Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
1000 Euro Schaden und mehr – in einer einzigen Nacht

Obernkirchen / Wildschweine 1000 Euro Schaden und mehr – in einer einzigen Nacht

Seit mehr als 40 Jahren ist Heinz-Günter Möller bereits Jagdpächter in Vehlen. Eine lange Zeit, aber nächstes Jahr ist Schluss. Ein Grund dafür sind die Wildschweine, die sich immer stärker in der Region ausbreiten. „Der Bestand ist einfach nicht mehr kontrollierbar.“

Voriger Artikel
Unfallflucht am Aldi-Markt
Nächster Artikel
Kupfernägel – und das Ganze hält Jahrzehnte

Dieses Bild wurde im Juni unweit der Eilsener Straße mit einer Nachtsicht-Kamera aufgenommen. © jaj/pr.

Obernkirchen (jaj). Zur Bestätigung seiner Worte legt er Schwarz-Weiß-Fotos auf den Tisch. Diese wurden im Juli nachts mit einer Nachtsicht-Kamera aufgenommen. Der Standort der Kamera war nicht etwa ein dichter Wald, sondern eine Baumgruppe nahe der Eilsener Straße – nur wenige Hundert Meter von den ersten Wohnhäusern entfernt.

Auf manchen der Fotos sind gleich mehrere Rotten, bestehend aus einer Bache und ihrem Nachwuchs, zu sehen. Ein Bild zeigt sogar 18 Frischlinge auf einmal. Möller schüttelt beim Anblick dieser Bilder den Kopf. „Dagegen kommt man überhaupt nicht mehr an.“

Viele Grundstücksbesitzer haben in den vergangenen Jahren schon Besuch von den Wildschweinen bekommen. Ganze Gärten wurden umgepflügt, kleine Ernten vernichtet. Was für den einzelnen Grundstücksbesitzer vor allem ärgerlich ist, kann für den Jagdpächter richtig teuer werden. Dann nämlich, wenn das Schwarzwild auf Flächen wütet, die landwirtschaftlich genutzt werden.

„Wir müssen für Wildschäden aufkommen“, erklärt der Röhrkastener Jäger und Landwirt Heinrich Struckmeier. Er ist Jagdpächter der Jagd Ahnsen-Bergdorf, und auch dort werden immer wieder Wildschweine gesehen. Pflügen die Tiere nachts während ihrer Futtersuche ein Feld um, sodass der Landwirt dort Ernteausfälle hat, muss der Jagdpächter ihm den verursachten Schaden ersetzen. Und der kann in einer einzigen Nacht schnell bei 1000 Euro oder sogar mehr liegen. „Wir haben Gott sei Dank verständnisvolle Landwirte, dadurch hält es sich noch in Grenzen“, sagt er. „Aber die Schäden nehmen zu.“

Dabei habe es noch vor zehn Jahren weder in Vehlen, noch in Gelldorf, Ahnsen oder Obernkirchen Wildschweine gegeben. „Nur im Schaumburger Wald und auf dem Bückeberg lebten welche“, erinnert sich Möller. Das kann Struckmeier bestätigen. „Bis vor fünf Jahren gab es das Schwarzwild noch nicht einmal im Harrl“, fügt er hinzu.

Grund für die starke Ausbreitung der Tiere ist das gute Nahrungsangebot, das sie vorfinden. „Die leben ja mittlerweile fast wie Hausschweine“, sagt Möller. Da gebe es die vielen Maisfelder, die für das Schwarzwild Speisekammer und Wohnzimmer zugleich sind. „Als der ganze Mais kam, ist die Zahl der Wildschweine explosionsartig angestiegen“, hat Möller beobachtet. Doch auch wenn der Mais abgeerntet ist, sei das Nahrungsangebot noch gut. „Die Eichen und Buchen im Wald hängen wieder voller Früchte, da wird es den Wildschweinen auch in diesem Winter gut gehen“, vermutet er.

Die Zahl der Wildschweine durch die herkömmliche Jagd zu dezimieren, sei schwierig, zumal sie nachtaktiv sind. „Die Tiere sind unglaublich schlau“, sagt Struckmeier. Wenn der Mond nicht scheint, seien sie durch ihre dunkle Farbe hervorragend getarnt. „Sie zählen ja nicht umsonst zum Schwarzwild“, bemerkt er. Nicht nur einmal haben die Tiere ihn dabei schon fast zur Verzweiflung gebracht. „Ich habe sie gehört und gerochen, aber einfach nicht gesehen“, beschreibt er.

In mondhellen Nächten, in denen der Jäger die Wildschweine sehen könnte, blieben die Tiere hingegen im Mondschatten, sodass sie wieder nicht zu erkennen sind.
Eine andere Beobachtung hat der Vehlener Jäger Möller gemacht. „Es gibt eine Stelle, da sind die Schweine eigentlich jeden Abend. Nur wenn ich da sitze, dann kommen sie nicht.“ Viele Nächte haben sich die beiden in diesem Jahr schon um die Ohren geschlagen, um die Zahl der Wildschweine zu verringern – mit mäßigem Erfolg. In der Vehlener Jagd konnte in diesem Jahr noch kein einziges Tier geschossen werden, in Ahnsen-Bergdorf waren es immerhin sechs.

Nicht genug, um der Situation Herr zu werden. Zumal die Zahl der Wildschweine weiter wächst. „Mittlerweile frischen sie zweimal im Jahr und nicht – wie früher – nur einmal“, erzählt Struckmeier. Da die weiblichen Jungtiere schon im ersten Lebensjahr geschlechtsreif werden und pro Wurf problemlos zehn Jungtiere bekommen können, könnte sich die Zahl der in der Gegend heimischen Tiere schon im nächsten Jahr vervielfacht haben. Und damit würden auch die verursachten Schäden auf Privatgrundstücken und landwirtschaftlichen Flächen zunehmen.

Um das zu verhindern, planen Heinrich Struckmeier, Heinz-Günter Möller und der Obernkirchener Jagdpächter Frank Linke eine gemeinsame Drückjagd. Dabei werden rund 25 Jäger an den Feldern der drei Jagden verteilt. „Wo es nötig ist, werden Anhänger aufgestellt, damit die Jäger von oben nach unten schießen können“, sagt Möller.

Ein paar Treiber und frei stöbernde Jagdhunde versuchen dann, die Wildschweine aus der Deckung des Maises herauszutreiben. Um keine Passanten zu stören, werden die Feldwege abgesperrt, zudem wird auch die Polizei über die Drückjagd informiert sein. „Wir hoffen, die Schäden dadurch zumindest einigermaßen eindämmen zu können“, erklärt Struckmeier.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Eine gute Tradition findet regelmäßig ihre Fortsetzung – die „Aktion Weihnachtshilfe“. In der Vorweihnachtszeit rufen die Schaumburger Nachrichten unter dem Motto „Schaumburger helfen Schaumburgern“ jedes Jahr zu Spenden für bedürftige Menschen im Landkreis auf. mehr

Schaumburg