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Zwischen Hoffen und Bangen

ITT Bornemann Zwischen Hoffen und Bangen

Inzwischen ist wahr geworden, was viele befürchtet haben: Der in Gelldorf ansässige Pumpenhersteller ITT Bornemann baut 120 Arbeitsplätze ab. Der Schaumburger Landrat, der Bürgermeister der Stadt Obernkirchen und der Gelldorfer Ortsbürgermeister bewerten die Situation unterschiedlich.

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Als einen ganz harten Einschnitt bezeichnet der Schaumburger Landrat Jörg Farr den von dem Pumpenhersteller ITT Bornemann vorgenommenen Personalabbau.

Quelle: wk

Gelldorf. Der Betriebsrat konnte dem Unternehmen in harten Verhandlungen mehrere Zugeständnisse abringen: höhere Abfindungen für die betriebsbedingt gekündigten Mitarbeiter, die Gründung einer Transfergesellschaft, in die diese Mitarbeiter (als Alternative zur Abfindung) für bis zu zwölf Monate wechseln können, sowie – für die verbleibende Belegschaft – eine Beschäftigungs- und Standortsicherung für zwei Jahre.

Auswirkung auf Kaufkraft

Dennoch: Die aktuellen Entwicklungen bei Bornemann und die Verhandlungsergebnisse zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat haben somit auch Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt, die kommunalen Steuereinnahmen und die Kaufkraft innerhalb Schaumburgs.

„Ich habe in den vergangenen Jahren, gerade auch in der kritischen Phase der letzten Monate, regelmäßig Kontakt zum Unternehmen gehabt, sowohl zur Geschäftsführung als auch zum Betriebsrat“, kommentiert Landrat Jörg Farr den Stellenabbau. „Von daher war mir die schwierige Situation bekannt.“

"Ein harter Einschnitt"

Insbesondere der weltweit fehlende Absatz der in Gelldorf produzierten Spezialpumpen habe demnach „zur schwachen Auslastung in der Produktion“ von ITT Bornemann geführt. Dabei habe die Vermarktung in den vergangenen Jahren offensichtlich „sehr stark unter dem niedrigen Ölpreis gelitten“. Eine Situation, in der kaum jemand in neue Ölfördertechnik investiere. „Der Abbau von 120 Mitarbeitern ist natürlich ein harter Einschnitt“, resümiert Farr.

„Ich hoffe, dass bei der derzeit guten konjunkturellen Lage viele schnell wieder in Beschäftigung kommen.“ Künftig werde es, bezogen auf ITT Bornemann, darum gehen, weltweit wieder eine Perspektive für die „technisch hervorragenden Produkte“ dieses Unternehmens zu bekommen, so Farr.

Dabei sei die Rolle des Betriebsrates, der auch mit externer Unterstützung seinerseits Optimierungsmöglichkeiten finden wolle, positiv zu bewerten. Die vom Konzern für zwei Jahre zugesagte Beschäftigungs- und Standortsicherung ermögliche auch, so der Landrat, „diese hoffentlich vorübergehende Absatzflaute“ zu überbrücken.

Druck auf Erneuerungen wächst

„Bei niedrigen Ölpreisen können Investitionen in den Erdöl fördernden Ländern zwar verschoben werden, aber der Druck auf Erneuerungen wächst“, so Farr. In einer Situation anziehender Exporte verfüge Bornemann dann mit seinen „gut ausgebildeten, hoch motivierten Mitarbeitern und anerkanntermaßen hochwertigen Produkten“ über gute Marktchancen.

Dass ITT Bornemann in Gelldorf 120 „werthaltige Jobs“ streicht, findet auch Obernkirchens Bürgermeister Oliver Schäfer bedauerlich. Dennoch bewertet er das vom Betriebsrat erzielte Verhandlungsergebnis als „sehr gut“. Denn immerhin habe das Unternehmen Zugeständnisse gemacht. Und dabei habe der Konzern sogar in eine – im deutschen Arbeitsrecht verankerte – Fördermaßnahme (Transfergesellschaft) eingewilligt, die nach US-Standard weder üblich noch anerkannt sei.

Orakeln will Schäfer nicht

Als „positives Signal“ wertet das Stadtoberhaupt ebenfalls die von dem Gelldorfer Pumpenhersteller für zwei Jahre gegebene Beschäftigungs- und Standortgarantie. „Orakeln“, wie es möglicherweise nach dieser Zeit bei diesem Unternehmen weitergehen wird, will er aber nicht. Daher merkt er dazu lediglich an, dass die zukünftige Entwicklung des Unternehmens von der Erdölindustrie abhänge.

Kritischer ist da Andreas Hofmann, Ortsbürgermeister in Gelldorf: „Das, was mir bei dieser Lösung fehlt, ist die Perspektive für die Belegschaft.“ Denn die Frage sei doch, welches Konzept ITT Bornemann hinsichtlich der unternehmerischen Ausrichtung für die Zukunft habe.

Know-how geht verloren

Zumal mit der Reduzierung des Personals auch das Know-how und die Berufserfahrung der von dem Stellenabbau betroffenen Mitarbeiter verloren gingen. Und es könne ja nicht sein, dass das Unternehmen nun so weitermacht, als wäre nichts geschehen. Dass er zu diesem Thema bislang nichts gehört hat, kommentiert Hofmann so: „Das macht mir Sorgen.“ Demgegenüber habe der Betriebsrat aber „sicherlich mehr erreicht, als er anfangs befürchtet hat“. Und davor könne man nur den Hut ziehen.

Von ITT Bornemann betriebsbedingt gekündigt worden sind nach Auskunft des Betriebsrates 60 Mitarbeiter, während die anderen 60, deren Stellen ebenfalls abgebaut werden, einen ihnen angebotenen Aufhebungsvertrag angenommen haben. So ergeben sich die 120 Arbeitsplätze, die der Pumpenhersteller in Gelldorf streicht. wk

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