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Gebetsperlen für den Hasen

Aktionstag von Schule und Kirche Gebetsperlen für den Hasen

Im Abschlussgottesdienst lässt Pastorin Antje Wachtmann mit den Füßen abstimmen: Wer ist heute müde aus dem Bett gekrochen? Die Hälfte steht auf. An dem Aktionstag präsentierte sich die Kirche bewusst "jung und vielfältig".

Der Abschlussgottesdienst wird in der Stiftskirche gefeiert, es herrscht eine lässige Stimmung.

Obernkirchen. Wer hat beim Aktionstag von Schule und Kirche Spaß gehabt? Drei Viertel der Schüler stehen auf. Und wer ist froh, dass heute der Unterricht ausgefallen ist? Da stehen dann alle.

Wachtmann selbst hat an diesem Morgen ebenfalls ein Angebot offeriert: Gebetsperlen basteln. Das liegt ihr, sie stuft sich selbst laut lachend als „Basteltante“ ein. Bei ihrem Workshop bedeutet jede Perle einen Gedanken an Gott. „Und gedacht haben die Kinder an vieles“, erzählt sie später. Es gab Perlen für Mama, Papa, Opa, Oma und den Hasen. Den Aktionstag findet sie schön, wen wundert es? Und dies nicht nur, weil sie dort die Kinder kennenlernt, die in ihrer Hattendorfer Kirchengemeinde einmal konfirmiert werden, sondern weil die Mädchen und Jungen sehen, die sie nicht kennen: Stiftskirche, Glockenturm, den Prominentenfriedhof in der Kirche, das Stift selbst.

Christine Lange ist Diakonin und Regionalkoordinatorin für ein Projekt mit dem etwas sperrigen Titel „Religion in der Oberschule/Gesamtschule wahrnehmen und begleiten“, an dem alle Kirchen in Niedersachsen beteiligt sind. Denn der Religionsunterricht sieht sich vor neue Fragestellungen bei veränderten Rahmenbedingungen gestellt. Die Lerngruppen sind heterogener zusammengesetzt, die Schülerschaft ist multikulturell und religiös gemischt. Sie nennt ein Beispiel, wie sie ihre Arbeit inhaltlich definiert. In Bückeburg habe sie mit einer Schule die Moschee besucht: Fünf Minuten Fußmarsch, und dennoch waren die Schüler niemals dort, und dafür hat sie sogar viel Verständnis. „Den Lehrkräften fehlt einfach Zeit“, sagt sie. Und dass die verschiedenen Religionen miteinander reden sollten, sei „deutlich wichtiger geworden“.

Durch den Aktionstag, sagt Lange, erreiche man Kinder, die sonst gar nichts oder nur wenig mit Kirche zu tun hätten. Dabei könne man den Kindern zeigen, „wie vielfältig und jung Kirche sein kann“.

Der Aktionstag bietet zehn Angebote, von denen sich die meisten im Laufe der Jahre bewährt haben: Es geht hinauf in den Glockenturm. Pastor Wilhelm Meinberg unterbricht für einen langen Vormittag seinen Ruhestand und bietet „was Flottes im Hause Gottes“ an, Kollege Herbert Schwiegk erklärt die Comics auf dem Altar, es gibt Führungen durch das Stift und die St.-Josef-Kirche – und es gibt den Pop-Kantor.

Marco Knichala ist 27 Jahre alt, sieht aus wie ein Schüler, der gerade erst sein Abitur bestanden hat und ist seit Jahresbeginn neuer Kirchenmusiker für den Bereich Popularmusik im Kirchenkreis Schaumburg. Kurzum: Er ist der Pop-Kantor.

Knichala tritt seit 15 Jahren als Schlagzeuger, Gitarrist, Bassist, Keyboarder und Sänger in unterschiedlichen Formationen auf. Zu Hause ist er in Jazz, Rock und Pop, aber er ist auch ein großer Bewunderer der Klassik und Kirchenmusik. Im Heeresmusikkorps 1 der Bundeswehr konnte er als Musiker viel Erfahrung sammeln und bereiste mit dem Orchester das ganze Land.

Man kann ihn anrufen, den Pop-Kantor, und wenn das Angebot passt, dann kommt er vorbei. Der Aktionstag hat einen kirchlichen Hintergrund, natürlich macht er daher mit: „Bodypercussion“ heißt sein Workshop, der ganze Körper ist dabei das Musikinstrument. Wenn man sieht und hört, wie nach 15 Minuten Jungen und Mädchen der sechsten Klassen mit echter Inbrunst und noch mehr Können „Astronaut“ von Andreas Bourani rappen, dann ahnt man, was der Pop-Kantor vor allem kann: junge Menschen erreichen. Also rappen sie: „Hier oben ist alles so friedlich, / doch da unten geht’s ab. / Wir alle tragen dazu bei, / doch brechen unter der Last. / Fast acht Milliarden Menschen, / doch die Menschlichkeit fehlt.“ Im Abschlussgottesdienst wird das Befindlichkeits-Lied erneut zum Besten gegeben, der Applaus ist donnernd. Und nahezu jeder, der in seinem Workshop mitgemacht hat, verabschiedet sich persönlich vom Pop-Kantor, man klatscht sich cool ab. Das sieht man auch nicht alle Tage.

„Singen“, sagt Knichala später im Pressegespräch, „ist ein Grundbedürfnis des Menschen, das leider oft vergessen wird.“ Es hätte mehr gefördert werden sollen, aber in den fünften und sechsten Klassen sei das kein Problem: Er gibt einfach Vollgas, die Kinder gehen mit. Ab der siebten Klasse werde es schwerer, da müsse man mehr Arbeit reinstecken. „Aber fünfte, sechste Klassen – das ist ein schönes Alter.“

Pastorin Wachtmann formuliert es im Abschlussgottesdienst ein klein wenig anders: „Ihr rockt diese alte Kirche. Ihr seid das Salz der Erde.“ rnk

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