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19 Stolpersteine geplant

Gedenken an jüdische Familien 19 Stolpersteine geplant

Wer die kleinen Buchstaben auf der goldenen Oberfläche lesen will, muss genau hinschauen, sich verbeugen: vor den Opfern des NS-Terrors der Jahre zwischen 1933 und 1945.

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„Wir wollen eine breite Bewegung anstoßen“, erklärt Christoph von Abendroth seinen Zuhörern.

Quelle: mig

Obernkirchen. Mehr als 50000 Stolpersteine sind verlegt worden – in Deutschland und Europa. Am 1. Juli soll sich Obernkirchen in dieses „Netzwerk“ einreihen. Dann sollen 19 Stolpersteine an das Schicksal von fünf jüdischen Familien sowie das ehemalige Kaufhaus der Lions in der Friedrich-Ebert-Straße erinnern.

 Wenn man von Gelldorf nach Obernkirchen hineinfährt, grüßt einen schon von weitem das Sandsteindenkmal, das in der Mitte des Kreisels Lange Straße/Kalte Weide steht. Bei genauerer Betrachtung ist ein vager menschlicher Umriss zu sehen, der aus dem Stein herausgehauen ist. In der Mitte ist eine Leerstelle. Hier fehlt etwas, sagt das Denkmal. Dass es an der Zeit ist, diese Leerstelle zu füllen, finden auch die Mitglieder einer Initiativgruppe, die sich für das Verlegen der Stolpersteine einsetzt.

 „Wir wollen eine Wiederbelebung der Aktionen, die es vor acht bis zehn Jahren schon einmal gegeben hat; wir wollen eine breite Bewegung anstoßen“, sagte Christoph von Abendroth im Gemeindezentrum Rote Schule. Dort referierten Wilfried Bartels, Sybille Schlusche, Werner Hobein, Christoph von Abendroth, sowie als Gast, Günter Schlusche, über das Projekt Stolpersteine. Über das jüdische Leben in Obernkirchen und konkret über die fünf Familien, denen ein Stein gewidmet werden soll.

 Eine Einführung gab der Initiator des Projektes, Christoph von Abendroth. Er berichtete den rund 100 Zuhörern, wie die Stolpersteine auf den Weg gebracht wurden: Von der Zusage des Künstlers Gunter Demnig (der die Steine am 1. Juli verlegen wird) bis hin zur Beschlussfassung im Rat. Die Gespräche mit den Eigentümern der Häuser, in denen ehemalige jüdische Mitbürger ihre letzte freiwillige Wohnadresse hatten, erbrachten ein erfreuliches Resultat: Laut von Abendroth hat keiner der Eigentümer Bedenken geäußert, im Gegenteil habe teils große Freude geherrscht: „Stolpersteine bei uns, das ist ja wunderbar‘“, erinnerte sich von Abendroth an die Gespräche. In der Folge – „mit dieser Sicherheit im Rücken“ – entstand eine Initiativgruppe, die aus Sybille Schlusche, Wilfried Bartels, Werner Hobein und Christoph von Abendroth besteht. In dieser Gruppe habe dann schnell Einigkeit bestanden, „dass die Verlegung von einer breiten Öffentlichkeit getragen werden muss.“ Entsprechend habe die „einmütige Aufnahme“ im Rat für große Freude gesorgt.

 In einem Grußwort bekundete Bürgermeister Oliver Schäfer seine Freude über das Projekt. Der Rat habe schnell beschlossen, ein „Zeichen der Erinnerung zu setzen“ und sich vor allem mit einer Frage beschäftigt: Soll das Denkmal zentral oder dezentral sein? Hier sei man zu der Auffassung gelangt, dass – da die jüdischen Mitbürger in der ganzen Stadt verteilt gelebt hätten – ein dezentrales „Zeichen des Erinnerns, an der Stelle, wo sie das letzte Mal freiwillig gelebt haben“ besser wäre.

 Was die Verlegung eines Stolpersteins konkret bedeutet, war im Vortrag von Günter Schlusche zu erfahren. Etwa, dass die Steine am letzten selbst gewählten Wohnhäusern verlegt werden. Oder, dass sie für Menschen verlegt werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

 Die Kernidee Demnigs sei es, den NS-Opfern, die im KZ zur Nummer gemacht und vernichtet worden sind, ihre Würde wiederzugeben. „Das ist auch die Idee, die die Stolpersteine von anderen Denkmälern unterscheidet“, gab Schlusche zu verstehen.

 Mut machte auch die anschließende Diskussion. Die Zuhörer boten ihre Mithilfe an und hatten selbst Ideen. Etwa, die Aufschrift auf den Steinen durch einen QR-Code zu ergänzen, sodass der Betrachter im Internet mehr über die jeweilige Person erfahren könne. Von Michael Grundmeier

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