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Radfahrprüfung an der Grundschule

Rehren Radfahrprüfung an der Grundschule

Sebastian Böger ist Verkehrsobmann der Grundschule Rehren, gemeinsam mit der Polizeidienststelle Rehren wird einmal im Jahr die praktische Radfahrprüfung absolviert. Das scheint auch geboten, denn die Zahl der Verkehrsunfälle mit einem Fahrrad hat im vergangenen Jahr im Landkreis deutlich zugenommen.

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Rehren. Waren es 2010 noch 148 Unfälle, so stieg diese Zahl bis 2014 auf 1812, 13 Menschen wurde dabei schwer verletzt. Unter sechs Jahre alt waren 2014 drei Verkehrsteilnehmer, die bei einem Unfall mit dem Rad beteiligt waren, in den vier Jahren zuvor waren es insgesamt vier Kinder. Schwer verletzt wurde dabei kein Kind.

Bei den an Fahrrad-Unfällen Beteiligten im Alter von sechs bis 14 Jahren wurden im vergangenen Jahr 31 notiert, nach 32 im Jahr 2013, dem Höchststand der zurückliegenden fünf Jahre. Und auch bei den Unfallzahlen für die Teenager von 15 bis 17 Jahre gibt es eine Steigerung: von 15 im Jahr 2010 auf 21 im Jahr 2014.

Langfristig betrachtet verlieren immer weniger Kinder ihr Leben im Straßenverkehr. Wurden in den fünfziger Jahren noch mehr als 1000 getötete Kinder pro Jahr in Deutschland gezählt, sank diese Zahl in den Neunzigern auf unter 500 und liegt seit einigen Jahren unter 100.

Kinder auf dem Schulweg und am Nachmittag sind besonders gefährdet. Bei den Sechs- bis 14-Jährigen, die im Straßenverkehr auf dem Fahrrad oder als Fußgänger verunglückten, ergeben sich im Tagesverlauf zu bestimmten Uhrzeiten klare Häufungen: So verunglückten in den vergangenen Jahren die meisten Kinder in den Zeiten, in denen sie sich normalerweise auf dem Schulweg befinden. Gemessen an den Verunglückten des gesamten Tages wurden 14,9 Prozent der Kinder morgens zwischen 7 und 8 Uhr und 11,1 Prozent zwischen 13 und 14 Uhr verletzt oder getötet. Auch in ihrer Freizeit am Nachmittag sind Kinder stärker gefährdet. 34,9 Prozent der verunglückten Kinder kamen zwischen 15 und 18 Uhr zu Schaden.

Zurück nach Rehren. Die Fahrräder der Kinder der Grundschule sind zu einem großen und überwiegenden Teil in einem Top-Zustand. Reflektierende Reifen, Rücklichter, die auch dann nicht ausgehen, wenn der Fahrer stehen bleibt und sehr helles Licht – Polizeioberkommissar Ralf Ebeling und Kriminalhauptkommissar Andreas Wichmann lassen das geschulte Auge mit Wohlgefallen über die Räder schweifen, alles gut.

Ebeling und Wichmann ziehen später ein differenziertes Fazit der Fahrradprüfung: Der Vormittag sei gut gelaufen, und die Kinder seien relativ sicher auf den Rädern unterwegs. Aber dort, wo es knifflig werde – beispielsweise an den Einmündungen auf die Steinbeeke – da seien sie vergleichsweise unsicher.

Verkehrsobmann Böger freut sich über die sehr hohe Elternbeteiligung, denn ohne sie wäre so eine Aktion nicht durchführbar: „Es wird aber grundsätzlich von Jahr zu Jahr schwieriger, Helfer zu finden, da in den meisten Familien beide Elternteile berufstätig sind.“ Umso mehr wisse es die Schule zu schätzen, dass sich viele Eltern dafür extra einen Tag Urlaub genommen haben.

Der gute Zustand der Räder ist auch Böger aufgefallen, aber überrascht war er nicht. „Die Eltern haben frühzeitig einen Info-Brief bekommen, in dem auch auf das verkehrstüchtige Fahrrad hingewiesen wurde – mit einer exakten Checkliste, was denn dazugehört.“ Diese hätten die Eltern sehr ernst genommen und die Räder auf Vordermann gebracht. Davon abgesehen, so Böger weiter, „haben wir aber auch beobachtet, dass viele Kinder ein oft modernes und gut ausgerüstetes Rad bekommen, das aber auch in zunehmend mehr Familien mehr steht als bewegt wird und deshalb auch weniger kaputt geht“. Auch ließen sich die Kinder von den Eltern mit dem Auto chauffieren. Insgesamt, so Böger, habe das Fahrrad an Stellenwert eingebüßt. Heute sei es mehr ein Statussymbol, das man eben habe und besitze, weil es dazugehöre – und ab und zu komme es zum Einsatz. Zudem werde die Freizeit heutzutage leider zunehmend im geschlossenen Raum verbracht, meint Böger: mit Fernsehen, DVD, Playstation, Nintendo, Wii, Tablet, und Handy. Deshalb fehle es den Kindern beim Fahrradfahren an Praxis.

„Diejenigen Kinder, die regelmäßig fahren oder dies sogar sportlich betreiben, fallen deshalb umso deutlicher positiv auf.“ Die Schere gehe, wie im schulischen Leistungsbereich, auch im körperlich Sportlichen immer weiter auseinander. „Körperbeherrschung ist nun mal etwas, das etwas mit Übung zu tun hat. Diese fehlt zunehmend mehr Kindern, was auch im Sportunterricht zu beobachten ist.“ Böger, Jahrgang 1972, sieht es so: „Wir befinden uns in einer Generation, die sich erst noch finden muss, was den Umgang mit elektronischen Medien angeht. Und wie bei allem Neuen wird es anfangs exzessiv ausprobiert und teilweise übertrieben, bis sich irgendwann ein Normalmaß einstellt. Ich hoffe zumindest darauf.“rnk Polizeioberkommissar Ralf Ebeling und Kriminalhauptkommissar Andreas Wichmann haben am Zustand der Räder nichts zu meckern. Sie sind meistens besser ausgerüstet, als es der Gesetzgeber vorschreibt. rnk

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