Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Besucheransturm in den Sandsteinbrüchen

„Tag des Geotops“ Besucheransturm in den Sandsteinbrüchen

Einen regelrechten Besucheransturm haben die auf dem Bückeberg gelegenen Obernkirchener Sandsteinbrüche anlässlich des bundesweiten „Tag des Geotops“ erlebt.

Voriger Artikel
Haydn, Chopin und Liszt im Stift
Nächster Artikel
Zeigen, was man kann

Beim „Tag des Geotops“ informieren Mitarbeiter der Sandsteinbrüche die Besucher über die breite Produktpalette, zu der das abgebaute Gestein verarbeitet wird.

Quelle: wk

Obernkirchen. Über den Aktionstag verteilt waren es mehrere Hundert Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, die die Gelegenheit genutzt haben, gleich in zweifacher Hinsicht auf Entdeckungstour zu gehen. Zum einen wegen der großen Ansammlung beim Abbau freigelegten Dinosaurierfährten und zum anderen wegen des Steinbruchbetriebes selbst, der sich mit einen Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit präsentierte.

Wer das Ganze von der Erdgeschichte her chronologisch anging, fing bei bei den Dino-Fährten an, zu denen Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesmuseums (Hannover) und andere fachkundigen „Guides“ vor Ort jede Menge Wissenswertes zu berichten hatten. So war etwa von der Geologin Annina Böhme zu erfahren, dass es hier zwei Areale mit rund 140 Millionen Jahre alten Trittsiegeln der großen Urzeittiere gibt. Das ist die auch sonst für die Öffentlichkeit auf einem Bohlenweg zugängliche „Obere Sohle“, die eine Vielzahl von versteinerten Fährtenabdrücken von iguanodontiden Dinosauriern (große Pflanzenfresser) aufweist, sowie eine mit „Hühnerhof“ betitelte Fährtenplatte, in der die Trittsiegel von unterschiedlichen Dino-Arten erhalten sind.

Um welche Arten es sich genau handelt, lasse sich jedoch – ebenso wie bei der „Oberen Sohle“ – anhand der bloßen Abdrücke nicht bestimmen, erklärte die Expertin. Wohl aber könne man diese Fährten konkreten „Großgruppen“ zuordnen.

In dem – für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglichen – „Hühnerhof“ hatten seinerzeit somit ebenfalls iguanodontide Dinosaurier Trittsiegel hinterlassen. Außerdem Raubsaurier, wobei hier beispielsweise Vertreter der Gattungen Neovenator oder Allosaurus denkbar seien, die bei einer Körperlänge von bis zu zehn Metern bis zu zwei Tonnen Gewicht auf die Waage gebracht hätten. Und schließlich seien hier noch Fährten von vergleichsweise kleinen, von der Art her nicht näher bestimmbaren Sichelklauensaurier zu sehen.

Auf Knochenfunde brauche man in den Obernkirchener Sandsteinbrüchen indes nicht zu hoffen, ergänzte Böhme. Da es sich bei dem Obernkirchener Sandstein um ein „kieselsaures Millieu“ handele, blieben etwaige Skelettteile hierin nicht erhalten, sondern hätten sich in den damaligen Sedimenten am „südlichen Küstenrand eines riesigen Binnensees“ mit der Zeit vollständig aufgelöst.

Demgegenüber ist es gerade die mineralogische Zusammensetzung des zu 95 Prozent aus kieselig gebundenem Quarz bestehenden Sandsteins, der die Qualität dieses Naturmaterials ausmacht, erklärte Klaus Köster, der Geschäftsführer der Obernkirchener Sandsteinbrüche GmbH. Dadurch sei das Gestein witterungsbeständig, während tonig oder kalkig gebundener Sandstein verwittere.

Der Abbau des europaweit vertriebenen Sandsteins geht übrigens so vonstatten, dass aus den einzelnen Sandsteinschichten mittels eines Radladers, an dessen Frontpartie ein massiver „Dorn“ als Hebelwerkzeug montiert ist, rund 20 bis 80 Zentimeter dicke und bis zu 40 Tonnen schwere Schollen herausgebrochen werden. Diese Schollen werden dann in einer Sägehalle zu ein bis vier Kubikmeter großen und bis zu zehn Tonnen wiegenden Blöcken verarbeitet.

Diese Blöcke werden danach in das nahe des Obernkirchener Bahnhofes gelegene Produktionswerk transportiert, wo sie unter anderem zu Fassadenplatten, Bodenbelägen, Pflastersteinen und Blockstufen weiterverarbeitet werden.

Für wie lange die auf dem Bückeberg vorhandenen Sandstein-Ressourcen noch einen wirtschaftlichen Abbau ermöglichen, vermochte Köster nicht einzuschätzen: „Vor der Bergmannslampe ist es dunkel“, bediente er sich einer alten Bergmanns-Weisheit, um zum Ausdruck zu bringen, dass man halt nicht in den Berg hineinschauen könne.

Ludger Franke, der Chef des Technischen Büros des Unternehmens, formulierte es indes so: „Hier wird schon seit 1000 Jahren Sandstein abgebaut, und deswegen hoffen wir, dass es hier in den nächsten 1000 Jahren auch noch Obernkirchener Sandstein gibt!“

Träger des bundesweiten „Tags des Geotops“ sind die Fachsektion Geotop in der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, die Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien und die Paläontologische Gesellschaft. Dabei wird der Aktionstag insbesondere von den Geologischen Diensten der Bundesländer koordiniert und dezentral von örtlichen Veranstaltern ausgerichtet. wk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg