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Obernkirchen Stadt Altbau-Sanierung in der Innenstadt
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Altbau-Sanierung in der Innenstadt
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23:20 26.07.2016
Durch den Abriss maroder Gebäude entstandene Baulücken (hier: ein Grundstück an der Friedrich-Ebert-Straße) sollten nach Worten des Stadtplaners mit qualitativ hochwertigem Wohnraum bebaut werden. Fotos: wk
Obernkirchen

Wer sich dagegen auf die positiven Dinge konzentriert, entdeckt wunderschön restaurierte Gebäude sowie einige kleine, etablierte Ladengeschäfte und Gastronomiebetriebe sowie einen durchaus attraktiven Marktplatz.

Angesichts dieser harten Gegensätze stellt sich die Frage, wie es mit dieser Stadt weitergeht. „Die Grundlagen sind da, es muss halt gehandelt werden“, sagt der in Obernkirchen beheimatete Architekt und Stadtplaner Wolfgang Hein. Ein großes Problem stellt seiner Meinung nach jedoch die zum Teil „sehr schlechte Substanz“ der vorhandenen Altbauten dar, die „nur mit erheblichen Fördermitteln der öffentlichen Hand“ in einen vernünftigen – sprich: vermietbaren – Zustand gebracht werden könnten.

Die seitens der Stadt Obernkirchen dafür zur Verfügung stehenden Fördertöpfe würden dafür jedoch bei Weitem nicht ausreichen. Ergo brauche man – um die Bevölkerung in der Kernstadt zu halten und noch für Zuzug zu sorgen – ein umfassendes Gesamtkonzept in Sachen Stadtentwicklung sowie Investoren, die sich der Modernisierung der Innenstadt in größerem Stil annehmen. Und zwar, indem Gebäude, deren Sanierung unwirtschaftlich ist, abgerissen und an gleicher Stelle in das Stadtbild eingepasste, „qualitätsvolle Neubauten“ errichtet werden.

Kontraproduktiv ist laut Hein in diesem Kontext, dass die Bauleitplanung der Stadt Obernkirchen hinsichtlich der Friedrich-Ebert-Straße und der Langen Straße derzeit kein Wohnen in den Erdgeschossen erlaubt, sondern lediglich eine gewerbliche Nutzung gestattet. Wünschenswert sei es ja, wenn nach erfolgten Rund-um-Sanierungen oder nach Errichtung neuer Immobilien dann Geschäfte in die Erdgeschosse einziehen würden – aber in absehbarer Zeit werde dies nicht passieren. „Denn nur dort, wo Menschen leben, wird es auch Handel geben“, betont der Experte.

Ob sich der Handel allerdings noch einmal in der historischen Kernstadt konzentrieren werde, sei in Anbetracht der Zugkräfte des Einkaufszentrums am Rösertor und des am Sübecker Weg gelegenen E-Centers fraglich. „Es geht darum, sich vom Kern aus neu zu entwickeln“, unterstreicht Hein, nach dessen Einschätzung die Bergstadt durchaus „Potenzial“ dafür habe. Allerdings müsse man – und dies adressiert er auch an die Stadtverwaltung und Lokalpolitik – „Mut haben, Neues zu wagen“. Viele alte Gebäude in der Innenstadt seien jedenfalls dermaßen verbaut und schlecht, dass sich niemand finden werde, der diese Häuser saniert. „Und da zieht auch keiner mehr ein.“

Vor diesem Hintergrund plädiert Hein dafür, dass die Obernkirchener Stadtentwicklungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH (OSB) in der Kernstadt verstärkt Grundstücke mitsamt der darauf stehenden (maroden) Immobilien erwirbt.

Hat das stadteigene Unternehmen erstmal mehrere dieser Objekte im Bestand, könne es ein umfassendes Gesamtkonzept erstellen lassen, wie die jeweiligen Grundstücke bebaut respektive die Altbauten saniert werden sollen. Anschließend könne die OSB die jeweiligen Objekte dann gezielt auf den Markt bringen, um quasi eine Stadtentwicklung aus einem Guss inklusive einer „Verdichtung mit Wohnraum“ insbesondere für Bezieher unterer und mittlerer Einkommen zu erreichen.

„Angesichts der heutigen Geldmarktlage muss man sagen: Wenn nicht jetzt, wann dann“, unterstreicht der Stadtplaner. Denn das jetzige Zeitfenster mit den historisch niedrigen Zinsen sollte man schon nutzen, zumal es auch interessierte Investoren gebe.

Einen gewissen Vorbildcharakter hat laut Hein übrigens die derzeit laufende Sanierung des ehemaligen Verwaltungsgebäudes Lange Straße 1, das die Stadt Obernkirchen über die OSB zudem dergestalt umbauen lässt, dass dort demnächst unter anderem die örtliche Polizeistation einziehen wird. Denn solch ein Projekt könne anderen Gebäudeeigentümern durchaus einen „Schub“ geben, ihrerseits in die Substanz ihrer Immobilien zu investieren. wk