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300 Kilometer im Anrufbus

Reportage 300 Kilometer im Anrufbus

Pünktlich um 7.30 Uhr steht der Nienstädter Anrufbus vor der Tür. Die heutige Fahrt ist keine normale Fahrt, es gibt kein konkretes Ziel. Einen Tag lang sind die SN im Anrufbus mitgefahren und haben die ehrenamtlichen Fahrer begleitet. Eine Reportage über 300 Kilometer mit 29 Fahrgästen.

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Heijo Fischer (links) holt eine Gruppe in Bad Eilsen ab.

Quelle: nk

SAMTGEMEINDE NIENSTÄDT. Auf der Fahrt werde ich von zwei ehrenamtlichen Fahrern begleitet. Zuerst von Manfred Kesselring, später von Heijo Fischer. Beide sind von Anfang an dabei. Kesselring ist Bürgermeister von Helpsen und Fischer ist im Vorstand des Anrufbusses aktiv.

Der erste Höhepunkt lässt nicht lange auf sich warten. Bei meiner ersten Fahrt treffe ich auf vier nette Seniorinnen, die wir nach Bad Eilsen bringen. Alle sind motiviert und freuen sich auf ihren Tag in der Tagespflege. Ich frage sie nach ihren Erfahrungen mit dem Anrufbus.

Immer hilfsbereit

Die Frauen sind positiv gestimmt und betonen, dass gerade die Fahrer ein besonderes Lob verdienten. Die 85-jährige Erna Dehnst sagt: „Ohne diesen Bus hätten wir keine Möglichkeit, alle Termine zu erreichen. Bis jetzt sind wir überall gut angekommen und die Fahrer sind immer sehr nett und hilfsbereit gewesen.“

Von Bad Eilsen aus geht es weiter nach Hespe. Hier wartet eine 42-jährige Stammkundin des Anrufbusses auf uns. Sie nutzt den Bus jede Woche. „Ich fahre fast jeden Tag mit dem Anrufbus zur Arbeit nach Stadthagen.“ Die Bus- und Bahnverbindung von Hespe aus sei „sehr bescheiden“ und mit dem Taxi zu fahren, wäre viel zu teuer. „Der Anrufbus ist eine große Hilfe“, sagt sie.

In der Zentrale: Silvia May (links) und Manuela Nowak nehmen die Fahrtwünsche der Anrufer entgegen.

Nachdem wir die Hesperin zur Arbeit gebracht haben, geht es weiter. Nur circa 15 bis 20 Minuten liegen zwischen den meisten Fahrten. Kesselring meint: „Zeitmanagement ist alles. Es kommt öfter vor, dass wir uns zwischen den Fahrten ziemlich beeilen müssen, um noch rechtzeitig zum nächsten Fahrgast zu kommen.“

Wir machen uns auf Weg zu einer Seniorin nach Liekwgen. Sie fährt viermal pro Woche mit dem Anrufbus und sagt uns auf dem Weg zum Arzt: „Der Service ist sehr gut und ich bin schon seit Beginn an Mitglied im Anrufbus-Verein. Hut ab an die vielen Freiwilligen, die mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit dieses Projekt ins Leben gerufen haben und so toll führen.“

Rund 30 Fahrten pro Tag

Der Mitgliedsbeitrag des Vereins liegt bei zwölf Euro im Jahr und macht nur einen kleinen Teil der Finanzierung aus. Zudem bekommt der Verein Unterstützung vom Landkreis, zum Beispiel bei der Anschaffung der zwei Transportbusse.

Nach fünfeinhalb Stunden Fahrt, 120 Kilometern und elf Fahrten machen wir uns zurück auf den Weg zur Anrufbuszentrale. Dort lerne ich das Organisationsteam kennen, das die Fahrten koordiniert.

Auf Rekordkurs

Der Anrufbus konnte seine Fahrgastzahlen von Jahr zu Jahr steigern. 2017 hat der Bus 7428 Gäste transportiert, berichtet der Vorsitzende des Vereins, Bernd Tünnermann. Zum Vergleich: 2015 waren es 3123 Fahrgäste, 2016 4335. „Neulich hatten wir 40 Fahrten an einem Tag. Das kann sich sehen lassen“, sagt Tünnermann. Noch sei das Team mit 24 Fahrern gut aufgestellt, „Aber irgendwann stoßen wir an unsere Grenzen. Für ein drittes Auto bräuchten wir wieder zehn neue Fahrer – die sehe ich momentan nicht.“ Manche kurzfristigen Anfragen müssten die Mitarbeiter in der Zentrale schon absagen. Auch seine Mitgliederzahl konnte der Verein auf 170 steigern.  kil

Mitarbeiterin Silvia May erklärt: „Wir haben am Tag zwischen 25 und 30 Fahrten. Zwei Drittel davon sind seit längerer Zeit angemeldete Touren. Der Rest der Fahrten kommt noch am selben Tag rein. Wir versuchen, jeden von unseren Fahrgästen zu seiner gewünschten Zeit abzuholen.

Bei kurzfristigen Anfragen fallen auch kürzere Wartezeiten an.“ Kollegin Manuela Nowak berichtet, dass sich die monatlichen Fahrgastzahlen im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt haben. Mehr als 600 Fahrgäste werden im Monat transportiert. Auch der Anteil der Kinder und Jugendlichen ist gestiegen. Im Januar nutzten 141 junge Gäste den Bus.

Nach einer halben Stunde Pause mit Kaffee und Brötchen mache ich mich mit Kessselring auf den Weg zum Busdepot in Kirchhorsten. Von dort aus steige ich in den großen Krafter um. Für die restlichen vier Stunden des Tages bin ich mit Heijo Fischer unterwegs.

Gegen 15.30 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg nach Bad Eilsen. Nach einem abwechslungsreichen Tag warten die vier netten Damen vom Vormittag auf uns. Hinzu kommtein weitere Senior. Er sitzt im Rollstuhl und ist auf Hilfe angewiesen. Dafür wurde der Krafter angeschafft. Er besitzt eine hydraulische Hebebühne und spezielle Verankerungen für den Rollstuhl, um Sicherheit zu gewährleisten.

Feierabend im Busdepot

Das Sichern des Rollstuhls ist keine leichte Aufgabe und erfordert Erfahrung. Für Fischer, der seit der Gründung des Vereins dabei ist, ist dies Routine. „Das Entsichern des Fahrgastes ist eine Sache von fünf Minuten, aber das Sichern kann zehn bis 15 Minuten dauern und muss zusätzlich in der Terminplanung berücksichtigt werden“, sagt Fischer.

Nachdem wir die letzten Fahrgäste nach Hause gebracht haben, geht es gegen 17 Uhr zurück zum Busdepot. Fischer fährt den Krafter in die Halle, der kleine Bus steht schon dort. Ein letztes Klicken des einrastenden Tores und der zehnstündige Tag des Anrufbusses geht zu Ende.  niko

Drei Fragen an ...

... Manfred Kesselring:
Was motiviert Sie, sich im Anrufbusverein zu engagieren?
Der Anrufbus bringt Wohl und Nutzen für die Bürger der Samtgemeinde. Ich bin hier geboren und aufgewachsen und will der Gemeinde etwas Gutes tun. Vor allem als Bürgermeister von Helpsen fühle ich mich dazu verpflichtet. Stets neue Menschen kennenzulernen, ist etwas Tolles, für das es sich lohnt, Zeit zu investieren.
Was macht für Sie den Anrufbus aus?
Für mich lebt der Anrufbus vom Ehrenamt. Die vielen Helfer und Fahrer verfolgen ein Ziel, alle arbeiten zusammen an einem Projekt. Dieser starke Zusammenhalt macht für mich den Anrufbus aus.
Worauf blicken Sie nach ihrer bisherigen Zeit als Fahrer des Anrufbusses zurück?
Auf durchweg positiv gestimmte Menschen. 99 Prozent unserer Mitfahrer sind dankbar für unsere Arbeit. Diese Dankbarkeit ist etwas Wunderbares und eine Bestätigung unseres Engagements. niko

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