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Obernkirchen Stadt 99 Prozent fahren zu schnell
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21:32 07.12.2018
Der VW Golf einer 20-jährigen Obernkirchnerin prallte gegen einen Leitpfosten und ein Verkehrsschild. Quelle: leo
Krainhagen

Der VW Golf einer 20-jährigen Obernkirchnerin prallte gegen einen Leitpfosten und ein Verkehrsschild. Schließlich stürzte der Wagen ins Gleisbett. Zum Glück blieb die Frau unverletzt. Auf der Winternstraße in Höhe des Bahnübergangs hatten sich in der Vergangenheit bereits zahlreiche Unfälle ereignet. Deshalb haben die Behörden reagiert und ein Tempolimit angeordnet. Seit wenigen Wochen gilt auf der Winternstraße bergab eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern. Dennoch hat es dort nun erneut gekracht. Straßenverkehrsamt und Polizei wollen über neue Schritte beraten und über mögliche Tempokontrollen nachdenken – das teilte der Erste Kreisrat Klaus Heimann auf Nachfrage unserer Zeitung am Freitag mit.

Denn: Experten sind zu dem Schluss gekommen, dass die fehlende Griffigkeit des Asphaltbelages ein Grund für die Unfallhäufung sein könnte. „Die Winternstraße weist viele Schäden auf. Nicht nur bei Nässe kann es hier zu Unfällen kommen“, sagt Markus Brockmann, Leiter der zuständigen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln. Die Bodenhaftung sei durch die Straßenschäden enorm herabgesetzt.

Geplant war, die Deckschicht der Winternstraße ab 2020 abzufräsen, weil die Baumaßnahme nicht mit der Sanierung der Kreisstraße 11 zusammenfallen soll. Nach dem erneuten Verkehrsunfall will die Straßenbaubehörde prüfen, ob sich der Bereich am Bahnübergang schon im nächsten Jahr sanieren lässt. „Wir müssten dann die Baumaßnahme zusammen mit dem Neubau der Eilsener Straße ausschreiben“, erklärt Brockmann.

„Kinder haben Angst, weil sie im Dunkeln zum Bus gehen müssen“

Während am Donnerstag und Freitag Bauhof und Straßenmeisterei die Spuren des letzten Unfalls beseitigen, sind „die Unfallfolgen des vorherigen Unglücks noch nicht verdaut“, sagt Anwohner Reinhard Fries. Er wohnt an der Winternstraße in Sichtweite des Bahnübergangs. Ein Auto war ins Rutschen gekommen und gegen den Mast einer Laterne geprallt. „Der Unfall ist über einen Monat her – eine Ersatz-Laterne ist noch nicht aufgestellt worden“, ärgert sich Fries. Dabei leuchtet die Laterne einen Schulweg aus. „Kinder haben Angst, weil sie im Dunkeln zum Bus gehen müssen“, meint der Anwohner. Bauamtsleiter Norbert Eßmann verspricht auf Nachfrage unserer Zeitung, das Problem rasch zu beheben. „Das muss jetzt so schnell wie möglich gemacht werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, sagt Eßmann.

Fries findet es gut, dass die Straße saniert wird. „Das ist aber nicht genug“, meint er. Die fehlende Griffigkeit sei nicht allein schuld an den Unfällen, glaubt der Anwohner. „Die scharfen Kurven sind gefährlich. Man muss langsam fahren, um da unfallfrei durchzukommen.“ Die Tempo-Schilder mit dem zusätzlichen Hinweis auf Straßenschäden reichen seiner Meinung nach nicht aus. „Es müssen Schilder aufgestellt werden, die auf die gefährlichen Kurven und die Unfallgefahr hinweisen. Man muss dem Autofahrer erklären, warum er langsam fahren soll, sonst fährt dort niemand 30 Stundenkilometer“, sagt Fries.

Erster Kreisrat Heimann winkt ab. „Die Autofahrer müssen die Schilder beachten. Wir können nicht alle unsere Verkehrszeichen mit zusätzlichen Schildern erklären.“

Messanlage zeigt Tempo

Seit kurzer Zeit steht ein paar Hundert Meter vor dem Bahnübergang eine Geschwindigkeits-Messanlage. Sie ist von der Stadt angeschafft worden. Die Anlage kann verdeckt oder offen messen. Misst die Anlage offen, zeigt sie dem Autofahrer die gefahrene Geschwindigkeit an. „Das schreckt ab“, sind sich Anwohner und Politiker einig. „Seit die Anlage da ist, fahren die Autofahrer tatsächlich ein bisschen langsamer“, hat auch Fries beobachtet.

Das Gerät habe aber auch „erschreckende Werte“ aufgedeckt, sagt Obernkirchens Bürgermeister Oliver Schäfer. Seitdem an der Winternstraße Tempo 30 gilt, seien in einem Zeitraum von einer Woche fast 99 Prozent der Autofahrer zu schnell gefahren. Spitzenreiter war ein Autofahrer, der mit 105 Stundenkilometern unterwegs war.

Die Zahlen würden aber auch zeigen, dass tatsächlich einige wenige Autofahrer langsamer fahren, wenn die Anlage die Geschwindigkeit anzeigt. Das zeigten Messungen, die sowohl verdeckt als auch offen durchgeführt wurden. So fuhren bei einer offenen Messung 93,49 Prozent schneller als die erlaubten 30 Stundenkilometer.

Von Leonhard Behmann