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Als Hannover in Schutt und Asche fiel…

Obernkirchen Als Hannover in Schutt und Asche fiel…

Über das Leben der 90-jährigen Erna Nußpicker ließen sich Bände schreien. Die mit dem Bundesverdienstkreuz und mit hohen Ehrungen des Roten Kreuzes ausgezeichnete Obernkirchenerin ist ein Musterbeispiel für das Leben einer Frau, die alle Höhen und Tiefen eines von zwei Weltkriegen gezeichneten Jahrhunderts kennengelernt hat.

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Die jung gebliebene Erna Nußpicker und den Chef des DRK-Ortsvereins Obernkirchen, Dieter Horstmeyer, verbindet eine jahrzehntelange Zusammenarbeit. Im Hintergrund der stellvertretende Bürgermeister Horst Sassenberg.

Quelle: sig

Obernkirchen. Als sie in der Bergstadt das Licht der Welt erblickte, gab es die 20er Jahre mit ihrer unruhigen Nachkriegsphase, aber mit dem Wiederbeginn des gesellschaftlichen Lebens. Die Erinnerung an den mörderischen Krieg begann zu verblassen, die Folgen indessen nicht.

 Erna Nußpicker, die an der Strullstraße aufgewachsen ist, besuchte in Obernkirchen die Schule, wurde bei der Firma Lohmann im einstigen „Deutschen Haus“ zur Herrenschneiderin ausgebildet. Zur Berufsschule musste sie mit der Rinteln-Stadthagener Bahn in die Weserstadt fahren.

 Anfang 1941 wurde sie als 17-Jährige Mitglied des Roten Kreuzes und ließ sich zur Schwesterhelferin ausbilden. In einer Isolationsstation des Rintelner Krankenhauses kümmerte sie sich um Scharlach- und Diphtheriepatienten.

 Zwei Jahre später wurde sie zum Einsatz in Hannover dienstverpflichtet, wo nach mehrtägigen Bombenangriffen ganze Stadtteile brannten. Dort sah sie Erschütterndes. Die junge Rote-Kreuz-Helferin bemühte sich im Bunker bis zur Erschöpfung, Verletzte zu behandeln sowie mit Medikamenten und Essen zu versorgen. Die Obernkirchenerin erinnert sich noch heute daran, dass das alles im Dunkeln geschah, dass es kein Wasser gab.

 Nußpicker: „Wir haben uns die Hände mit Kaffee gewaschen und die Verbände im Schein von Taschenlampen angelegt. Neben den Verletzungen gab es auch viele Rauchvergiftungen. Wir arbeiteten drei Tage und drei Nächte hintereinander ohne Schlaf.“

 Nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt musste sie dort in einem in der Roten Schule eingerichteten Notlazarett 30 Verwundete pflegen und versorgen. Dazu gehörten auch 16- und 17-jährige „Hitlerjungen“, die den Steinberger Pass unter großen Verlusten gegen die anrückenden Amerikaner verteidigen wollten. Auch im Stift wurden verletzte Soldaten untergebracht und operiert. Zwei Wochen nach dem Einmarsch der Alliierten wurden die Notunterkünfte geräumt.

 Nach Kriegsende arbeitete Erna Nußpicker in einer englischen Offiziersgesellschaft am Schwarzen Weg – bis zu 14 Stunden am Tag. Als im Sommer 1946 die ersten Güterzüge mit entkräfteten Heimatvertriebenen aus dem Osten in der Bergstadt eintrafen, war sie sofort wieder im Einsatz.

 Neue ehrenamtliche Aufgaben folgten Mitte der 50er Jahre, als die erfahrene Schwester beim örtlichen DRK-Sozialdienst mitwirkte und sich um alte und kranke Menschen kümmerte. An die 30 Jahre lang stand sie an der Spitze dieser Gemeinschaft, die auch für die Blutspenden zuständig ist. Selbst im hohen Alter traf man sie noch in der Roten Schule.

 Nach einem Armbruch und zwei Hüftoperationen muss sie jetzt an sich selbst denken. Weit über 70 Jahre aktiver Dienst im DRK sind genug. Ihre Gäste bei der Feier zum 90. Geburtstag empfing sie im „Sonnenhof“ körperlich und geistig erstaunlich fit. Erster Gratulant war der stellvertretende Bürgermeister Horst Sassenberg, der ein Präsent der Stadt überreichte. Danach kamen mit einem großen Präsentkorb der Chef des DRK-Ortsvereins, Dieter Horstmeyer, und sein Stellvertreter Hartmut Möller. Pastor Wilhelm Meinberg und Abordnungen der Obernrkirchener Feuerwehr, des Strullrotts sowie heimscher Vereine komplettierten die Gästeschar. Sie bewiesen, welcher Wertschätzung und Beliebtheit sich die Jubilarin noch immer erfreut. sig

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