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Obernkirchen Ortsteile 800 Jahre Gelldorf: Die Feier geht weiter
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Ortsteile 800 Jahre Gelldorf: Die Feier geht weiter
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19:35 30.08.2018
Die Schaumburger Jazz-Musiker von Filou haben dem 800. Geburtstag von Gelldorf einen gelungenen Auftakt beschert. Quelle: wk
Gelldorf

Erstmalig erwähnt worden ist Gelldorf nach heutigem Wissensstand in einer Urkunde aus dem Jahr 1218, mit der ein Herzog Heinrich von Sachsen Güter in „Gel-dorpe“ an das Stift Obernkirchen übertragen hatte.

Mehrtägiges Programm zum historischen Fest

Dieses mittlerweile acht Jahrhunderte zurückliegende Datum hat die Ortschaft Gelldorf jetzt zum Anlass genommen, ihr 800-jähriges Bestehen mit einem mehrtägigen Programm zu feiern. Den Startschuss bildete ein Festkommers in einem am Dorfteich aufgestellten großen Veranstaltungszelt, an dem rund 250 Gäste teilnahmen; darunter zahlreiche Bürger des Ortes, aber auch Vertreter der regionalen Wirtschaft und Politik.

„Sie alle tragen mit Ihrer heutigen Teilnahme wesentlich dazu bei, diese Tage zu etwas ganz Besonderem für uns Gelldorfer zu machen. Sie unterstreichen damit Ihre Verbundenheit mit uns, den Menschen, die hier wohnen und unserer Ortschaft. Dafür danke ich Ihnen sehr herzlich“, begrüßte der Ortsbürgermeister Andreas Hoffmann die Gäste.

Zudem merkte er an, dass die Gelldorfer ja nicht für sich allein „auf einer kleinen Insel“ leben, sondern Teil der Stadt Obernkirchen, des Landkreises Schaumburg und Nachbar von anderen Städten, Gemeinden und Dörfern seien. „Uns verbindet dies mit Ihnen allen, entweder einfach räumlich, sicher aber auch politisch oder wirtschaftlich, oft jedoch persönlich, wohl auch nicht selten freundschaftlich.“

Vor mindestens 800 Jahren seien die „ganz wichtigen Bande“ Gelldorfs zur Stadt Obernkirchen entstanden, wobei sich die Gelldorfer aber in all dieser Zeit „ihre Identität bewahrt“ hätten, würdigte Oliver Schäfer, der Bürgermeister der Bergstadt, das Jubiläum. Und gerade diese „dörfliche Identität“ habe es ermöglicht, dass man dieses Fest jetzt in solch einem großen Rahmen feiern könne.

Farr: "Nicht jedes Problem zur Schicksalsfrage machen"

Landrat Jörg Farr erinnerte bei seinen Grußworten daran, dass die Menschen im Laufe der Jahrhunderte auch viele „schwere Zeiten“ zu überstehen hatten – so etwa Kriege, Dürren, Hungersnöte, Seuchen und „vieles mehr, was ihre Existenz immer wieder gefährdete“. Im Vergleich zu jenen Zeiten ohne soziale Absicherung, ohne medizinische Versorgung und ohne Rechtsstaatlichkeit seien die sich heutzutage stellenden Probleme indes kleiner, befand er.

Nicht nur deshalb sollte man es seines Erachtens so handhaben wie die Vorfahren: „Optimistisch in die Zukunft sehen, anpacken und nicht jedes Problem immer wieder zu einer Schicksalsfrage machen.“ Mehr noch: „Zusammenhalt und Miteinander ist viel wichtiger als Egoismus, wenn wir unsere Gesellschaft positiv weiterentwickeln wollen“, betonte der Landrat, wofür er einen kräftigen Applaus seitens der Zuhörer erhielt.

Vor diesem Hintergrund wertschätzte Farr, dass es – neben „existenziellen Dingen“ wie etwa die in „räumlicher Nähe“ vorhandenen Arbeitsplätze, Kindergärten und Schulen sowie einer funktionierenden Infrastruktur – in Gelldorf eine „rege Dorfgemeinschaft“ gebe, die ebenfalls dazu beitrage, dass sich die Menschen hier wohlfühlen.

Eine Siedlung soll hier schon vor 1218 existiert haben

Die Geschichte Gelldorfs seit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1218 zeichnete dann Stefan Brüdermann, der Leiter des Niedersächsischen Landesarchivs in Bückeburg, in seinem Festvortrag nach.

Gelldorf habe zu jener Zeit sicherlich schon längst bestanden, das lege ein Blick auf die Umgebung nahe, erklärte der promovierte Historiker. Der nördliche Teil Schaumburgs gehöre zum Bördegebiet, einem schmalen Streifen in Ost-West-Richtung zwischen Geest und dem südlich anschließenden Berg- und Hügelland. Eine Region, in der fruchtbare Böden auf Löß vorherrschen, sodass hier schon damals intensiv Landwirtschaft betrieben worden sei und auf engem Raum mehr Menschen als anderswo in Niedersachsen ernährt werden konnten.

Gelldorf stellt Stadthagen, Rinteln und Bückeburg in den Schatten

Ferner berichtete Brüdermann, dass die Ersterwähnung Gelldorfs vor dem offiziellen „Gründungsdatum“ Stadthagens (1222) sowie der Gründung Rintelns (1238) datiert und dass von Bückeburg im Jahr 1218 „noch keine Spur“ gewesen sei; nur eine kleine Siedlung namens Sutherem habe es dort gegeben, wo heute Bückeburg liegt.

Interessant zu erfahren war nicht zuletzt auch, dass es in Gelldorf bereits 1634 eine Schule gab, die somit zu den ältesten Dorfschulen Schaumburg-Lippes gehört.

Auf dem Programm der bis Sonntag laufenden Jubiläumsfeierlichkeiten stehen noch eine „Riesenfete“, bei der das DJ-Team „DMW Project“ Partymusik auflegt (Freitag ab 21 Uhr), ein „Familientag“ mit Musik der Bigband „Route 65“ und einige Aktionen örtlicher Vereine (Samstag ab 15 Uhr), ein Tanzabend mit der Band „Champagne“ (Samstag ab 21 Uhr) sowie das alljährliche Erntefest (Sonntag ab 11 Uhr) nebst eines weiteren Tanzabends mit „Champagne“ (Sonntag ab 18 Uhr). Ausrichter der Festtage sind die Dorfgemeinschaft Gelldorf und der Trägerverein Dorfgemeinschaftshaus Gelldorf.

von Michael Werk