Obernkirchen (rnk). In der Kunst versteckten sich auf jeden Fall Widersprüche, meinte Hobein: Während manche Menschen Künstler immer noch als die Luftikusse betrachten und bezeichnen würden, die nicht wirklich arbeiten wollten, so hätte sich doch – über Hunderte von Jahren – eine Kategorie eben dieser Künstler zusammengetan, um wieder und wieder ständig neue und alte Kunstwerke zu schaffen. Sollte heißen: Kunst ist an sich in seiner Definition subjektiv: „Kunst ist das, was man selbst als Kunstwerk betrachtet.“ Hobein griff anschließend auf Wassily Kandinsky zurück: „Die Kunst ist ein kompliziertes Phänomen“, hatte der russische Maler, Grafiker und Kunsttheoretiker einst erklärt. Aber immer gelte, so Hobein, man müsse für die Kunst aufgeschlossen sein, nur dann erkenne man die wahren Ziele, die ein Künstler mit seinem Werk erreichen wolle. Und dazu gehöre auch eine „unglaubliche handwerkliche Akkuratesse“, durch die sich auch das Werk von Reinhold Sandow auszeichne.
Sechs, sieben Jahre hat es doch gedauert, ehe der Obernkirchener Künstler und der Sonnenhof zu einer Ausstellung zusammenfanden, dafür ist es auch eine der schönsten geworden, die die Stadt seit Jahr und Tag dem geneigten Betrachter anbieten kann. Sandow, der auf zwei Jahrzehnte freiberufliches Arbeiten als Kunstmaler und Grafiker zurückblicken kann, der seit 1975 in rund 50 Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten war und dessen Arbeiten sich in privater Hand in Europa und den USA befinden, hat auf seinen Spaziergängen Orte gefunden, die an märchenhafte Inseln erinnern; es sind unverhoffte Begegnungen, die der Entspannung, Erholung oder auch der Erbauung dienen, die zur gedankenvollen Muße anregen. Diese Ausstellung beschwingt das Sehen und Gehen.
Auch darin bestehe Kunst, meinte Hobein: Ganz dem eigenen Eindruck vertrauen und dann die Werke nach der eigenen Betrachtung beurteilen; auch wenn diese entgegen der Meinung der Mehrheit anders ausfallen könnte: „Kunst ist, was man nicht erklären kann, sondern jeder selbst sehen und fühlen muss.“ Kurzum: Was Kunst letztlich sei, könne in jedem Wörterbuch nachgeschlagen, aber nie wirklich definiert werden.
Die Bilder und Grafiken von Reinhold Sandow können zu den Öffnungszeiten des Seniorenheims Sonnenhof besichtigt werden, die Preise beginnen bei 60 Euro; die Bilder sind mit ihnen ausgezeichnet, was eigentlich überflüssig ist, denn heutzutage, so hatte Oscar Wilde schon vor vielen Jahren erkannt (und daran hat sich nicht viel geändert), heutzutage also kennen die Leute ja von allem den Preis – und von nichts den Wert.
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