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Vehlener Dorferneuerung zieht Bilanz Neuer alter Glanz

Kaum eine Ortschaft hat so vom Programm zur Dorfneuerung profitiert wie Vehlen. Bis dato sind 600.000 Euro an privater Förderung abgerufen worden.

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„Es muss etwas geschehen“

Bürgermeister Oliver Schäfer (Zweiter von links) erhält die Bewilligungsbescheide aus den Händen von Norbert Lütke (Mitte) vom Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser und einem weiteren Vertreter des Amtes. Ganz rechts: Volker Wehmeyer (Architekturbüro Wehmeyer), ganz links: Gerhard Wiemann vom Arbeitskreis Dorferneuerung Vehlen.

Quelle: mig

Vehlen. Laut Norbert Lütke vom „Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser“ ist das ein „gigantischer Umsatz“.

Wie wird, wie soll unser Dorf in 20 oder 30 Jahren aussehen? Diese Frage stand am Anfang der Pläne zur Dorferneuerung Vehlen. Immer mehr Landwirte gaben ihren Hof auf, von Zuwanderung war kaum die Rede. Eine Idee musste her, ein Plan. Den ersten Schritt auf dem Weg zur Dorferneuerung machte der gleichnamige Arbeitskreis, der ein ganzes Projekt-Paket vorstellte. Ziel war es, mithilfe von Fördertöpfen den Strukturwandel „auf dem Land“ abzufedern und dem demografischen Wandel zu begegnen. Gut, dass just zu dieser Zeit das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung Gelder auslobte: für die „Umnutzung leer stehender Bausubstanz“ und die „Revitalisierung der Ortskerne“. Ziel sei die Erhaltung der „dorftypischen Funktionsvielfalt“ , hieß es von offizieller Seite.

Oliver Schäfer, der Bürgermeister der Stadt Obernkirchen, fasst das Konzept so zusammen: „Es ging und es geht darum, Orte zu entwickeln, die sich nicht im Speckgürtel einer großen Stadt befinden und ihre Attraktivität zu erhöhen.“ Diese Orte, so Schäfer weiter, sollten für alle ihre Einwohner lebenswerter gemacht werden. „Und genau das ist hier in Vehlen auf eine beeindruckende Weise geschehen.“

Tatsächlich fällt das Fazit – nach sieben Jahren Förderung – rundum positiv aus. Von einem „Erfolgsmodell“ ist die Rede und von „höchst engagierten Bürgern.“ In Vehlen hat sich laut Architekt Volker Wehmeyer „viel getan“. „Man darf nicht vergessen, dass die Bürger selbst viel Geld investiert haben, um die Förderung zu bekommen. Man kann die Fördersumme sicher mal fünf nehmen, wir reden hier also von mehr rund drei Millionen Euro.“

Wer die Förderung für eine Fassade bekommen hätte, der hätte oft auch den Rest des Hauses „machen lassen“, weiß Wehmeyer. Und sieht darin ein Bekenntnis zur Heimat: „Als ob die Bürger gesagt hätten: Vehlen hat eine Zukunft, in die wir investieren.“

 

Förderung zielt nicht nur auf Kosmetik

Das sieht Norbert Lütke vom Amt für Landesentwicklung ähnlich. Allein in Vehlen habe man 597000 Euro Umsatz an privater Förderung einsammeln können. Das sei ein „gigantischer Umsatz“, so Lütke. Und er betont: „Für Vehlen ist das ein großer Gewinn.“ Was all das Geld bewirkt hat, zeigt schon eine Fahrt durch die Ortschaft, findet Lütke. „Es ist unglaublich, wie sich Vehlen in den letzten Jahren verändert hat.“ Das Dorf habe sich „richtig rausgeputzt und strahlt jetzt in einem neuen, alten Glanz“.

Wobei die Förderung keineswegs nur auf „Kosmetik“ oder „einen neuen Anstrich“ zielt. Lütke ist vor allem wichtig, dass die Bürger „wirtschaftlich autark“ sind, dass „hier Wertschöpfung stattfindet“, denn: „Wo Arbeitsplätze sind, da bleiben die Menschen wohnen.“ In Vehlen sei das schon gelungen – etwa durch Umnutzung oder neue Geschäftsideen.

Und weil die Bürger „weiterhin sehr aktiv sind“ wird das Ende der Förderperiode einfach um ein Jahr nach hinten verschoben (von 2017 auf 2018). Dadurch hätten die Bürger mehr Zeit, um neue Förderanträge zu stellen, sagt Lütke.

 Allerdings: Sinnvoll und nachhaltig sollten sie schon sein. Oder, wie es Wehmeyer ausdrückt: „Am besten sind sie ein Landwirt, verfügen über ein Gebäude, das vor 45 gebaut wurde, und planen eine langfristige, intensive Nutzung, dann ist das schon mal die halbe Miete.“ Davon, die Pflasterung eines Hofes zu fördern, wie teilweise bei der Dorferneuerung 1985 geschehen, sei man längst abgekommen. Lütke fasst die Voraussetzungen so zusammen: „Entscheidend ist, dass durch die Förderung neue Erwerbsmöglichkeiten gebildet werden“, sagt der Landesbeamte. „Wer eine gute Idee hat, sollte sich an die Verwaltung wenden, dort wird ihm schnell und unkompliziert geholfen.“

Insgesamt sind zwei Millionen Euro Förderung in die Dorferneuerung geflossen – 1204932 Euro für öffentliche Anträge, 597687 Euro für private. Zuschüsse gab es beispielsweise für die Sanierung eines Reetdachs, die Sanierung und Umnutzung der Alten Gaststätte, für die Entfernung des Buswartehäuschens, sowie die Restaurierung des Ehrenmals.

 

 Lob für die Verwaltung

Aktuell sind es sechs Projekte, die jetzt eine Bewilligung bekommen haben: die Sanierung Feuerwehrgerätehaus, die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses, die Erneuerung der Straße Weidkamp und die Neugestaltung der Parkstraße, der Straße Zum Felde und der Ortsmitte Vehlen. Dort geht es beispielsweise um die Gestaltung von Vorplätzen, die Straßen werden gepflastert und bekommen andere Lampen. „Der Charakter der Straßen soll einem dörflichem angepasst werden“, gab Schäfer zu verstehen. Ebenfalls in Planung sind Tempo-30-Zonen. Zum Thema Dorfgemeinschaftshaus äußert sich Schäfer so: „Die weitere Nutzung war noch vor Jahren unklar, mittlerweile wird das Haus intensiv genutzt.“ Dem Haus sei durch diese „Nutzung“ eine Zukunft gegeben worden.

 Ein Lob an die Verwaltung hielt Lütke parat. Dort sei in einem „super Tempo gearbeitet worden“. Und: „Wenn alle Verwaltungen so arbeiten würden, würde sich einiges schneller ändern.“ Die Projekte seien „in sehr kurzer Zeit“ auf die Beine gestellt worden, so Schäfer. „Normalerweise braucht es dafür mehr Vorlauf.“

Für die Zukunft wünscht sich der Bürgermeister eine „Verstetigung“ der Dorferneuerung, etwa durch regelmäßige Treffen. „Ich werde demnächst den Arbeitskreis einladen. Und dann werden wir sicher darüber sprechen.“ So eine Ideenschmiede könnte helfen, die Entwicklung des Ortes im Blick zu halten.

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