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Blick hinter die Kulissen des Stadtmuseums Obernkirchen

Lauter Quatschkram Blick hinter die Kulissen des Stadtmuseums Obernkirchen

Es sind ein paar Kisten, die Sybille Schlusche aus einer Ecke hervorkramt und öffnet. Und das, was sie so herausholt, das nennt sie „lauter Quatschkram“. Er führt zurück in eine Zeit, als Obernkirchen noch eine Einkaufsstadt war, als es dort Schlachtereien, Schuhhändler und Modehäuser in der Innenstadt gab.

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Und was haben wir hier? Sybille Schlusche und eine ihrer Schatzkisten.

Quelle: rnk

OBERNKIRCHEN. Dieser Quatschkram, das sind einfache Dinge, die keinen materiellen Wert besitzen, aber die Erinnerung sprechen lassen. Etwa ein Kalender der Fleischerei Weberling. Oder eine Einladung des Hauses Stühmeyer zu einer Modenschau. Gedruckt ist sie auf einem Stofftaschentuch, gute Qualität, eine Mark und 50 Pfennige kostet der Eintritt. Oder das Geschäft von Georg Schaper, gegründet 1866, der vorn auf einer Kundenzeitschrift von „Spar“ für einen Geschäftsbesuch wirbt.

 Dann nimmt Schlusche ein Buch in die Hand, 110 Seiten dick, verteilt hat es die Schlachterei Eduard Laue an die Kunden. Es ist pickepackevoll mit Rezepten. Unter dem Stichwort „Alles mit Innereien“ kann man nachschlagen, wie Leber, Herz, Lunge, Niere, Euter oder Zunge schmackhaft zubereitet werden.

 Alles Kleinkram, wie gesagt, aber doch lebendige Geschichte; Stadtgeschichte, wenn man so will. Und Schlusche möchte sie in absehbarer Zeit im Museum zeigen.

 Sie hat nach dem Tod von Rolf-Bernd de Groot das Museum für Bergbau und Stadtgeschichte übernommen, und eine Zeit lang, sagt sie, war es nicht so einfach: „Es kam niemand mehr, weil alle dachten, es würde nicht weitergeführt werden.“ Das habe sich wieder geändert, erzählt sie, jetzt gibt es wieder Führungen. „Es kommen Besucher, Klassen oder der Kindergarten.“

 Natürlich ist die Führung des Museums durch Schlusche eine rein ehrenamtliche, die nach der Arbeit erfolgt. Und so möchte sie eigentlich gar nicht groß über die kommenden Pläne für das Museum sprechen, weil sie weiß, dass das auch einen gewissen Druck erzeugt, diese Ideen in absehbarer Zeit umzusetzen.

 Aber der Quatschkram, der würde schon gut passen. Denn flankiert wird er von einem großen Bilderarchiv, das Trude Krömer und Karl Ackemann hinterlassen habe. Nachlässe, die schwierig aufzuarbeiten sind, weil es nur wenig Kontaktabzüge gibt, aber Ordner voller Negative. Hier, so hofft Schlusche, finden sich Bilder, die das Obernkirchen von einst zeigen; aus den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren; Bilder von Häusern aus der Fußgängerzone.

 Dann könnte man diese Bilder zeigen, und vor jedes Foto würde dann eine kleine Erinnerung gelegt, eben jener Quatschkram. Einen Raum für eine derartige Ausstellung gibt es zudem. Er findet sich dort, wo das große Stadtmodell steht. Ohne großen Aufwand könnte man dort die Fotos aufhängen; einen eindeutigen Bezug gebe es ja.

 Schlusche hat in ihren Kisten mittlerweile ein Lesezeichen gefunden. Es ist von der Firma Osram und hat die Form einer Birne. „Und genau diese Glühbirne“, sagt sie, „hängt oben in der Bergarbeiterwohnung in einer Lampe.“ Und noch ein schönes Fundstück aus der jüngeren Zeit: Auf einem Bild ist ein golfspielender Hai zu sehen. Dazu wird gereimt, als gäbe es kein Morgen: „Den Fachmann graust, es staunt der Laie: In Obernkirchen golfen Haie.“ Bekanntlich hatte der Golfplatz vor seiner Anlage nicht nur Freunde.

 Ganz am Schluss findet sie noch ein Kartenspiel, es stammt von der Stadtsparkasse. Auf Karte 8C wird ein Wort erklärt: Wohlstand. Er entsteht durch Arbeit und Sparsamkeit: „Im Sparbuch verdoppelt sich das Guthaben bei vier Prozent durch Zinseszins in 18 Jahren.“

Hinweis:

 Wer noch „Quatschkram“ besitzt und ihn in die Hände des Museums geben möchte, damit er vielleicht Teil einer Ausstellung wird, kann zu den regulären Öffnungszeiten des Museums mittwochs und sonntags gern ab 15 Uhr vorbeikommen.
 rnk

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