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„Mutti, ich hab’s doch drei Mal erklärt!“

Obernkirchen / Computerkurs „Mutti, ich hab’s doch drei Mal erklärt!“

„Mutti – Ich hab’s Dir doch schon drei Mal erklärt!“, rief der Sohn und verdrehte die Augen, ehe ihm gleich darauf der Geduldsfaden riss. Situationen wie diese erleben viele Seniorinnen und Senioren, wenn ihnen die Kinder die Arbeit am Computer erklären sollen. Einer, der’s wissen muss, ist Hermann Beck. Der 67-Jährige bringt Älteren im Auftrag des Sozialverbands (SoVD) der Bergstadt seit acht Jahren das Einmaleins des Rechenknechts bei. Aktuell läuft in den Räumen der BKK24 die elfte Staffel, bestehend aus 22 Einführungskursen.

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Dozent Herman Beck (rechts) zeigt Robert Rammelsberg (Mitte) und Dieter Schmidt im künftigen Raum des Computerclubs an der Rintelner Straße Kniffe bei der Arbeit mit dem Klapprechner.

Quelle: tw

Obernkirchen. Dozent Beck, auf der Schwäbischen Alb im Baden-Württembergischen geboren und bereits seit 1969 in Obernkirchen zu Hause, ist selbst Autodidakt. „Ich kam damals als Berufssoldat in die Bergstadt, habe die Computerei seit den frühen 80er-Jahren und somit von der Pike auf kennen gelernt“, sagt der Pensionär. Was ihn für die Arbeit als Dozent noch mehr als seine Erfahrung qualifiziert, das drückt Robert Rammelsberg so aus: „Herr Beck“, sagt der SoVD-Chef, „bringt die nötige Ruhe mit“. Damit sind Seniorinnen und Senioren vor Situationen wie „Mutti – Ich hab’s Dir doch …“ gefeit. Dafür sind dem Dozenten viele Teilnehmer seiner Kurse dankbar.

 Rammelsberg, dessen erste Begegnung mit einem Rechner aus dem Jahre 1988 stammt, weiß: „Für das Gros der Älteren ist jedes neue Programm ein Schock, bedeutet es doch das wieder Fremdwerden des mühsam Anvertrauten.“ Dennoch führt an dem lebenslangen Lernen, gerade was Computer betrifft, kein Weg vorbei; es sei denn, man nimmt bewusst in Kauf, für E-Mail, SMS, What’s Up & Co. unerreichbar zu sein und so ins gesellschaftliche Abseits zu geraten.

 Doch dass Senioren mit diesen „neuen“ Kommunikationsmitteln überhaupt umgehen können, setzt voraus, dass sie einen Rechner zumindest im Grundsatz bedienen können. Dafür sorgen die Beckschen SoVD-Kurse in Kleingruppen von bis zu 15 Personen. „Die Teilnehmer“, sagt der Dozent, „sind im Schnitt zwischen 65 und 75 Jahre alt. Die älteste Teilnehmerin, die ich mal hatte, zählte 82 Lenze.“

 Ihnen allen nimmt Beck in seinen Einführungskursen zunächst die Angst. Etwa vor der Tastatur, die viel eher klickt, als es die Älteren von der Schreibmaschine her gewohnt sind; vor der Maus, deren Handhabung „vor allem Frauen fürchten“, wie der Dozent weiß; und vor den vielen, verunsichernden Meldungen, die da plötzlich auf dem Bildschirm auftauchen können – „99 Prozent von denen kann man getrost vergessen“, beruhigt Beck.

 Ist die Angst weg, lernen die Senioren im Einführungskursus den Umgang mit einem Microsoft-Schreibprogramm (MS Word). Der Dozent: „Sie schreiben, formatieren und speichern einen Brief, drucken ihn anschließend aus.“ Er legt ein Hauptaugenmerk auf das besagte Speichern, dass Vielen mindestens ebenso viele Probleme bereitet wie das spätere Wiederfinden des Geschriebenen. „Ich sage dann immer: Stellen Sie sich beim Speichern einen (Speicher-)Baum vor – das macht es einfacher.“ Senioren, die ihren Brief am Ende ausgedruckt in den Händen halten, haben das Klassenziel erreicht. „Und erreicht hat es noch jeder“, erklärt Beck.

 Seinen Eleven bietet er acht Wochen nach dem Einführungs- einen Aufbaukursus „Internet und Bildbearbeitung“ an. Dann geht’s um die technischen Voraussetzungen, die zu Hause für einen Internetanschluss vorliegen müssen; um die Sicherheit im Netz (Antivirenprogramme und Firewalls) und um Adressen, deren Anklicken man tunlichst vermeiden sollte; um das Einrichten und Eröffnen eines E-Mail-Kontos und das Schreiben von Elektropostings. „Außerdem“, so der Dozent, „zeige ich den Teilnehmern, wie sie Urlaubsfotos von der Kamera auf den Computer bekommen und über Skype mit ihren Kindern telefonieren können.“ Beides ist nämlich bei Älteren sehr gefragt. Diejenigen Senioren, die beim Aufbaukursus mitmachen, sind meist dieselben, die schon an der Einführung teilgenommen haben; aber auch der Neueinstieg ist in der Regel möglich.

 Beck weiß indes, dass nach dem ersten und/oder dem zweiten Kursus immer wieder Fragen auftauchen. „Um diesen Fragenden ein Forum zu geben, werden wir ab Frühjahr 2014 innerhalb des SoVD einen Computerclub gründen“, blickt Rammelsberg voraus. Die Treffen, an denen auch Beck teilnimmt, sollen alle vier Wochen im Haus Rintelner Straße 40 stattfinden und eineinhalb bis zwei Stunden dauern. „Der Raum“, freut sich SoVD-Vizechef Dieter Schmidt, „liegt im Erdgeschoss und wird in Kürze komplett barrierefrei sein“. Ein Gast-WLAN hat der SoVD bereits beschafft. Wer an den Treffen des Computerclubs teilnimmt, sollte Mitglied im Sozialverband sein; zusätzlich ist ein – geringer – Unkostenbeitrag zu zahlen. Eines der Themen soll später auch die Bedienung des Smartphones werden.

 Senioren, die auch nach Einführungs- und Aufbaukursus sowie Computerclub noch ungelöste Probleme mit dem Rechner haben, denen verrät Beck das definitiv letzte Mittel aus seiner Trickkiste: „Ich sage dann immer: Behandeln Sie Ihren Computer wie ein renitentes Enkelkind. Wenn er nicht spurt, zeigen sie ihm, wer der Herr über den Strom ist. Schalten Sie ihn einfach aus – und starten Sie neu durch.“ Das nämlich funktioniert fast immer.

Merke: Der erste der beiden Einführungskurse begann am Donnerstag, dem 10. Oktober, bei der BKK24; er umfasst 28 volle Unterrichtsstunden und findet für die Dauer von acht Wochen fortan donnerstags von 10 bis 14.30 Uhr respektive bis 15 Uhr statt; dazwischen liegt eine Stunde Mittagspause. Für den zweiten Einführungskursus gilt dasselbe – mit dem Unterschied, dass er erst am Dienstag, dem 15. Oktober, anfängt und dann dienstags läuft.

 Für jeden der Kurse zahlen Mitglieder 85 Euro, Nichtmitglieder 95 Euro. Achtung: In beiden Kursen sind aktuell noch maximal zwei Plätze frei. Anmeldung: Hermann Beck, Tel. (05724) 7756. Tipp: Wer selbst bereits einen Klapprechner – einen Labtop – hat, sollte ihn mitbringen; dann kann er gleich am eigenen Gerät lernen und hat’s noch leichter. tw

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