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Ausstellung von Frieder Korff

zur Verfolgung der Juden Ausstellung von Frieder Korff

„Wir wollen erinnern, nicht vergessen“: Kurz vor der Verlegung der ersten Stolpersteine in Obernkirchen ist in der Stiftskirche St.Marien eine Ausstellung mit Glasarbeiten von Frieder Korff eröffnet worden.

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Frieder Korff (Mitte) erklärt Gästen und Mitgliedern des Arbeitskreises „Stolpersteine“ seine Glasarbeit „Verlassen“.

Quelle: mig

Die Werke des Künstlers aus Mittelbrink widmen sich der Zeit des nationalsozialistischen Terrors und insbesondere der Verfolgung der jüdischen Mitbürger.

 Glas, überall Glas, das einen sofort an die Reichspogromnacht denken lässt. Als im Jahr 1938 ein aufgehetzter Mob die Synagogen anzündet und Geschäfte plündert, liegt es überall auf den Straßen und Bürgersteigen: zersplittertes, zertretenes Glas. Die „Reichskristallnacht“ (so der Nazijargon) wird zum Symbol für all das, was der jüdischen Bevölkerung noch bevorsteht. An Mord und Totschlag, an Deportation und an Vergasung. In den herausgerissenen Fenstern spiegelt sich die Fratze des Todes, des Holocaustes.

 Und Obernkirchen? Dort wird die „Protestaktion gegen die Juden“ sehr bürokratisch gehandhabt. Der Bürgermeister meldet dem Landrat die „korrekte Erledigung“ mit den Worten: „Im Verlaufe der Protestaktion gegen die Juden wurden in der Nacht von 9./10. November die Schaufenster der jüdischen Geschäfte Elias Lion & Co. und Paul Adler sowie die Inneneinrichtung der Synagoge und Fensterscheiben, der mit der Synagoge verbundenen Wohnung (...) zerstört.“ Im „Obernkirchener Anzeiger“ heißt es dazu: „Jetzt müssen auch sie es spüren! Sechs Jahre haben sie bei uns gelebt (...) sechs Jahre wurde ihnen kein Haar gekrümmt (...) ihnen sagte niemand etwas, den Juden.“

 Zersprungenes, geknetetes oder verschmolzenes Glas findet sich in fast allen Werken des Glaskünstlers Korff. Da ist beispielsweise ein Triptychon, das die Reichspogromnacht und die nationalsozialistische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in drei Fenstern nachzeichnet. Auf der einen Seite sind – in Fusingtechnik eingearbeitete – Fackeln zu sehen, auf der anderen eine eingeschlagene Scheibe. Dazwischen, im Mittelteil, steckt das Foto einer jüdischen Mitbürgerin, die in dem Moment ihrer Deportation fotografiert wird. Ein Dokument, das erschüttert.

 Das Fenster lenkt den Blick in eine ferne, fremde Zeit. Ist das noch Obernkirchen oder ein anderer trauriger Planet?! „Wo waren die Christen?“, gab Korff in einer kurzen Einführung zu bedenken.

 Ein anderes Thema, das in Korffs Werken Eingang gefunden hat: das von Gefangenschaft und Zwangsarbeit. Unzählige Menschen seien damals aus Osteuropa nach Deutschland verschleppt worden. Spitzzackige Glasscheiben, die nebeneinander wie hohe Eisberge aufragen, symbolisieren Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Leben in einer Wüste aus Hass und Rassenwahn. Was ihn zu seiner Auseinandersetzung mit Gewalt und Krieg bewogen hat? Korff erklärt das unter anderem mit seiner ehrenamtlichen Arbeit, als Mitglied im Aktionskreis Stolpersteine in Stadthagen. Er setze sich dafür ein, dass die ehemalige Synagoge zu einem „Gedenk- und Lernort“ wird. mig

  • Die Ausstellung ist freitags von 10 bis 12 Uhr und an Wochenenden von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
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