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Obernkirchen Ortsteile Beim Insektensterben nicht einfach zusehen
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Ortsteile Beim Insektensterben nicht einfach zusehen
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00:19 11.06.2018
Etwas tun, um die gefährdeten Insekten und Bienen zu unterstützen – das möchten viele Mitbürger. Auch die SPD-Fraktion im Ortsrat Gelldorf sorgt sich. Quelle: dpa
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Gelldorf

Dass der Tagesordnungspunkt acht der jüngsten Sitzung des Ortsrates unterhaltsam werden könnte, hat sich im Vorfeld durchaus abgezeichnet.

Nicht, weil das Thema zum Scherzen einladen würde, ganz im Gegenteil, denn das massive Sterben von Insekten und Bienen treibt ja nicht nur Experten die Sorgenfalten auf die Stirn. Es waren der Antrag selbst und die Zusammensetzung des Gremiums, die auf, nun ja, originelle Wortwechsel hoffen ließen. Und die gab es dann auch.

Mit Eigeninitiative gegen das Insektensterben

Der Antrag der SPD zielt durchaus in die richtige Richtung: Blühstreifen schaffen, selbst was tun. Denn Wildblumen und Ackerkräuter an den Ackerrändern leisten einen kleinen Beitrag gegen das Insektensterben.

Dazu sollen die heimischen, ortsansässigen Landwirte aufgerufen werden, entsprechend Randstreifen an den Äckern und den Straßen frei zu lassen.

Und: „Dazu möchten wir mit den Landwirten den Dialog zur Verwirklichung suchen.“ Lässt man das leicht Gestelzte mal weg, dann liest sich dies schnell so: Hier der dialogunfähige Landwirt, der mit seinen Produktionsmethoden massiv zum Problem beiträgt, und dort die SPD, die ihm eine helfende Hand reicht, damit er aus seiner dialoglosen Ecke auch mal rauskommt und mit den Genossen die Natur rettet.

Kontroverse im Ortsrat

Im Ortsrat Gelldorf sitzen zwei Landwirte: Dirk Rodenbeck und Achim Pohl, beide gehören zum Team Gelldorf.

Das Wort ergriff aber erst einmal Sylvia Brassat, ebenfalls vom Team Gelldorf. Dem Antrag fehle das Konkrete. Sei das nur eine Idee? Oder stehe was dahinter? Habe es schon Gespräche mit Landwirten gegeben? Gebe es Flächen? Oder Streifen?

Und warum habe man von der SPD zuvor nicht mal beim Team Gelldorf angerufen, um sich kurz abzusprechen?

Kirsten Battaglia (SPD) gab sofort Kontra: „Zu wenig Infos? Das schmetter ich ab.“ Das Thema könne man doch überall nachlesen.

Und Blühstreifen? „Ich sehe hier keine.“ Sie wolle hier nichts vorschreiben, „in diesem Jahr ist das ja auch nicht mehr zu machen, das ist ja schon gelaufen“. Und es sei ja keine große Fläche nötig. „Der Wille muss da sein“, so Battaglia. Man müsse vorgehen, um die Natur zu pflegen.

"Wir dürfen nicht nur zugucken"

Brassat fragte nach: „Worüber soll ich hier abstimmen? Es fehlen konkrete Angaben.“ Ein Blick auf den Verwaltungsvorschlag half auch nicht weiter: „Dem Antrag der SPD-Fraktion wird zugestimmt / nicht zugestimmt (Nichtzutreffendes streichen).“ So hieß es dort lapidar.

Battaglia schlug vor, in Richtung Biogasanlage nach Flächen zu suchen: „Wir suchen den Dialog, wir können nichts vorschreiben.“

Im Grunde, griff der leicht amüsierte Bürgermeister Oliver Schäfer ein, sei es ja so: Einer stelle das Land, der andere das Saatgut, dann mache man eine gemeinsame Aktion. In der Sache seien sich doch alle einig: „Wir dürfen nicht nur zugucken.“

Landwirt ergreift das Wort

Dann hob Rodenbeck doch seinen Arm, Wortmeldung. Erst ernsthaft: Er habe sich über den SPD-Antrag gefreut. Ein Umdenken finde ja schon allerorten statt, spannendes Thema, aber keine neue Idee.

Dann fügte er ironisch hinzu: Dass man erst die Zustimmung des Ortsrates benötige, um mit ihm in den Dialog zu kommen, „dass muss nicht sein“.

Rodenbeck erinnerte Battaglia an eine zurückliegende Debatte um die Obstbäume entlang der Dorfstraße: „Du wolltest sie fällen lassen, du hast damals zugestimmt.“ Battaglia: „Die sahen ja auch scheiße aus.“ Rodenbeck: „Aber das wollen Insekten doch: ein bisschen Unordnung. Ich finde es jedenfalls gut, dass dort Kirschbäume stehen.“

Und nach einer kurzen Pause schob Rodenbeck noch einen Satz in Richtung Battaglia nach: „Schön, dass bei dir ein Umdenken stattgefunden hat.“ Die SPD-Fraktionsvorsitzende blieb die Antwort nicht schuldig: „Bei mir hat kein Umdenken stattgefunden.“

von Frank Westermann

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