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Seggebruch „Das passt nicht ins Dorfbild“
Schaumburg Nienstädt Seggebruch „Das passt nicht ins Dorfbild“
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00:17 12.12.2016
Fabian Killer (vorne) stellt im Gemeindesaal der Kirche zahlreiche Fragen zum Projekt. Quelle: kil
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Seggebruch

Auch Architekten und Städteplaner stellten sich den kritischen Fragen. Es meldeten sich vor allem Kritiker, aber auch einige Befürworter zu Wort. Wittkugel erläuterte die Historie, vom ersten Gespräch mit dem Verein im April über Sitzungen im nicht öffentlichen Teil des Rates (für Grundstücksangelegenheiten so üblich) bis zur Unterzeichnung des Vorvertrages am 30. September. Dass zwischen Unterzeichnung und Pressetermin am 31. Oktober vier Wochen lagen – „dafür entschuldige ich mich“, sagte Wittkugel.

Man habe „die Sache unterschätzt“, werde daraus lernen. Zudem gab er einen Überblick über Ein- und Ausgaben der Gemeinde. Einnahmen bekomme die Kommune auch durch Schlüsselzuweisungen pro Einwohner. In den letzten acht Jahren sei Seggebruch um etwa 80 Einwohner geschrumpft. Von dem Projekt verspreche er sich höhere Einnahmen und mehr Arbeitsplätze.

Planungskosten werden am 20. Dezember erläutert

Vor allem die Mitglieder der Bürgerinitiative Seggebruch (BiS) stellten Fragen, überwiegend zu Finanzierung und Standort. Mit welchem Geld will die Gemeinde das Grundstück kaufen? Wittkugel: „Aus Eigenmitteln.“ Wie hoch sind die Planungskosten? Der Bürgermeister: „Das wird in der öffentlichen Ratssitzung am 20. Dezember erläutert.“ Dann soll auch der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst werden.

Ein Anderer wollte wissen, wie die Gemeinde dazu komme, ein Grundstück kostenfrei anzubieten, wenn die Finanzierung noch unklar sei? Wittkugel: Die Gemeinde bleibe Eigentümer, stelle das Bauland bloß zur Verfügung.

Manuela Tarbiat-Wündsch stellte als Vorsitzende des Vereins das inklusive Konzept vor. Es soll 31 Wohnungen für Rentner, Familien, Alleinerziehende, junge Leute und Menschen mit Behinderung geben. Angedacht seien zudem Gemeinschaftsräume und ein Bistro. „Das Haus ist für alle offen“, sagte sie.

Die Gäste interessierte: Woher kommt das Geld? Die Planungen seien noch am Anfang, so die Vorsitzende. Der Verein sei dabei, Förderanträge zu stellen, trete selbst als Teilinvestor auf. Wenn die Finanzen geklärt seien, nenne sie Namen.

Dass dieser Vorgang normal sei, betonten die Architekten Michaela Ausfelder und Martin Janik, die Erfahrungen mit ähnlichen Projekten haben. Die Architektur des Baus – mehrere Flachdachhäuser, umgeben von Grünflächen – kam nicht bei allen gut an. Manche fanden: „Das passt nicht ins Dorfbild.“

Standort Seggebruch eigne sich gut

Matthias Reinold, Städteplaner aus Rinteln, erläuterte, dass die Spielregeln für Größe, Form und Art des Baus im Bebauungsplan festgelegt werden. Die Höhe müsse hier unter zehn Metern liegen. Was das Flachdach angeht, versuchte er den Blick der Anwesenden für neue Entwicklungen zu öffnen. Der demografische Wandel fordere, dass die Gemeinde sich dieser Aufgabe stellt, der Standort in Seggebruch eigne sich gut.

Eine Bürgerin kritisierte, nicht frühzeitig eingebunden worden zu sein. Tarbiat-Wündsch und Ausfelder erklärten, die Planungen seien noch am Anfang, es könne sich „jeder gern einbringen“. kil

Das Haar in der Suppe gesucht

Ein Kommentar von Kirsten Elschner

Jörn Wittkugel wünschte sich eine sachliche und faire Veranstaltung. Daraus wurde nichts. Der Infoabend geriet zur reinen Hau-drauf-Runde. Besonders die Bürgerinitiative, die das Projekt ablehnt, suchte verzweifelt das Haar in der Suppe. „Ich bin ja nicht gegen das Projekt an sich, aber ...“. Mit dieser Einleitung fingen zahllose Fragen und Statements an. Hatte sich die BiS zu Beginn über die schlechte Informationspolitik der Gemeinde beklagt, entstand hier der Eindruck, dass sie gar keine Infos haben will, da ihr Standpunkt schon fest steht: Die Mitglieder wollen kein Mehrgenerationenhaus vor ihrer Tür. Dabei kann das Projekt Leben nach Seggebruch bringen. Die Gesellschaft wird älter und auf diese Entwicklung muss die Gemeinde reagieren. Sich neuen Ideen von vornherein zu verschließen und weiter von roten Backsteinhäusern mit Satteldach zu träumen, in dem drei Generationen einer Familie wohnen, bringt niemanden voran.

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