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Bis zu fünf Kastanien nicht mehr zu retten?

Obernkirchen / Bergamtstraße Bis zu fünf Kastanien nicht mehr zu retten?

Es ist nur eine Vermutung, aber sie basiert auf langer beruflicher Erfahrung: Zwei, wenn nicht sogar drei Kastanien in der Bergamtstraße sind nicht mehr zu retten, sie müssen gefällt werden. Hinter zwei weiteren Bäumen steht zumindest ein dickes Fragezeichen, resümiert Ulrich Grupe nach zwei Tagen Sanierungsarbeit. Das letzte Wort wird ein Gutachter haben, der die Bäume noch untersuchen wird.

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Mit der richtigen Seilklettertechnik ist Höhe kein Problem: Die Auetaler Baumpfleger bei den Sanierungsarbeiten an den Kastanien in der Bergamtstraße. © rnk

Obernkirchen (rnk). Das erste Problemkind sieht richtig vital aus: Es ist – von oben aus gesehen – die erste Kastanie auf der rechten Seite: üppiges, schön gefärbtes Laub, dichte Krone. Der Eindruck täuscht, sagt der Auetaler Baumpfleger: Innen sitzt eine tiefe Fäule, der Baum leidet unter einem Pilz, der das Holz zersetzt. Die Folge: Der Baum ist nicht mehr stabil, er ist brüchig. Die Kastanie stützt sich nur noch auf die sogenannte Restwandstärke, über die sie auch versorgt wird – daher der rein optische Eindruck einer vor Leben nur so strotzenden Vitalität.

Der zweite Fällkandidat ist die mächtige Kastanie beim Kriegerdenkmal, es ist der zweie Baum links. Er teile sich: Ein Drittel, zur Straße hin, ist völlig in Ordnung, zwei Drittel sind entweder abgestorben – oder das wenige noch vorhandene Laub ist am verwelken. „Er hat ein Versorgungsproblem“, erklärt Grupe, „er ist extrem geschädigt.“ Schädigungen, die im nächsten Jahr wohl noch deutlich stärker wieder auftreten werden.

Als Ursache benennt der Fachmann die Verticillium-Welke: Das ist eine Krankheit, deren pilzlicher Erreger das innere Gefäßsystem der Bäume besiedelt. Dadurch wird die Wasserversorgung der Pflanze unterbrochen, die Abwehrreaktion gestört. Es treten zunächst Welke-Erscheinungen an Blättern auf. Sie fallen früher ab oder bleiben abgestorben hängen. Auch ein Teerfluss weist auf die Krankheit hin, die Grupe als nicht heilbar einstuft: „Der Verlauf ist nicht umkehrbar.“

Die dritte Kastanie steht vor dem Grundstück von Gärtnermeister Kirchner. Dort wurde einst ein großer Ast abgesägt, dadurch drang Feuchtigkeit ein, heute kann Grupe buchstäblich durch den Baum sehen: Durch ein zweites Loch fällt Licht ein. Auch dabei gilt: Die augenscheinliche Vitalität steht in einem ganz andern Verhältnis zu seinem Zustand.

Zwei weitere Wackelkandidaten stehen im unteren Bereich der Straße. Nur wenig trösten kann da die Erkenntnis von Grupe, dass insgesamt drei der in der Straße stehenden Bäume keine weiß blühenden, sondern rot blühende Kastanien sind, die deutlich weniger anfällig gegen Pilze sind.

Bei der Hälfte der Kastanien wurden von Grupe und seinem Team die Kronen gesichert, zwei Möglichkeiten stehen dem Baumpfleger zur Verfügung. Zum einen die dynamische Sicherung, bei der ein Gurt mit der zu sichernden Krone mit einem Seil verbunden wird, sodass sich der Baum bei Wind durchaus bewegen kann – ein Anreiz für ihn, sich im Holz weiter zu verstärken. Selbst wenn es zu einem Bruch kommen würde, wären weder Mensch noch parkende Autos gefährdet: Der abgebrochene Ast bliebe einfach im Seil hängen.

Die zweite Möglichkeit ist die statische Sicherung, die Grupe an zwei Kastanien durchführte. Sie ersetzt die früher übliche Sicherung durch Gewindestangen und Drahtseil. Heute werden Gurte mit dem Seil verbunden und sorgen dafür, dass sich die Äste nicht mehr so stark bewegen, weil die Schädigung des Baums schon recht weit vorangeschritten ist.

Die Kastanie, so Grupe, kann zwar 200 Jahre alt werden, hat aber das gleiche grundsätzliche Problem wie Pappel, Weide oder Birke: Sie ist schlecht abgeschottet, sie kann sich also wenig gegen Pilze wehren. Die Folge: „Selbst kleine Wunden führen zu großen Schäden.“ Höchstens sechs bis acht Zentimeter Durchmesser darf ein Ast also haben, wenn er noch abgeschnitten werden soll. Ansonsten werde der Ast einfach eingekürzt, das verringere das Gewicht.

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