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50 weitere „Mühlen“?

„Diskussionsabend Windenergie“ 50 weitere „Mühlen“?

50 weitere Windräder? Es ist vor allem dieser Punkt gewesen, der den meisten Teilnehmern des „Diskussionsabends Windenergie“ in der Krainhäger Berghütte arge Bauchschmerzen bereitet hat. Kaum jemand will sich öffentlich für noch mehr Windräder einsetzen. Zu umstritten ist die „Verspargelung“.

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Wohin geht bei der Windenergie die Reise? Volker Bajus, Karsten Becker und Holger Buschmann diskutieren und sind sich einig, wo der Klimawandel nicht endet: vor unserer Haustür.

Quelle: MIG

KRAINHAGEN. Karsten Becker (Landtagsabgeordneter, Energiepolitischer Sprecher SPD), Volker Bajus (Landtagsabgeordeneter, Energiepolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen), Holger Buschmann (Landesvorsitzender Naturschutzbund Niedersachsen), sowie Rolf Thiele (Sprecher BEnW/Kompetenzteam Windenergie) konnten sich immerhin darauf verständigen, „dass der Klimawandel nicht vor unserer Haustür enden wird“.

Dichte Besiedlung und „Tabu-Flächen“

Kaum jemand will sich öffentlich für noch mehr Windräder einsetzen. Zu umstritten ist die „Verspargelung“. Dazu kommt, dass der Landkreis zu den am dichtesten besiedelten in Niedersachsen zählt. Laut Rolf Thiele, der selbst in dem Bereich tätig ist, ein schwieriges Geschäft: „Versuchen Sie mal, in Schaumburg einen Platz zu finden, wo sie noch bauen können.“ Die dichte Besiedlung und „Tabu-Flächen“ wie Straßen, Wohnbebauung, Wälder, Flugplätze und Schienen machten das fast unmöglich.

„Da kommt dann ganz am Ende des Verfahrens ein Belang – und Hunderttausende sind weg“, brachte es der Windpark-Entwickler auf den Punkt. Das alles vor dem Hintergrund, dass bis 2022 alle Atomkraftwerke stillgelegt werden sollten und der Bedarf an erneuerbarem Strom wachse. Thiele schlägt vor, die vorrangigen „alten Rechte“ vielleicht noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. „Hätte man in den sechziger Jahren ahnen können, welchen Zwängen wir heute ausgesetzt sind – dann hätte man sicher anders entschieden.“ In einem „Landkreis, in dem eigentlich nichts geht“, müsse man den Blick weiten und die „alten Regeln auf den Prüfstand stellen“.

Sonnenenergie als Alternative

Bei Teilen des Publikums kam Thieles Vorschlag nicht so gut an. Eine Zuhörerin wandte ein, dass sie die „Verspargelung der Landschaft wie beispielsweise in Coppenbrügge“ nicht gutheißen könne und es in Schaumburg nur wenig Platz für Windräder gebe. „Hier sollten wir andere erneuerbare Formen bevorzugen.“ Als Beispiel nannte die Zuhörerin die Sonnenenergie: „Wir haben eine unglaubliche Menge an Dächern im Landkreis, auch öffentliche. Die sollten dafür benutzt werden.“ Thieles Einwand, dass man, um den Strombedarf bis 2030 zu decken, 50 zusätzliche „Mühlen“ in Schaumburg brauche, wollte die Teilnehmerin nicht gelten lassen.

Ähnlich sah das an diesem Abend der Nabu-Landesvorsitzende Holger Buschmann. Es gebe nun einmal viele Schutzflächen im Landkreis Schaumburg, sagte Buschmann. Diese Flächen seien für das Aufstellen von Windrädern nicht gut geeignet. Überhaupt sei man in Niedersachsen in Sachen Windkraft schon relativ weit, umso wichtiger sei es jetzt, die Akzeptanz bei der Bevölkerung nicht aufs Spiel zu setzen. Will heißen: „Windkraft ja – aber lasst es uns im Rahmen halten und die Belange sehr genau nehmen.“ Natürlich könne man vorhandene Potenziale ausnutzen, „und wenn man die Belange in den Griff bekommt, dann kann man da gerne ein Windrad bauen, aber wenn nicht, dann nicht“.

Karsten Becker rief dazu auf, „Lösungen zu finden, die weit über das hinausgehen, zu fragen: Wo kriegen wir noch ein Windrad hin?“ Auf diese Weise würde man die ausgegebenen Ziele nicht erreichen. Statt einfach irgendwas irgendwo hinzustellen, brauche es einen Plan für Niedersachsen. Am sinnvollsten sei es ohnehin, die Anlagen da aufzustellen, „wo sie am effektivsten sind“, so Becker.

Eine dezentrale Bewegung

Volker Bajus äußerte sich noch entschiedener. Angesichts von „200 Millionen Klimaflüchtlingen bis 2040“ sei der Klimawandel eine existenzielle Herausforderung. „Wir dürfen uns nicht zurücklehnen, sonst kommen die Probleme zu uns. Wir müssen lokal handeln“, so Bajus. Bisher sei die Energieerzeugung von Großkonzernen geleistet worden, das habe sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten geändert. „Jetzt erleben wir eine Bewegung von unten, eine dezentrale Bewegung, die eine Wertschöpfung für den ländlichen Raum bedeutet“, betont Bajus. Diese Entwicklung biete die Chance, „unsere Zukunft von unten zu gestalten“.

Es war ein Zuhörer, der einen weiteren Punkt einbrachte. Man müsse auch „heiße Eisen“ anfassen, forderte er. Er monierte, dass die Ausweisung von Flächen für die Windkraft den Bürgermeistern und Kommunen aufgebürdet werde. Stattdessen brauche es ein Raumordnungsprogramm, dass diese Belange für den Landkreis zusammenfasse. Dafür aber fehle es der „Entscheidungselite“ an Mut, glaubt der Gast. „Wir müssen die Frage diskutieren, was die Hemmnisse sind. Und wenn die Gemeinden überfordert sind, dann ist der Landkreis gefordert.“

Schaumburg ist ein „sehr dicht besiedelter Landkreis“

Thiele konnte dem Vorschlag einiges abgewinnen. „Bürgermeister wollen wiedergewählt werden und möchten sich deshalb nicht die Finger verbrennen.“ Man habe die Verantwortung nach ganz vorne in die Kommune verlagert, „beim Landkreis wäre das besser aufgehoben“. Unterstützung findet Thiele bei Bajus, der sich ebenfalls eine Verlagerung auf Landkreisebene wünschen würde. „Zum einen würde es eine weitere Perspektive geben, zum anderen habe ich den Eindruck, dass überall da, wo es Raumordnungsprogramme gibt, es auch weniger Konflikte gibt.“ Becker hatte für den Vorschlag nur wenig übrig. Ausschlaggebend ist für ihn, dass Schaumburg ein „sehr dicht besiedelter Landkreis“ ist – dieses Problem würde auch auf Landkreisebene bestehen.

Das Fazit blieb Moderatorin Verena Michalek vorbehalten, die monierte, dass Deutschland in Sachen Klimaschutz weit hinterherhinke. „Wir müssen schneller werden“, sekundierte Bajus. „Viel Zeit haben wir nicht mehr, um unsere Ziele zu erreichen.“ mig

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