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Nienstädt Realgemeinde will nicht weichen
Schaumburg Nienstädt Nienstädt Realgemeinde will nicht weichen
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19:10 20.02.2019
Symbolbild Quelle: Archiv
Sülbeck

Man wolle sie wieder „ein bisschen stärker ins Bewusstsein der Sülbecker rücken“, sagt die Vorsitzende Petra Ritter. Dazu dient ein Sommerfest zum Jahrestag.

Ritter lebt eigentlich sehr im Hier und Jetzt. Sie arbeitet beim Landvolk in Stadthagen und sitzt für die CDU in Kreistag, Samtgemeinderat und Gemeinderat (beides Nienstädt). Der Realgemeinde gehört sie an, weil das Haus ihrer Familie auf dem historischen Grund steht. Es trägt die Nummer 4 und wurde 1883 erbaut.

Realgemeinden sind Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten, die alle Änderungen des Kommunalrechts überlebt haben. Im Mittelalter gehörten den Mitgliedern jene Flurstücke, die die Dörfler gemeinsam nutzen. Das konnten Anger, Teiche oder – wie im Fall von Sülbeck – „Hutungen“ sein.

Was, bitte, sind Hutungen? „Das sind Wäldchen, die im Mittelalter für die Weide genutzt wurden“, sagt Ritter. „Unter anderem wurden dort Schafe und Schweine gehalten.“

Druck in den Achtzigern

Weil die Bundesrepublik Realgemeinden als Relikte ansah, die beim Überplanen der Flächen im Weg waren, übte die Politik vor allem in den achtziger Jahren Druck auf die Realgemeinden aus. Ob man sich jetzt, wo es eigentlich keine Aufgaben mehr gebe, nicht auflösen wolle?

„Nein, das wollen wir nicht“, sagt Ritter. „Unsere Realgemeinde ist eine verschworene Gemeinschaft und ein bisschen tragen wir sicher auch dazu bei, den Ortskern zusammenzuhalten.“ Die Mitglieder bewohnen die Sülbecker Häuser mit den Nummern 1 bis 32. Sie alle stehen auf dem dreieckigen, etwa 1000 Quadratmeter umfassenden Grundstück unterhalb der Sülbecker Kirche. Außerdem gehören Alte Schule, Küsterei, Alte Pfarre und Zechenhauszur Realgemeinde.

„Wir haben das Gelände an die politische Gemeinde verpachtet“, sagt Ritter. Reich wird ihre Gemeinschaft durch die Einnahmen nicht – 25 Euro pro Jahr. Und wenn mal eine Bank kaputt ist, findet sich jemand von der Realgemeinde, der sie repariert.

Amtszeit bis 2025

Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass die Realgemeinde Sülbeck von 1899 ihr Leben in absehbarer Zeit aushaucht. Auf der Jahresversammlung, die kürzlich im Berghotel lief, wurde die Vorsitzende Petra Ritter wiedergewählt. Ihre Amtszeit läuft bis 2025.

Das Sommerfest der Realgemeinde ist für Samstag, 25. Mai, eingeplant. Bier und Bratwurst soll es geben, auch die Feuerwehr hat ihre Hilfe zugesagt. An weiteren Programmpunkten feilt die Realgemeinde noch. Gefeiert werden soll natürlich auf dem historischen Boden unterhalb der Kirche.

Von Arne Boecker