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„Ich bin kein Kamikaze“

Vehlen / Bestürzung bei Standortgegnern des Klinikumbaus „Ich bin kein Kamikaze“

Bestürzung bei den im „Landschaftsschutz Schaumburg“ zusammengeschlossenen Standortgegnern, Bestürzung aber vor allem bei Mitglied Volker Loos: „Ich bin kein ,Kamikaze‘.

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Zwei Raser erwischt

Dieses Bild von der vermutlichen Unfallstelle hat Georg von Luckwald gestern an Claus Eppmann und Landrat Jörg Farr gemailt. Links im Bild sind zwei Splittberge zu sehen, dahinter die Erdwälle der Baustelle.

Quelle: pr.

Vehlen. Ich habe Frau und zwei Kinder“, sagt der 49-Jährige. Loos hat sich bei der Redaktion gemeldet, nachdem er mit dem Fahrrad an der Klinikums-Baustelle gestürzt war – und tags darauf in der Zeitung von einer Bemerkung Georg von Luckwalds gelesen hatte. Der Landschaftsarchitekt hatte vermutet, dass es sich um einen vorsätzlichen Störversuch aus dem Kreis von Standortgegnern respektive von Sympathisanten handele (wir berichteten).

 Eben dagegen verwahrt sich Loos auf das Schärfste: „Wir setzen uns verbal mit der Gegenseite auseinander, haben solche Aktionen nicht nötig.“ Da er sich bei dem Sturz vom Fahrrad verletzt habe, das erst ein Jahr alte Rad selbst vermutlich gestaucht und unbrauchbar sei, hat er den Bückeburger Rechtsanwalt Oliver Theiß damit beauftragt, seine Rechte wahrzunehmen. Theiß (CWG und LTL) ist auf Verkehrsunfall- und Verwaltungsrecht sowie auf Baurecht spezialisiert.

 „Die Stadt bekommt Post von uns“

 Er sieht die Stadt Obernkirchen in der Pflicht und sagt auf Anfrage der Redaktion: „Die Stadt bekommt Post von uns. Sollten wir uns nicht außergerichtlich einigen können, läuft es auf eine Klage wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht hinaus.“ Denn die Stadt als Eigentümer sei für diesen Straßenabschnitt verantwortlich.

 „Ich warte zunächst den Eingang des Schreibens von Herrn Theiß ab“, entgegnet Oliver Schäfer. Die Stelle des Sturzes müsse genau verortet werden. Wobei: „Eine kurzfristige Recherche hat ergeben, dass der besagte Splitthaufen gar nicht auf dem der Stadt gehörenden Grund und Boden liegt“, so der Bürgermeister erleichtert. Abwinken tut auch Landrat Jörg Farr für den Landkreis Schaumburg nach einer Recherche in seiner Behörde.

 Doch was ist am Montag, dem 14. Oktober, an der Klinikums-Baustelle in der Feldmark eigentlich passiert? Zeugen gibt es nicht, wohl aber die Schilderung von Volker Loos.

 Demnach ist er gegen 5 Uhr morgens von der Obernkirchener Straße 6 aus mit dem Trekkingrad auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle beim Stadthäger Autohaus Stelzer, Nordring 1, gewesen; es sollte sein letzter Arbeitstag vor einem Kurzurlaub werden. Dabei führte Loos’ Weg auch über den Wirtschaftsweg Auf dem Stapel am Rand der Klinikumsbaustelle vorbei. „Ich fahre diese Strecke oft und lieber als die über die Eilsener Straße“, sagt Loos. Sie sei zwar etwas länger, dafür gebe es dort aber keinen Verkehr.

 In der Senke, an der stumpfen Zufahrt zu einem geplanten Klinikumsparkplatz, sei es dann passiert: Obwohl er mit Licht gefahren sei, sei er, nicht zuletzt wegen des durch Baufahrzeuge verschmutzten Fahrbahnbelags, mit seinem Rad in einen neben der Straße aufgehäuften Splitthaufen geraten. „Wäre dieser Splitthaufen abtrassiert gewesen, hätte ich ihn gesehen“, ist Loos überzeugt. Aber eben das sei nicht der Fall gewesen.

 Beim anschließenden Sturz sei er nach vorne über den Lenker gegangen. „Der Helm, durch den Sturz geborsten, hat das Schlimmste verhindert“, ist der Obernkirchener überzeugt. Auf der Baustelle sei zu diesem Zeitpunkt noch niemand gewesen. Mehr schlecht als recht und unter Schmerzen sei er schließlich zurück nach Hause gekommen. Ein Schwager habe ihn ins Krankenhaus Bethel gebracht. „Dort wurden schwere Prellungen an den Rippen und der Hüfte und eine Adduktorenzerrung festgestellt“, schildert Loos. Außerdem habe er ein handgroßes Hämatom.

 Seine Frau habe die Polizei über den Sturz informiert, die den Vorgang aufgenommen habe – was die Polizeistation Obernkirchen auf Anfrage der Redaktion auch so bestätigt. „Ob darüber hinaus weitere polizeiliche Maßnahmen nötig sind, will die Familie noch entscheiden“, zitiert ein Sprecher aus dem Protokoll.

 „Gegen 7.30 Uhr“, so Loos weiter, „war ich nach Rückkehr aus dem Krankenhaus noch einmal an der Bau- und Sturzstelle, habe einen Ansprechpartner für die Absicherung gesucht, aber keinen gefunden.“ Er habe den Eindruck gehabt, dass ihm die Leute bewusst aus dem Weg gegangen seien.

 „Es tut mir leid, dass ein Mensch zu Schaden gekommen ist“, sagt Claus Eppmann. Der Geschäftsführer des Klinikums Schaumburg: „Zum Hergang selbst kann ich leider noch nichts sagen, weil wir als Grundstückseigentümer vom Geschädigten noch nicht informiert worden sind.“ Die Verkehrssicherungspflicht allerdings liege bei der bauausführenden Firma. Gleichwohl, so Eppmann, sei es in diesem Zusammenhang bemerkenswert, „dass wir von der Polizei auch jetzt im Nachhinein keine Mitteilung erhalten haben, dass die Sturz- respektive Baustelle besser abgesichert werden muss“.

 „Keine Gefahr für Radfahrer“

 Nachsatz des Geschäftsführers: Wer mit dem Fahrrad auf einer Straße mit Bau- oder auch Ernteverkehr unterwegs ist, der müsse – natürlich – seine Geschwindigkeit möglichen Verschmutzungen auf der Fahrbahn anpassen.

 „Der Schütthaufen lag auf der Zufahrt des Klinikgeländes, weit neben dem landwirtschaftlichen Weg“, erklärt von Luckwald. Der Landschaftsplaner: „Von diesem Haufen wäre, selbst wenn er unmittelbar angrenzend an dem Weg gelegen hätte (was nicht der Fall war), keine Gefahr für Radfahrer oder Fußgänger ausgegangen.“ Die Strukturen in der Landschaft neben dem Weg seien um ein Vielfaches „gefährlicher“ als dieser Schotterhaufen. tw

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