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Bei den letzten Schritten nicht alleine

Hospizgruppe Obernkirchen-Auetal Bei den letzten Schritten nicht alleine

Sie sind bei einem, wenn das Leben zu Ende geht und der Mensch an der Schwelle zum Tode steht – manchmal zu Hause, manchmal im Pflegeheim, manchmal über Monate, manchmal nur Tage. Sie: Das sind die aktuell 14 Aktiven der ambulant arbeitenden Hospizgruppe Obernkirchen-Auetal.

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Bereiten das Programm für das Zehnjährige ihrer Hospizgruppe vor: Angela Stiepermann (von links), Barbara Weißbrich (Koordinatorin) Doris Essmann, Pastor Wilhelm Meinberg und Burkhart Mecking.

Quelle: tw

Obernkirchen. In Kürze besteht dieser Zusammenschluss Ehrenamtlicher zehn Jahre. Mit einer Jubiläums-Ausstellung in der Sparkasse Schaumburg am Marktplatz will sich die Hospizgruppe ab 14. März noch stärker ins Bewusstsein der Bürger bringen. „Es können sich nämlich noch weit mehr Menschen trauen, unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen“, sagt Koordinatorin Barbara Weißbrich.

„Das Datum der Eröffnung der Schau fällt mit dem des ersten Treffens der Gruppe 2005 zusammen“, erinnert Wilhelm Meinberg. Der Pastor: „Die Initiative zu ihrer Gründung ist damals von Sonnenhof-Leiter Werner Hobein ausgegangen.“ Einige der Frauen und Männer der ersten Stunde sind auch heute noch dabei. Damals begann sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass die Sterbebegleitung am Ende der Pflege oft zu kurz kommt.

Ein erster Informationsabend vereinte vor zehn Jahren 50 Interessierte, darunter auch viele Pflegekräfte. „Enorm“, meint Meinberg noch heute. Das Ganze sei damals wie heute eine Art „Bürgerbewegung“.

Seit damals indes hat sich eine Entwicklung noch beschleunigt, die schon 2005 unübersehbar war: „Die Menschen ziehen sich mit ihrer Trauer mehr und mehr ins Private zurück“, weiß der Geistliche. Sie würden sich zunehmend scheuen, ihre Trauer mit anderen zu teilen.

Öffentliche Trauerfeiern würden weniger und kleiner. Rituale bröckelten, oft solle der Abschied von dem Verstorbenen so schnell als möglich über die (Lebens-)Bühne gehen.

Doch diese Privatisierung von Trauer bringt für viele Menschen Probleme mit sich. Probleme, bei denen die Angehörigen der Hospizgruppe Obernkirchen-Auetal ebenfalls eine Stütze sein können – und wollen.

„Wir versuchen oftmals, auch nach dem Tod des Menschen, den wir begleitet haben, zur Trauerfeier zu kommen und den Hinterbliebenen Zuspruch zu geben“, erzählt Burkhart Mecking, der als Ehrenamtlicher mitarbeitet. Eben diese Post-mortem-Betreuung will die Gruppe ab dem Jahreswechsel noch weiter ausbauen.

Für Menschen, die sich zu Sterbebegleitern im Ehrenamt ausbilden lassen wollen, gilt: „Sie sollten belastbar, offen und kommunikativ sein“, sagt Weißbrich. Wichtig ist ferner die Fähigkeit zur Selbstreflexion des Erlebten. Die Kurse bei der Hospizgruppe Obernkirchen-Auetal dauern neun Monate und sind mit einem Praktikum verbunden. Gerade läuft ein Grundkursus – es ist bereits der fünfte – mit zehn Teilnehmern; sie befinden sich derzeit im Praktikumspart.

Begleitet wird von jedem Gruppenmitglied immer nur ein einziger Sterbender; wie lange, das hängt von dessen Wunsch beziehungsweise dem der Angehörigen ab. Auch eine tägliche Begleitung ist möglich; in der Regel absolvieren die Ehrenamtlichen dann aber diese fordernde Aufgabe zu zweit. Der bis dato jüngste Mensch, der sich eine Begleitung am Ende seines Lebensweges wünschte, war erst 42 Jahre alt.

Stichwort Ausstellung. Das, was am 14. März (Vernissage) um 11 Uhr in der Sparkasse unter dem Titel „Ich begleite dich.“ zunächst einem kleinen geschlossenen Kreis vorgestellt wird, können ab 16. März zu den üblichen Öffnungszeiten des Geldhauses alle sehen. „Gezeigt werden acht Infotafeln des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes (Berlin), dessen Mitglied wir sind“, berichtet Weißbrich.

Es ist eine Wanderschau, welche die Betrachter über kleine Bildergeschichten quasi en passant zum Nachdenken anregen soll – ohne sie dabei mit Fotos von Sterbenden zu konfrontieren, wie es wahrscheinlich die Meisten erwarten würden. Ein Mitglied der Gruppe hatte die Koordinatorin auf die Ausstellung aufmerksam gemacht. „Sie ist das allererste Mal im Landkreis Schaumburg zu sehen“, so Weißbrich. Die Schau läuft 14 Tage und endet am 27. März.

Parallel dazu bietet die Gruppe begleitende Aktionen an: „Wir werden an den Tagen des Wochenmarktes, dienstags und freitags, zwischen 11 und 12 Uhr ein Mitglied als Ansprechpartner vor Ort haben“, sagt Angela Stiepermann. Wer möchte, so die Ehrenamtliche, kann sich auf Anfrage – Telefon (05724) 51340 – auch führen lassen; das könnte in erster Linie für Gruppen interessant sein. Etwa für IGS-Schüler der neunten und zehnten Klassen oder auch Konfirmanden.

Ergänzt wird das Programm zum Zehnjährigen um einen Vortrag: „Heidrun Kuhlmann wird ihn unter der bewusst doppeldeutigen Überschrift ,Endlich leben‘ am 18. März um 19 Uhr in der ‚Roten Schule‘ halten“, blickt Gruppenmitglied Doris Essmann voraus. Es geht darum, wie Menschen den Tagen mehr Leben geben können. Der Eintritt ist frei. Last, but not least wird es auch noch eine zwar gemeinsame, aber nicht öffentliche Feier geben, bei der die Aktiven in der Kirche zu Kathrinhagen der Menschen, die sie im Sterben begleitet haben, gedenken. tw

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