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In der Schule lässt es sich leben

Gelldorfer mit ungewöhnlichem Domizil In der Schule lässt es sich leben

Ungewöhnlicher wohnt in Gelldorf niemand: Joachim Schumann lebt in der „alten Schule“ – inmitten von Recherschiebern und einer großen Tafel.

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So wurde früher gerechnet: Joachim Schumann im ehemaligen Klassenzimmer der alten Schule. Dort hat er eine kleine Sammlung eingerichtet.

Quelle: wk

Gelldorf. Leben in einer Schule? Den einen oder anderen mag es bei diesem Gedanken gruseln. Sofort kommen Erinnerungen hoch – gute und weniger gute, von unbarmherzigen Lehrern und Schulhof-Schlägern. Es gibt wohl kaum jemanden, der aus seiner Schulzeit nicht eine oder zwei Macken davongetragen hat. Wer aber das Gebäude an der Hauptstraße zu Gesicht bekommt, versteht, warum jemand dort wohnen möchte. Ein schönes Backstein-Haus ohne große Verzierungen, mitten in einem grünen Garten. Direkt daneben liegt die „neue Schule“ (heute das „Dorfgemeinschaftshaus“), die 1911 eingeweiht wurde. Ein kleines Paradies, ohne großen Verkehr, mit Blick aufs Feld. Dort lässt es sich alt werden.

 Im Innern fühlt sich der Besucher wie in einer Zeitmaschine. Im ehemaligen Klassenzimmer steht eine lange Bank, darauf Bücher aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Eine alte Tafel und alte Karten fordern förmlich zum Lernen auf. „Die Entwicklung des Lebens“ beispielsweise zeigt die Entstehung der Arten. Komplettiert wird die Sammlung von alten Ranzen, Schreibutensilien, einem Rohrstock und – als Prunkstück – einem großen Rechenschieber. Den hat Schumann, genau wie den Schulschrank und anderes mehr, bei seinem Einzug im Jahr 1978 vorgefunden. „Die Graphitschreiber für die sogenannten ‚Siegfried-Tafeln‘ habe ich aus dem Garten“, erzählt der Rentner und schmunzelt. Warum er diese kleine Sammlung angelegt hat? Schumann schweigt einen Augenblick: „Ich möchte, dass diese alten Dinge erhalten bleiben“, sagt er dann. Und weiter: „Man sollte nicht alles sofort wegzuschmeißen, sondern diese Dinge mehr wertschätzen.“

 Schon bei seinem Einzug im Jahr 1978 hat sich Schumann deshalb bemüht, möglichst viel in seinem originalen Zustand zu belassen. Noch heute kann man deshalb vieles besichtigen: die alte Holztreppe beispielsweise oder die Eingangstür mit ihren Verzierungen. „Es kommen immer wieder Leute, die hier früher selbst zur Schule gegangen sind und die die alte Schule von innen sehen möchten“, erzählt Schumann. Erst vor Kurzem war die Tochter eines Lehrers hier, die sehen wollte, wo ihr Vater unterrichtet hatte. Schumann erinnert sich gerne an diese Begegnung. „Bei uns ist jeder willkommen, der etwas über die Geschichte der Schule wissen will. Gerade auch, wenn es Kinder sind, die diese Zeit gar nicht selbst erlebt haben und denen man so etwas mitgeben kann.“

 Schumann selbst ist bis zur siebten Klasse in Gelldorf zur Schule gegangen. Als es 1963 eine Schulreform gab, musste er, wie viele andere, nach Obernkirchen zur Ochsenbruchschule. „Das war nicht ganz so schön“, erinnert sich Schumann an diese Zeit. Allerdings: „Ich habe mich schnell eingelebt.“ 1972 gingen dann im – ehemals selbstständigen Gelldorf – endgültig die Lichter aus: Die Volksschule wurde dichtgemacht. Seit dem 18. Jahrhundert hatte es dort eine Schule gegeben – damit war es vorbei. mig

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