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Bei einem Euro fällt der Hammer

Fundsachenversteigerung Nienstädt Bei einem Euro fällt der Hammer

An einem der heißesten Tage dieses Jahres steht Samtgemeindemitarbeiter Jörn Wille vor der Seitentür des Verwaltungsgebäudes in der prallen Sonne. Schweißperlen stehen ihm auf der Stirn. Zusammen mit seiner Kollegin Anna Sebode wird er um 17 Uhr die Fundsachenversteigerung eröffnen. Die Mitarbeiter der Verwaltung schwitzen schon etwas länger, denn die Fundstücke sind zuvor im Hof aufgebaut worden und durften eine halbe Stunde vor Beginn der Auktion begutachtet werden.

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Jörn Wille startet die Versteigerung des Fahrrades mit einem Mindestgebot von einem Euro.

Quelle: bab

SAMTGEMEINDE NIENSTÄDT. Auf den ersten Blick sind wie angekündigt eine Menge Fahrräder zu sehen. Auf den zweiten und dritten Blick weckt der Tisch mit dütt und datt das Interesse. Zwei nigelnagelneue Generatoren stehen darunter, die an an einer Bushaltestelle liegen geblieben waren, wie die Mitarbeiter der Samtgemeinde berichten. Daneben ein Hartschalenkoffer mit unbekanntem Inhalt und den Initialien „SK“. Zwischen getragenen Pullovern, einer Damenhandtasche und einer Uhr, eingetütet in einem Umschlag, ein silberner Herrenring. Gefunden am Kanal.

Willi Kietsch und Alfred May von der Flüchtlingshilfe in Helpsen interessieren sich wenig für die Kleinteile. Sie sind gekommen, um Räder für die Fahrradwerkstatt zu ergattern und das für möglichst wenig Geld. 20 Euro aus einer Spende haben sie mitgebracht. Das muss reichen. Schließlich ist das Mindestgebot gering. „Wir fangen bei allen Teilen mit einem Euro an“, sagt Wille.

„Was nicht versteigert wird, wird vernichtet“

Doch bevor Wille die Fahrräder anbietet, kommen alle anderen Fundstücke unter den Hammer. „Was nicht versteigert wird, wird vernichtet“, kündigt er an. Das ist der Handvoll Bieter, die insgesamt gekommen ist, bei getragenen Pullovern ebenso gleichgültig wie bei einer unscheinbaren Damenhandtasche samt Inhalt, die bei einem Erntefest liegen geblieben war. Niemand bietet. Die drei Smartphones allerdings wecken – unabhängig vom Zustand – das Interesse eines Paares. „Hauptsache es hat keine Spiderman-App“ scherzt der Mann und meint damit ein zersplittertes Display. Die Anwesenden wundern sich über soviel Telefonbedarf. Doch das Paar hat offenbar Abnehmer in Kuba, die jedes Gerät gut gebrauchen könnten. Drei Euro kostet der Spaß insgesamt.

Wie an jedem Objekt haftet an den Mobiltelefonen ein DinA4-Zettel mit Fundzeitpunkt, -ort und Finder. Sebode assistiert ihrem Kollegen, schreibt alles akribisch auf und dokumentiert den Verkauf. „Hier Ihre Quittung“, ruft sie dem Käufer hinterher, denn wenn fremdes Eigentum den Besitzer wechselt, muss alles seine Ordung haben.

Stücke bringen Geschichten mit

Bevor Jörn Wille zu den Rädern kommt, ist der Herrenring an der Reihe. Auch dafür gibt es keine Interessenten. Niemand bietet. Schließlich erbarmt sich jemand und schnappt einen 925er Silberring der Firma „Viventy“ für den obligatorischen Euro. Der Ehe- oder Freundschaftsring gibt Geheimnisse preis, die die Phantasie anregen. Eingraviert ist in Schreibschrift ein M und ein J, dazwischen ein Herz, daneben das entscheidende Datum: 12.02.2003. Vielleicht hat der Träger ihn der Angebeteten vor die Füße geworfen? Oder abgenommen, um ihn vor einer Geliebten zu verbergen? Vielleicht wollte er auch im Mittellandkanal schwimmen gehen und hat ihn deshalb zur Seite gelegt?

Während die Spekulationen über die Umstände ins Kraut schießen, startet die Auktion der Räder. Die Gebote bleiben niedrig. Nur bei einem Rad der Marke Herkules überbieten sich die Interessenten gegenseitig bis zum endgültigen Gebot von 51 Euro. Auch Kietsch und May wollten das Rad und mussten klein beigeben. Dennoch sind sie voll zufrieden. Für ihre 20 Euro haben sie immerhin vier Fahrräder erstanden. bab

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