen‘“, meint der Experte aus Berlin, dem Mensching Fotos mit den Röhrchen gesendet hatte. Diese Hülsen werden laut Bundesanstalt üblicherweise mehrfach in einigen Feuerwerksrohrbatterien eingebaut, „wobei durchaus mehrere hundert Einzel-Pfeifen enthalten sein können“, heißt es in deren Schreiben.

Für Mensching wird es jedenfalls höchste Zeit, dass auf solche Kunststoffteile verzichtet wird, beziehungsweise solche Silvesterknaller erst gar nicht verkauft werden dürfen. Die Antwort der Bundesanstalt lässt ihn hoffen, dass die Tragweite des Problems inzwischen erkannt ist.

Hoffnung auf ein Verbot

Zwar schreibt das BAM, dass zurzeit für Feuerwerksrohrbatterien generell gilt, dass die Feuerwerkshülle ebenso wie die Hülle des pyrotechnischen Bauteils aus Papier, Pappe oder Kunststoff bestehen muss. Allerdings befinde sich die entsprechende DIN-Norm zurzeit im Überarbeitungszyklus.

„Wir sind aktuell guter Hoffnung, dass ein entsprechendes Verbot der Freisetzung dieser Kunststoffteile in Zukunft realisierbar ist“, schreibt der Experte vom BAM. bab