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Anders als anderswo

Warum der Winter in Obernkirchen speziell ist Anders als anderswo

Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn – für den Baubetriebshof Obernkirchen und seinen Leiter Karl Harting bedeutet der Winter vor allem eines: viel Arbeit.

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Starke Frau im Winterdienst: Marion Diedler hat Freude an ihrer Arbeit.

Quelle: mig

Obernkirchen. Obernkirchen im Winter – das hat, wie jedes Ding, zwei Seiten. Einerseits sind da die Rodler und Skifahrer, die sich über eine dichte Schneedecke freuen. Andererseits: Wer fährt schon gerne bei null Grad den Berg hoch? Wenn dann noch sämtliche Bürgersteige zugeparkt sind, hört der Spaß an der weißen Pracht schnell auf.

 Mit engen, rutschigen Straßen am Hang haben auch die Mitarbeiter des Baubetriebshofes Obernkirchen zu kämpfen, die seit Freitagmorgen im Einsatz sind. „Winterdienst in der Bergstadt ist Präzisionsarbeit“, sagt Karl Harting, der früher selbst ein Räumfahrzeug gefahren hat. Da die Fahrzeuge teilweise schwer und groß seien, müsse man bei Straßen am Hang besonders vorsichtig sein, hebt der Chef des Bauhofes hervor. Das gilt besonders für neue Fahrer, die nie ohne Einweisung oder Lehrgänge ans Steuer dürfen. „Jeder, der so ein Fahrzeug fährt, muss erst einmal ein Gespür dafür entwickeln.“ Man brauche Erfahrung, um zu wissen, wie der Salzstreuer oder das Räumschild zu bedienen sind. Das, so Harting, lernt ein Fahrer nicht sofort: „Dafür braucht er Jahre.“

 Aber auch danach darf sich keine Routine einschleichen, „sonst wird man betriebsblind“, gibt Harting zu bedenken. Vor allem Straßen mit Hanglage bergen Risiken. „Da wird es manchmal richtig eng – da braucht man Fahrer mit viel Erfahrung.“ Umso wichtiger ist es, dass Bürger Rücksicht nehmen, wenn ihnen eines der Räumfahrzeuge (drei kleinere Fahrzeuge und ein Lkw sowie zwei Kommunaltraktoren) begegnet. Harting rät Autofahrern, „das Fahrzeug während des Schiebens nicht zu überholen“, und: „Abstand halten“.

 Es sind aber nicht nur die steilen und engen Straßen am Hang die den Winterdienst in Obernkirchen schwierig machen. Ein weiteres Problem sieht Harting in den Wetterprognosen, die sich in der Bergstadt schnell als hinfällig erweisen können. „Die Lage oben und die Lage unten können völlig verschieden sein“, hat Harting über die Jahre festgestellt. Genauer gesagt: „Es kann sein, dass in Vehlen alles weiß ist, und in Krainhagen liegt gar nichts.“ Verantwortlich ist die jeweils unterschiedliche Höhenlage – sie sorgt dafür, dass der Winterdienst in Obernkirchen andere Anforderungen birgt als in Bückeburg oder Stadthagen. Warum? Harting erklärt das am Beispiel von Hannover: „Die Straßen dort liegen alle auf einer ebenen Fläche, haben eine einheitliche Temperatur. Bei uns können oben auf dem Berg zehn Zentimeter Schnee liegen mit Eis drunter, und weiter unten liegt vielleicht nichts.“ Die Mitarbeiter wissen damit umzugehen. „Jeder kennt die Gefahrenstellen und weiß, welche Straßen zuerst angefahren werden müssen“, sagt Harting. Die Mitarbeiter wüssten genau, welchen Belag sie vor sich haben und wie viel und welches Streugut da drauf muss – und dass an der Bergamtsstraße Splitt ausgebracht werden muss, um die Bäume zu schonen.

 Wer wann, wo und was machen muss – all das steht in den Streuplänen, die für jedes Fahrzeug individuell erstellt werden. Der Plan legt genau fest, bis zu welchem Zeitpunkt Straßen, Bürgersteige oder Ampelübergänge von Eis und Schnee zu befreien sind. Priorität haben Knotenpunkte, Hauptverkehrs- und Hangstraßen – beim „Multicar“ steht die Vehlener Straße ganz oben auf der Liste. Ebenfalls Vorrang genießen Schulen und Kindergärten. Anwohnerstraßen oder Parkplätzen müssen etwas länger warten.

 Und wenn es jetzt doch noch mal ganz dicke kommt? Eis und Schnee gleich mehrere Wochen lang? Laut Harting wäre das kein Problem, der Bauhof sei gut gerüstet. „In unserem Salzlager liegen 150 Tonnen, wir bereiten uns immer auf einen mittleren Winter vor.“ Zufrieden ist Harting auch mit dem vor eineinhalb Jahren neu angeschafften Aufsatzstreuer, der schon mehrmals im Einsatz war. Hierbei sieht Harting die Vorteile vor allem in der Bauweise: Das Gerät sei wendiger als ein „Nachläufer“ und komme so in engeren Straßen besser zurecht. Ebenfalls vorteilhaft sei das „Streubild“: Die Salzmenge lässt sich ganz fein dosieren – was Kosten spart und die Umwelt schont.

 Zum Schluss Hand aufs Herz: Gibt’s noch einmal richtig Winter, Herr Harting? Der Bauhofchef, der schon viele Winter erlebt hat, hält sich bedeckt. Eine Prognose wolle er nicht abgeben, dafür sei das Wetter in den vergangenen Jahren viel zu unberechenbar geworden – „und eine Kristallkugel habe ich nicht“. Statt eines „richtigen“ Winters gebe es immer wieder kleinere Winter-Einbrüche, die viel Arbeit mit sich brächten. „Immer wenn sich der Winter mal wieder meldet, müssen wir unsere Fahrzeuge kurzzeitig aufrüsten, dann ist wieder Schluss und wir rüsten unsere Fahrzeuge wieder ab.“

 Zum Schluss des Gesprächs wirft Harting einen Blick aus dem Fenster. Die Flocken werden dichter, es beginnt, zu schneien. Das Telefon schrillt – ein Anruf. „Ein Lkw am Sonnenbrinkbad kommt die Auffahrt nicht hoch, da muss jetzt einer hin“, teilt Harting mit. Im Hof macht Marion Diedler einen kleinen Traktor bereit. Sie muss Gehwege räumen, eine Arbeit, die sie gerne macht, wie sie sagt. „Ich helfe gerne dabei, den Verkehr sicherer zu machen. Die Menschen freuen sich, wenn ich komme.“ Und die Kälte? Die mache ihr nichts aus, sagt Diedler. „Ich bin dick eingepackt, und im Führerhaus haben wir eine Heizung.“ Anstrengend ist der Winterdienst dennoch. Die erste Schicht beginnt frühmorgens um 5 – die Letzte endet um 22 Uhr. Und wenn es brennt? Dann sind die Mitarbeiter rund um die Uhr im Einsatz. „Ich glaube, es wird ein schöner Tag“ steht auf einer Tasse in Hartings Büro. Diedler hätte sicher nichts dagegen. mig

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