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„Auswanderer“ erneut an Bord

Zehn Jahre her „Auswanderer“ erneut an Bord

Zehn Jahre ist es her, dass die Krainhäger Familie damals mit insgesamt 45 Teilnehmern für die WDR-Produktion „Windstärke 8 – Das Auswandererschiff“ in See gestochen ist. Grund genug für die Münchner Produktionsfirma Caligari Film, nach dieser langen Zeit alle Protagonisten noch einmal für einen Tag an Bord des Dreimasters Fridtjof Nansen zu holen.

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Modisch eingekleidet wie vor 150 Jahren: Die Auswanderer in der Zeitschleuse kurz vor der Abreise. Mittendrin Manuela Schneider (Siebte von links), „Doc“ Jens Schneider (Achter von links) und vor den beiden die Töchter Elisa, Magdalena und Maria.

Quelle: WDR

Krainhagen (tw).  Die Schneiders haben sich das nicht zweimal sagen lassen und sind nach Kiel angereist, wo der Dreimaster fest gemacht hatte. Maria (32), die älteste Tochter, kam mit ihrem Mann André (der ihr damals beim Einlaufen in New York einen Heiratsantrag gemacht hatte) und ihren drei Kindern aus Göttingen, wo sie mit ihnen zusammenlebt und vor einer Woche ihr zweites Staatsexamen im Fach Medizin bestanden hat.

 Magdalena (27), die in Bremen als Krankenschwester arbeitet, rückte aus Lokstedt an, wo sie seit zwei Jahren wohnt. Und Elisa (22), die Jüngste der drei Schwestern, die in der väterlichen Arztpraxis eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten absolviert hat, war 13 Stunden von Trier unterwegs. Sie arbeitet seit letztem Jahr in einer Privatklinik in Luxemburg und musste drei Tage Urlaub nehmen, da es wegen des jüngsten Bahn-Streiks keine vernünftige Verbindung gab. Doch allen war es die Sache Wert, um sich einmal wiedersehen zu können.

 „Wir sind dann mit der Fridtjof Nansen nochmals unter vollen Segeln für einen Tag rausgefahren. Anders als damals, waren wir diesmal aber keine bloße Fracht“, sagt Manuela Schneider schmunzelnd. Im Gegenteil: Alle konnten sich in Jeans und Sweatshirts an Bord frei bewegen und sogar die Takelage entern. Die drei Masten – bis zu 32 Meter hoch – tragen eine Segelfläche von bis zu 850 Quadratmetern.

 Zehn Jahre – eine lange Zeit. Aber alles ist relativ. „Die Erfahrungen einer Zeitreise in das Jahr 1855 waren damals so tief greifend, dass viele Erinnerungen eh noch sehr präsent sind. Kommt man dann auch noch auf dasselbe Schiff zurück und hört die gleichen Stimmen, kommt es einem vor, als wäre man gestern erst von Bord gegangen“, meint Jens Schneider, der damals als Schiffsarzt die lange Überfahrt von elf Wochen antrat.

 „Doch wenn man bedenkt, dass wir in der Zeit zusehen konnten, wie unsere Kinder alle ihren Beruf ergriffen haben, eigene Wege mit ihren Partnern gegangen sind und Maria uns sogar drei Enkel geschenkt hat...“, staunt Großmutter Manuela, dass dies alles in zehn Jahre hinein gepasst hat.

 „Allein die ganzen Reisen, die wir in der Zeit unternommen haben. Wir sind über die sieben Weltmeere geschippert und über sieben Kontinente gestapft. Als gelernte DDR-Bürgerin hätte ich das in meinem ganzen Leben nicht für möglich gehalten“, beteuert die gebürtige Altenburgerin.

 Sie kann sich noch gut an ihre Flucht 1989 über Ungarn erinnern, wie sie mit drei Kindern und drei Koffern loszogen. Ein Déjà-vu hatte die Wahl-Schaumburgerin vor zehn Jahren, als sie für dieses gewagte Unterfangen eine Auswanderer-Kiste mit ein wenig Hab und Gut bekam und nur diesen Inhalt für die nächsten 70 Tage auf See zur Verfügung hatte. Aber gefehlt habe ihr nichts – außer ihrem Sohn Johannes (31). Er startete damals gerade sein Studium, konnte somit an dieser Aktion nicht teilnehmen, übt dafür jedoch heute als Kommissar seinen Traumjob aus.

 Der größte Unterschied zwischen diesen beiden extremen Abenteuern Flucht und Zeitreise war jedoch die Tatsache, dass die Schneiders im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht wie die Auswanderer damals noch einmal mit dem Aufbau einer neuen Existenz anfangen mussten, sondern einfach wieder in die Gegenwart und in ihr „wunderbares Zuhause“ zurückkehren konnten.

 Wie Manuela Schneider auf Nachfrage der Redaktion berichtet, steht ein Ausstrahlungstermin für den jüngsten Bordtag der Auswanderer noch nicht fest; er soll aber spätestens im Sommer im WDR laufen.

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